1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Beamer und Laptops gehören dazu

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Lehrer Andreas Rech exportiert das Konzept der Helene-Lange-Schule nach Asien. Wie er dabei genau vorgeht, erklärt er in der Frankfurter Rundschau.

Noch bis zum Sommer 2011 arbeite ich als Lehrer an der German European School Singapore (GESS). Ich gebe dort Fortbildungen, sowohl schulintern als auch in anderen asiatischen Ländern. Nach einem Workshop in Singapur über individualisiertes und selbstständiges Lernen und die Arbeitsweise der Helene-Lange-Schule fragte mich die Schulleitung der GESS, ob ich mir vorstellen könnte, dort für zwei Jahre zu arbeiten. Das Land Hessen unterstützte die Idee. Das Schulamt war einverstanden – und nicht zuletzt meine Frau. Sie ist Lehrerin in Rheinland-Pfalz und blieb mit unseren drei Kindern hier.

Das Konzept der „Hela“ exportieren wir aber nicht eins zu eins nach Asien, sondern wir nehmen die Gegebenheiten vor Ort auf. Ich habe an der GESS das offene Lernen eingeführt: Verschiedene Fächer bilden einen gemeinsamen Stundenpool, aus dem für Projekte geschöpft wird. Außerdem haben wir angefangen, mit den Lehrern Teamsitzungen zu machen, um den Unterricht vorzubereiten oder über Schüler zu sprechen. Des Weiteren lernen die Schüler, Ergebnisse vor Eltern und Mitschülern zu präsentieren.

Wenn man die Schüler dazu bekommt mitzumachen, leisten sie oft mehr als sie müssen. Das zeigt sich dann auch in den Portfolios, die die Schüler jetzt zusammenstellen. Sie suchen ihre Glanzstücke heraus – Arbeiten, auf die sie stolz sind – und präsentieren sie am Ende des Jahres. Daraus ergibt sich dann eine Art Zeugnisgespräch mit dem Schüler und den Eltern. Wir sprechen etwa auch darüber, warum aus einem Fach keine Arbeiten im Portfolio auftauchen.

Von der technische Ausstattung an der GESS könnten wir uns etwas abgucken. In jedem Klassenzimmer hängt ein Beamer, überall funktioniert W-Lan, die älteren Schüler nutzen Laptops. Was man daraus inhaltlich macht, ist eine andere Frage. Die sechsten Klassen beider Schulen haben einmal ein virtuelles Klassenzimmer eingerichtet, um sich inhaltlich auszutauschen, das war spannend.

Ich lerne durch meinen Aufenthalt in Singapur auch dazu. In der sechsten Klasse, die ich unterrichte, ist ein Junge mit einer geistigen Behinderung. Anfangs war ich skeptisch, weil ich zuvor im Unterricht keine Erfahrung damit hatte, aber das Kind und die Klasse haben sehr davon profitiert. Wir könnten uns auch an der Helene-Lange-Schule überlegen, ob wir nicht künftig pro Klasse einen behinderten Schüler aufnehmen.

(aufgezeichnet von Mirjam Ulrich)

Andreas Rech (51) unterrichtet Deutsch, Geschichte und Musik an der Helene-Lange-Schule. Für zwei Jahre arbeitet der Lehrer an der German European School Singapore (GESS).

Auch interessant

Kommentare