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Aus für die Wiesbadener Alleen

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Von: Madeleine Reckmann

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Die alte Eiche hat die trockenen Sommer nicht überlebt.
Die alte Eiche hat die trockenen Sommer nicht überlebt. © Michael Schick

Straßenbäume haben in gemischten Anpflanzungen höhere Überlebenschancen.

Die mächtige Eiche an der Ecke Aukammallee/Fichtestraße hat im Frühjahr nicht mehr ausgetrieben. Der hundert Jahre alte Baum hat die Hitze und Trockenheit der vergangenen Jahre nicht überlebt. Das hat eine Untersuchung des Umweltamts ergeben. Sein Schicksal werden künftig wohl auch andere Bäume teilen. Denn die Wiesbadener Stadtbäume stünden unter Stress, antwortet Franka Karnetzky, Leiterin des Sachgebiets Baumpflege im Umweltamt, im Umweltausschuss auf eine Anfrage der Fraktion Freie Wähler/Pro Auto.

Die Neupflanzungen haben diesen außergewöhnlich heißen und trockenen Sommer 2022 nur durchgehalten, weil sie gewässert wurden. 2000 Jungbäume seien über den Sommer versorgt worden, sagt Karnetzky, mit 150 Litern pro Baum in der Woche. Es nutze nichts, ältere Bäume zu wässern, da ihre Wurzeln in einem großen Radius weit in die Tiefe reichten, wo das Gießwasser nicht hinkomme. Jungbäume sollten auch nur in den ersten sieben Jahren gegossen werden. „Danach muss der Baum alleine zurechtkommen“, sagt sie.

Verfärbungen an Blättern und Nadeln, zusammengerollte oder hängende Blätter, das frühzeitige Abwerfen des Laubs oder vertrocknete und ausgedünnte Kronen sind Anzeichen dafür, dass der Baum Durst leidet. Der Stress mache die Bäume anfälliger für Schädlinge, Pilze und Krankheiten. Die vertrockneten Teile müssten dringend herausgeschnitten werden, damit die Stadtbäume nicht zur Gefahr für Passanten oder den Verkehr würden. Obwohl es in diesem Sommer wieder außergewöhnlich heiß war, hat sich Karnetzky zufolge die Rate der abgestorbenen Bäume nicht erhöht. „Es sterben jährlich ein bis drei Prozent der Bäume“, sagt sie. Die Fachfrau geht aber auch davon aus, dass sich die Quote erhöhen wird, sollten die Temperaturen in Wiesbaden weiter ansteigen.

Insbesondere die an unsere kühleren Breiten angepassten Arten kämpfen ums Überleben. Bergahorn, Rotbuche, Baumhasel, Rosskastanie und Fichtenarten werden daher nicht mehr in Wiesbaden gepflanzt. „Wir müssen umdenken“, sagt Karnetzky. Die Stadt setzt jetzt auf mediterrane Eichen, Ulmen, Wildobstsorten, Blumenesche und Mehlbeeren, Bäume, die besser die Trockenheit und Hitze aushalten. Seit über zehn Jahren wird jeder frei gewordene Standort mit den resistenteren Arten neu bepflanzt, seit 2018 sind es 1216 Bäume. „Wir wissen ja, dass es irgendwann zu mehr Ausfällen kommen wird.“

Das Umweltamt hat auch festgestellt, dass Bäume in einer gemischten Gruppe bessere Chancen haben zu überleben als in „Monokulturen“. Daher werden die gleichartigen Alleen bald der Vergangenheit angehören, denn ihre Bäume haben sich als anfälliger für Schaderreger erwiesen. Der Denkmalschutz, der ästhetische Anforderungen an Alleen und Parks habe, müsse umdenken, sagt Karnetzky.

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