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Die Wiesbadener Künstlerin Petra von Breitenbach.
Die Wiesbadener Künstlerin Petra von Breitenbach. © FR/Oeser

Die Künstlerin Petra von Breitenbach stellt auf der Hessiale aus, der wichtigsten Werkschau hessischer Künstler. Von Rosa Vollmer

Von Rosa Vollmer

Neben einer froschhändigen Frau, die unter einer gelb karierten Decke liegt, schwebt ein rundes Gesicht mit einem großen, roten Mund. Auf seiner Stirn steht geschrieben: "Do it". Es ist das Schlüsselmotiv der Hessiale, der Landeskunstausstellung, die am 23.08. in Hanau beginnt. Und es stammt aus den Händen der Wiesbadener Künstlerin Petra von Breitenbach.

Das Aquarellbild ist eines von zwölf Werken mit dem Titel "Die alltägliche Suche nach dem Glück." "Klar bin ich stolz, dass eines meiner Bilder für das Plakat ausgewählt wurde", so von Breitenbach. Dass sie es als eine von 20 Künstlern und Künstlerinnen unter 153 Bewerbern geschafft hat, bei der Hessiale ausstellen zu dürfen, sei eine große Ehre.

Ausgangspunkt für diese Motive sind ihre Tagebuchzeichnungen: "Seit 20 Jahren zeichne ich jeden Morgen beim Frühstücken ein kleines Bild mit dünnen Filzstiften und Buntstiften." Es seien Dinge, die sie in irgendeiner Weise beeindruckt hätten, denen sie auf ihren vielen Spaziergängen begegnet sei, aber auch psychologische Befindlichkeiten. Es sind oftmals Figuren und Gegenstände, vor allem aber immer wieder Gesichter, wie etwa eine Frau, die mit einem Kinderwagen voller Müll in der S-Bahn zwischen Mainz und Wiesbaden steht, oder ein Messer, das mitten auf der Straße lag. "Es geht mir dabei nicht um korrektes, minuziöses Zeichnen, sondern um so etwas wie Energie, vielleicht."

Energie ist auch ein wichtiges Thema, wenn es um die Einteilung ihrer Zeit geht. "Um ein Künstlerleben führen zu können, muss man diszipliniert sein - das hat nicht viel mit Partys auf Ibiza zu tun", erklärt die Künstlerin lachend. Wenn sie male, sei der Tag dahin, dann könne sie nicht einmal kochen.

Ruhe ist notwendig

An Tagen, an denen sie nicht malt, so von Breitenbach, trifft sie sich mit Künstlerkollegen um sich auszutauschen, kümmert sich um Freunde und Familie, macht Spaziergänge. Auf diese Weise schöpfe sie ihre Energie einerseits aus ihrem sozialen Netzwerk, andererseits aus der Ruhe. Sie brauche einen Ort, wo sie die Dinge lassen kann, sonst sei sie wie eine "zu volle Festplatte".

Nach ihrem Designstudium in den Siebzigerjahren hatte sich Petra von Breitenbach zunächst für ein ganz anderes Leben entschieden: Sie machte ihr Diplom in Sozialpädagogik und war bis Mai 2008 im Bereich Kinder- und Jugendarbeit tätig. "Nach vier Jahren Produktivitäts-Muss brauchte ich damals erst mal eine Pause", so die Künstlerin. Doch schon während ihrer Zeit als Sozialpädagogin begann sie wieder zu malen - ab 1986 im Atelier der Wiesbadener Künstlerin Christa Moering, deren Arbeit und Denkweise sie nachhaltig geprägt habe.

Die von Moering gegründete Künstlervereinigung "Gruppe 50" ist bis heute einer ihrer wichtigsten Bezugspunkte. "Wenn wir uns treffen, trinken wir nicht Kaffee und quatschen, sondern planen und treiben unsere Projekte voran", sagt von Breitenbach. Ihre Kollegen waren es auch, die ihr zugeredet haben, ihre Tagebuchzeichnungen auszustellen: "Das hat mich damals überrascht - und natürlich gefreut!" Im kommenden Jahr wird sie gemeinsam mir ihnen im Wiesbadener Rathaus ausstellen, denn die Gruppe 50 feiert ihren 60. Geburtstag.

Ihre soziale Ader existiert aber auch noch. Neben ihrer Arbeit als Kunstschaffende gibt die heute 56-Jährige an der Volkshochschule Kunstkurse für Kinder. "Die Arbeit mit Kindern ist mir sehr wichtig", so Breitenbach, die selbst keine Kinder hat. Das sei mit beiden Berufen nicht auch noch zu vereinen gewesen - "leider". Mit einer Mischung aus Ehrlichkeit und Gelassenheit fügt sie hinzu: "Rückblickend denke ich aber, ich habe alles richtig gemacht."

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