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Die Kinder kommen mit Kultur intensiv in Kontakt.

Wiesbaden

Ausgezeichnete Paten

Das Projekt der Theaterpaten wird vom Land Hessen mit einem Preis für besonderes soziales Engagement bedacht. In dem Projekt werden Kinder aus schwierigen Verhältnissen von Erwachsenen ins Staatstheater eingeladen. Das soll ihnen andere Impulse geben.

Von Tim Niendorf

Silvia Weck ist glücklich: Die Koordinatorin der privaten Initiative Theaterpaten freut sich darüber, dass ihr Projekt am Donnerstag vom Land Hessen als Initiative des Monats Dezember ausgezeichnet worden ist. „Das macht es uns einfacher“, sagt sie. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert. Das Programm richtet sich an Kinder, die von zu Hause aus wenig Unterstützung genießen und keinen Zugang zur Theaterwelt haben.

Vor fünf Jahren war das Projekt zwischenzeitlich eingestellt worden. „Von 2008 bis 2011 lief es bereits schon einmal. Dann wurde es einfach so beendet, ohne Begründung.“ Da Weck von der Idee des Patenprogramms begeistert war, habe sie alles daran gesetzt, es wieder aufleben zu lassen. 2013 sei es dann soweit gewesen. Eine Handvoll Paten, die größtenteils schon vorher dabei gewesen sei, habe dem Projekt neues Leben eingehaucht. Mittlerweile sei die Gruppe auf 35 Freiwillige angewachsen. „Jeder Pate ist für ein Kind zuständig, so können wir eine gute Betreuung gewährleisten“, so Weck.

Der enge Kontakt sei wichtig. Denn viele Kinder kämen aus der Kindertagesstätte Philipp-Holl und stammten aus Familien, in denen kein Deutsch gesprochen werde. Die zweite Kooperation laufe mit dem Kinderdorf Bethanien. „Da sind Kinder dabei, die einen sehr schwierigen Hintergrund haben. Sie wurden aus ihren Familien genommen und haben teilweise sehr schlimme Erfahrungen gemacht.“ Das Patenprojekt solle ihnen die Möglichkeit zur Ablenkung geben. Familiäre Probleme spielten bei den Treffen für einen Augenblick keine Rolle. „Wir fragen sie ganz bewusst nicht, was ihnen wiederfahren ist. Es sei denn, sie sprechen ihre Probleme von sich aus an.“ In solchen Fällen sei es auch wichtig, dass ihre Betreuer aus dem Kinderdorf immer mitkämen. Diese stünden dann beratend zur Seite.

Steigende Nachfrage

Die Paten sind schließlich keine Psychologen, sondern Freiwillige, die ihr Interesse am Theater teilen möchten. „Es sind viele Lehrer dabei, aber auch Studenten und Rentner. Vier- bis sechsmal im Jahr gehen sie mit den Kindern zu Aufführungen, blicken hinter die Kulissen und sprechen mit den Schauspielern.“ Gezielt aussuchen könne man sich die Patenkinder nicht. Wer mitmache, verpflichte sich, mindestens ein Jahr lang eine Patenschaft zu übernehmen.

Doch der Kontakt bleibe auf das Theater beschränkt. Man wolle den Paten nicht zu viel zumuten. Die neun- bis 18-Jährigen seien jedes Mal begeistert. „Wir behandeln sie wie unsere Enkel“, beschreibt Weck die Beziehung zu den Patenkindern. Das Projekt komme so gut an, dass immer mehr Kinder angefragt hätten. Doch noch sei nicht sicher, ob man mehr aufnehmen könne, ohne das Konzept des engen Betreuungsverhältnis zu ändern.

Die Finanzierung der Theaterpaten laufe über Spenden. Zum einen unterstütze sie der Verein Justus, zum anderen verschiedene Unternehmen. Vor allem aber trage man sich selbst. Es gebe ein Konto, auf das die Paten anonym Geld einzahlten: „Jeder gibt so viel wie er will und wie er kann“, so Weck. Die 500 Euro Preisgeld für das ehrenamtliche Engagement könne die Initiative gut gebrauchen, auch wenn es nicht viel Geld sei. Denn jede Patenschaft koste pro Jahr ungefähr hundert Euro. Es gebe aber auch Paten, die zwar Zeit mitbrächten, aber kein Geld hätten. Das Preisgeld mache es nun also einfacher, das Ziel des Projekts zu erreichen. Dieses umschreibt Silvia Weck mit einer schlichten Faustformel: „Es geht einfach darum, zusammen einen schönen Tag zu verbringen. Das steht für alle hier im Vordergrund.“

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