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Bäche in Wiesbaden werden renaturiert

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Von: Andrea Rost

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Der Wickerbach bei Wiesbaden-Auringen hat einen neuen Gewässerarm bekommen.
Der Wickerbach bei Wiesbaden-Auringen hat einen neuen Gewässerarm bekommen. © Michael Schick

Projekte an Wickerbach und Käsbach. Das Land Hessen fördert die Arbeiten mit rund 740 000 Euro.

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie verlangt, dass Gewässer in einem guten ökologischen Zustand sind. Arbeiten, die der Renaturierung dienen, sollen bis spätestens 2027 abgeschlossen sein, verlangt die EU.

In diesem Zusammenhang sind die Projekte zu sehen, die am Wickerbach und am Käsbach im Osten Wiesbadens laufen. Das Land Hessen stellt dafür fast eine Dreiviertel Million Euro zur Verfügung. Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) hat die Förderbescheide vor kurzem übergeben. Mit der Renaturierung sollten wieder intakte Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen geschaffen werden, erläuterte die ehrenamtliche Wiesbadener Stadträtin Bettina Gies (Grüne) bei einem Ortstermin.

Gearbeitet wird derzeit am Aubach und Wickerbach. Auf einer Gewässerstrecke von rund 2,5 Kilometern zwischen Reitzenmühle und der Mehrzweckhalle Auringen wurde das sogenannte „Nassauer Gestück“, ein massiver Steinverbau aus dem letzten Jahrhundert, in Teilabschnitten innerhalb der städtischen Bachparzelle aufgebrochen und umgelagert. Natürliche Elemente wie Wurzelstöcke bereichern jetzt den Bachlauf.

Unterhalb der August-Ruf-Straße hat die Stadt einen zehn Meter breiten Gewässerrandstreifen gekauft. Hier wurde ein neuer Gewässerarm abgegraben, damit bei höheren Pegelständen Wasser in diesen Bereich strömen kann. Bei Niedrigwasser bleibt das Wasser im ursprünglichen Bachbett und ermöglicht so den Gewässerlebewesen, sich auch in trockenen Sommermonaten dort aufzuhalten.

Im Oberlauf des Wickerbaches ist eine besonders schützenswerte Steinkrebspopulation bekannt. Steinkrebse sind auf der Roten Liste Deutschlands als stark gefährdete Art eingestuft. „Der Fund von rund 30 Steinkrebsen, inklusive trächtiger Steinkrebsweibchen, war trotzdem eine kleine Sensation“, berichtete Stadträtin Gies.

Die Tiere seien während der Bauzeit eingesammelt und in den bereits renaturierten Gewässerabschnitt des Aubachs im Oberlauf umgesetzt worden. Um die vorhandene Steinkrebspopulation zu schützen, wurde die befestigte Gewässersohle an rund 20 Stellen per Hand aufgebrochen.

Im Januar soll mit den Renaturierungsarbeiten am Käsbach zwischen Siebenmorgenweg und Dornfelderweg in Kostheim begonnen werden. Der 55 Meter lange Streckenabschnitt befindet sich in einer kanalartig ausgebauten Betonrinne inmitten der Kostheimer Ortslage. Der Käsbach soll hier wieder ein breiteres Bachbett mit einer Niedrigwasserrinne und einzelnen vertieften Stellen im Gewässer bekommen. Heimische Fische können sich dort künftig in sehr trockenen Sommern zurückziehen, um zu überleben. Bachforelle, Elritze, Groppe und Bachneunauge zählen unter anderem dazu. Durch die Verbreiterung des Gewässerprofils und einer Vertiefung der Sohle kann die Hochwassersituation an dieser Stelle außerdem entschärft werden.

Für die Umgestaltung des Wickerbaches mit seinem Nebengewässer Aubach stellt das Land Hessen 420 000 Euro zur Verfügung. Die Käsbach-Renaturierung wird mit 320 000 Euro gefördert.

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