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Wiesbaden streitet: Die Citybahn hat Befürworter und Gegner.

Wiesbaden

Bedenken gegen Citybahn

Der Wiesbadener Stadtteil Biebrich könnte den Ausgang des Bürgerbegehrens bestimmen.

Wiesbaden streitet über die Citybahn. Ob sie tatsächlich gebaut wird oder nicht, könnte beim Bürgerbegehren am 1. November in Biebrich entschieden werden. Denn der Stadtteil ist mit seinen 38 800 Einwohnern der größte Wiesbadener Ortsbezirk. Und ausgerechnet dort sind die Bedenken gegen die Straßenbahn groß. „Die Biebricher könnten in höherem Maße wählen gehen“, vermutet Markus Michel, CDU-Fraktionssprecher im Biebricher Ortsbeirat und Leiter des Gewerbevereins. Und den Ausgang der Abstimmung bestimmen.

Für die Politik ist das Thema toxisch aufgeladen. Im Ortsbeirat wurden Beschlüsse gefasst, die heute wohl anders ausgehen würden. 2017 wurde entschieden, dass die Citybahn Biebrich anbinden solle. Die letzte Abstimmung 2019 fiel mit knapper Mehrheit für die Bahn aus, damals befürworteten auch CDU-Mitglieder die Bahn. Aber inzwischen ist die Ortsbeirats-CDU dagegen. Michel macht keinen Hehl daraus, dass er das Schienenprojekt für Biebrich für überflüssig hält. Dass Parkplätze entfallen könnten, um den Gleisen Platz zu machen, verärgere die Geschäftsleute, sagt er. Außerdem sei der Stadtteil hervorragend mit Bussen angebunden.

Dabei steht noch nicht fest, wo genau in Biebrich die künftige Citybahnstrecke verlaufen soll. Klar scheint nur zu sein, dass sie über die Rheingaustraße und Biebricher Straße aus Mainz anrollen könnte. Danach über die Rathausstraße hoch und die Stettiner Straße runter? Über die Straße der Republik? „Bis heute gibt es keine klare Aussage zur Streckenführung“, sagt Helmut Fritz, der für die SPD im Ortsbeirat sitzt – auch er ein Gegner des Projekts. „Die Straßen sind zu eng für eine Bahn“, begründet er seine Haltung. Das Zentrum Biebrichs sei baulich nicht geeignet.

Drei Varianten haben die Planer für Biebrich in der Schublade. Welche die sinnvollere ist, darüber geben sie bislang keine Auskunft. „Bevor nicht feststeht, dass die Citybahn kommt, wird jede Routenfestlegung blockiert“, sagt Martin Kraft vom Verein Pro Citybahn. Aus taktischen Gründen würden die Biebricher Verbesserungsvorschläge vor der Abstimmung vermeiden. Die CDU Biebrich antwortet der FR jedenfalls nicht auf die Frage, welchen Streckenverlauf sie für sinnvoller halte. Kraft hält die Citybahn für eine „Riesenchance für Biebrich“, auch weil mit ihr Stadtreparatur betrieben und Bäume in den Straßen gepflanzt werden könnten.

Die SPD im Ortsbeirat ist nicht einheitlich gegen die Bahn. Die Gesamt-SPD indes befürwortet sie, allen voran der SPD-Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende, der sie kürzlich als Jahrhundertchance für eine menschengerechte Stadt bezeichnete. Auch die Biebricher Grünen und Linken wollen die Bahn. Kraft sagt, die Biebricher würden das Projekt differenziert und keineswegs wie Feindesland betrachten. Das macht das Abstimmungsergebnis spannend.

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