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Großer Andrang der Journalisten bei der AWO-Pressekonferenz in Wiesbaden. Vor den Mikrofonen Vize-Vorsitzende Elke Wansner, rechts Geschäftsführer Murat Burcu. 

AWO-Affäre

Und noch ein Rücktritt bei der AWO in Hessen

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Nach dem Rücktritt des Wiesbadener Geschäftsführers Gereon Richter rücken seine Eltern in den Fokus. Die frühere Chefin in Wiesbaden war Sonderbeauftragte in Frankfurt.

Mehr als zwei Stunden dauerte die Pressekonferenz, bei der sich Elke Wansner, die stellvertretende Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Wiesbaden, einer Vielzahl von Journalisten und Kamerateams stellte. Am Ende blieben im Erich-Dietz-Saal des Pflegezentrums Robert Krekel aber viele Fragen offen. Gereon Richter ist als AWO-Geschäftsführer in Wiesbaden zurückgetreten – das teilte Wansner eher en passant mit. Am Montag war bereits der Vorstandsvorsitzende des Kreisverbandes, Wolfgang Stasche, zurückgetreten. Geron Richter bleibt Fachbereichsleiter für die pädagogischen Einrichtungen des Wohlfahrtsverbandes.

In den Fokus rücken jetzt seine Eltern: Hannelore Richter, 20 Jahre Geschäftsführerin des Kreisverbandes Wiesbaden, und Jürgen Richter, noch länger an der Spitze der Organisation in Frankfurt. Es wurde eine enge Verflechtung der AWO in Frankfurt und Wiesbaden deutlich.

AWO-Affäre: Widersprüche bei Erfolgen von Feldmann

Murat Burcu, Geschäftsführer in Wiesbaden, gab auf Nachfrage zu, dass Hannelore Richter tatsächlich 70 Prozent ihrer Arbeitszeit bei der AWO Frankfurt verbracht habe. Nach Wansners Worten war sie „Sonderbeauftragte“ in Frankfurt, wofür genau, konnte sie nicht sagen. Burcu sagte, Richter habe im Bereich Kita und Flüchtlingshilfe gearbeitet. Im Kreisverband Frankfurt habe es „viel Optimierungsbedarf“ in Pflegeeinrichtungen gegeben. „Die Auslastung war sehr schlecht.“

Das ist insofern interessant, als der heutige Frankfurter OB Peter Feldmann von 2009 bis 2012 bei der AWO Frankfurt als Manager für die Belegung von Pflegeheimen zuständig war. Der Frankfurter Kreisverband hatte Feldmann erfolgreiche Arbeit bescheinigt – das steht im Widerspruch zur Aussage Burcus.

AWO-Affäre in Frankfurt: Geschäftsführerin verabschiedet

Arbeiterwohlfahrt Der AWO-Kreisverband Wiesbadenzählt nach Angaben seiner

stellvertretenden Vorsitzenden Elke Wasner 500 Beschäftigte.

Der Jahresumsatzhabe zuletzt bei 28 Millionen Euro gelegen.

Die Arbeiterwohlfahrtin Frankfurt verfügt nach eigenen Angaben über 3140 Mitglieder.

In Frankfurtarbeiten 1105 AWO-Beschäftigte in Altenheimen, Kitas, Jugendhäusern und anderen Einrichtungen in Frankfurt. jg

Hannelore Richter war Anfang November bei der AWO als Geschäftsführerin verabschiedet worden. Als „Sonderbeauftragte“ habe der AWO-Kreisverband Wiesbaden ihr Gehalt bezahlt, „der Kreisverband Frankfurt hat uns dann das Geld erstattet“, sagte Wansner. Auf die Frage von Journalisten, wofür Hannelore Richter im Jahre 2014 dem Kreisverband Frankfurt 141 000 Euro zusätzlich in Rechnung gestellt habe, konnte die Vize-Vorsitzende nicht antworten.

Feldmanns spätere Ehefrau Zübeyde war laut Wansner von November 2014 bis September 2015 bei der AWO Wiesbaden beschäftigt. Sie sei dort für konzeptionelle Arbeiten zuständig gewesen. Die junge Frau habe dort bereits das Konzept für eine deutsch-türkische Kita entwickelt, das sie dann später in Frankfurt umsetzte.

Die beiden Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden teilten sich einen „Mitarbeiter-Pool“. Beschäftigte konnten so je nach Bedarf hin- und hergeschoben werden. Diesen Pool hat der Kreisverband Wiesbaden jetzt aufgelöst, was Wansner bedauerte. Die Vize-Vorsitzende bestritt, dass das Arbeitgeber-Bruttogehalt für Hannelore Richter bei 344 000 Euro im Jahr gelegen habe und für Burcu 256 000 Euro betrage. Beide Gehälter seien niedriger. Zahlen könne sie aus Datenschutzgründen nicht nennen. 

Wansner verhinderte mehrfach, dass Burcu auf Journalisten-Fragen antwortete. Der Geschäftsführer gab aber dann doch zu, dass sein Bruttogehalt bei 12 500 Euro im Monat liege und er zwei Jahre lang zusätzlich ein Beraterhonorar von 6000 Euro erhalten habe.

AWO-Skandal in Frankfurt: Die FR erklärt, was wir über den Awo-Skandal wissen und was noch zu klären ist. Es geht um Strafanzeigen, teure Autos und das Adlon in Berlin. 

AWO-Affäre: GmbH Consowell rückt in den Fokus

Der Bundesverband der AWO habe seit anderthalb Monaten die Zahlungen an den Kreisverband Wiesbaden gestoppt. 150.000 Euro stünden aus.

Burcu gab auf Fragen der FR zu, dass er Geschäftsführer einer Consowell GmbH sei. Er habe diese Gesellschaft 2015 mit anderen AWO-Funktionären gegründet. Zweck sollte offenbar sein, Dritten Dienstleistungen als Berater anzubieten. „Bis heute hat es aber keine Geschäftstätigkeit gegeben“.

Peter Feldmann stellte sich am Donnerstag (12.12.2019) den Fragen des Stadtparlaments in Frankfurt. Es ging um die AWO-Affäre um zu hohe Gehälter und hochpreisige Dienstwagen. Erstmals räumte Feldmann eigene Fehler ein und entschuldigte sich, berichtet fr.de.*

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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