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Franz Betz ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Awo Wiesbaden.
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Franz Betz ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Awo Wiesbaden.

Wiesbaden

AWO in Wiesbaden sucht neue Führung

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Die beiden Vorstandschefs möchten aufhören. Klagen gegen frühere Verantwortliche laufen derweil noch.

Mit einem Jahr Arbeit hatten die beiden Vorsitzenden des Wiesbadener Kreisverbands der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Wolfgang Hessenauer und Franz Betz, gerechnet. Nun haben sie schon zwei Jahre Kärrnerarbeit hinter sich. Sie waren im Januar 2020 eingesprungen, um „aufzuräumen“, was ihre Vorgänger und die damalige Geschäftsführung angerichtet hatten. Die Wiesbadener AWO war in die Schlagzeilen geraten, weil ihre Führung in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll.

Nun solle es genug sein, finden Hessenauer und Betz. Das Duo möchte zur Jahresmitte 2022 die ehrenamtliche Vorsitzendentätigkeit in andere Hände geben. Hessenauer wird in diesem Jahr 80 Jahre alt, Betz ist 72. Eine Nachfolge zu finden, sei nicht einfach, räumt Hessenauer ein. Aber ohne geordnete Übergabe würden sie sich nicht davonmachen. Auch für die Interimsgeschäftsführerin Andrea Piro wird Ersatz gesucht. „Am besten schon ab gestern“, sagt Hessenauer.

Das Aufräumen sei gut gelungen, die Arbeit jedoch mühsamer als damals gedacht, umfangreicher und „ökonomisch brisanter“, sagt Betz rückblickend. In die Details einer Insolvenz hätten sie sich einarbeiten müssen. Die im Herbst 2020 angemeldete Insolvenz hätten sie erfolgreich hinter sich gebracht. Am 30. November beschloss das Amtsgericht die Aufhebung des Insolvenzverfahrens. Nun kann der Kreisverband wieder über sein Vermögen verfügen. „Die AWO Wiesbaden steht stabil da“, bestätigt Betz. Dass die Forderungen der Gläubiger zu 22 Prozent beglichen werden könnten, sei ein großer Erfolg. Möglicherweise kommt noch mehr Geld zusammen, das anteilmäßig an die Gläubiger weitergereicht werden kann, wenn die Anfechtungsansprüche und etwa 30 Klagen gegen die früheren Verantwortlichen und Begünstigten abgeschlossen sind.

Insgesamt stehen Forderungen von vielen Millionen Euro im Raum. Das Arbeitsgericht Wiesbaden hat entschieden, dass allein von Melanie Roth über 100 000 Euro zurückverlangt werden dürfen, weil sie Geld ohne nachweisbare Gegenleistung erhalten habe. Sie soll für das Immobilienmanagement beschäftigt gewesen sein. Vom früheren Geschäftsführer Murat Burcu möchte die AWO 20 Millionen Euro Schadenersatz erstattet haben als Ausgleich für überhöhte Vergütung und den von ihm verantworteten finanziellen Schaden, berichtete der „Wiesbadener Kurier“ im November. Burcu bestreitet die Vorwürfe. Im Sommer sprach er der FR gegenüber von Rufmord und konstruierten Vorwürfen. Wie viel Geld von der früheren Geschäftsführerin Hannelore Richter gefordert werden kann, ist noch offen. Die Ermittlungen gegen sie dauerten noch an, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt.

Wolfgang Hessenauer ist Vorsitzender des Vorstandes der Awo Wiesbaden.

Einen Rückschlag haben Hessenauer und Betz allerdings zu verkraften. Die Landeshauptstadt möchte das Beschäftigungsprojekt „Alltagsengel“ nicht weiter finanzieren, das Menschen mit Problemen auf dem ersten Arbeitsmarkt mit haushaltsnahen Dienstleistungen eine Chance gibt. „Das ist ein erfolgreiches Projekt mit einer Vermittlungsquote von über 50 Prozent“, berichtet Betz. Im Mai soll es auslaufen. Christian Stettler vom Wirtschaftsreferat der Stadt begründet die Entscheidung mit fehlendem Bedarf. Die Ungelernten würden auf dem ersten Arbeitsmarkt auch Jobs finden.

Die Vorstandsvorsitzenden vermuten andere Gründe. Seit zwei Jahren waren Behauptungen aufgetaucht, dass es im Zusammenhang mit den Fördermitteln für das Programm zu „Unregelmäßigkeiten“ gekommen sei. „Wir haben das immer bestritten“, sagt Betz. Fantasiebeträge seien genannt, die Vorwürfe nicht klar formuliert worden. Die Prüfung des Revisionsamts sei abgebrochen worden. „Wir wissen nicht, was die Stadt uns vorwirft.“ Über die Förderungen für die AWO-Familienbildungsstätte werde noch verhandelt.

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