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Auftragsvergabe bleibt nebulös

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Bei Fragen dreht sich Dezernent Bendel derzeit gerne weg.
Bei Fragen dreht sich Dezernent Bendel derzeit gerne weg. © Schick

Dezernent Bendel beantwortet Fragen zur Werbekampagne für Rhein-Main-Hallen nicht

Von Gaby Buschlinger

Ihre Schlussfolgerungen teile ich nicht.“ Der für Auftragsvergaben zuständige Wirtschaftsdezernent Detlev Bendel (CDU) ist genervt. Den Auftrag für die Werbekampagne zum Neubau der Rhein-Main-Hallen, der ein Volumen von 150000 Euro hat, habe die Agentur RCC nach einer „ Ausschreibung“ bekommen. Punkt. „Damit ist alles gesagt zu diesem Thema“, würgt Bendel weitere Nachfragen ab. Unbeantwortet bleiben damit Fragen, wer den Auftrag erteilt hat, wo die Ausschreibung veröffentlicht wurde, und warum erneut die Agentur, die kürzlich zwei weitere Aufträge der Stadt bekommen hat, wieder zum Zuge gekommen ist. Bendel sagt nur: „Das Gespräch ist beendet.“ Klick.

Dabei steht ein Verdacht im Raum. Fast alle Oppositionsfraktionen finden es auffällig, dass erneut die Agentur für interne Kommunikation RCC einen Auftrag von der Stadt erhalten hat. Neben der Werbekampagne für die Rhein-Main-Hallen begleitet die Agentur auch die Zukunft der Horst-Schmidt-Kliniken und des Areals an der Dantestraße nach dem Abriss der Wohnblocks. Für RCC-Geschäftsführer Michael Reichert ist die Sache klar: „Wir bekommen Aufträge, weil wir unseren Job gut machen.“

Für Grüne, Linke und Bürgerliste hat die Sache dennoch ein „Geschmäckle“: Denn zwischen dem RCC-Geschäftsführer und handelnden Personen bei der Firma ARC Public Communications GmbH bestehen enge familiäre Verbindungen. Und bei ARC wiederum ist der CDU-Stadtverordnete Hans-Martin Kessler, der auch dem Bauausschuss vorsitzt, als Geschäftsführer tätig. Kessler hatte Anfang März, als der Verdacht der Mauschelei gegen ihn hochkochte, vehement bestritten, mit RCC irgendetwas zu tun zu haben. Dort habe er zwei Jahre gearbeitet, seit gut einem Jahr aber sei er Geschäftsführer der damals neu gegründeten ARC. RCC-Chef Reichert sagte im Wiesbadener Kurier, dass Kessler nie dazu beigetragen habe, für RCC Aufträge zu akquirieren.

Rechtlich sind RCC und ARC strikt getrennt, doch räumlich und familiär sind sie es nicht: Beide sind im gleichen Haus angesiedelt, haben die gleiche Faxnummer und die „gemeinsam genutzte Telefonzentrale“ meldet sich nur mit „RCC“. Laut Handelsregisterauszug vom März 2012 ist eine Familienangehörige von Reichert Gesellschafterin bei ARC. Auch wurde ARC von einer anderen Familienangehörigen als Gesellschafterin gegründet. Zudem war ARC auf der Homepage von RCC als „zur RCC-Group gehörend“ und als „RCC-Niederlassung“ angegeben. Beide Einträge wurden nach der FR-Berichterstattung über die Verquickungen der beiden Firmen mit dem Stadtverordneten entfernt. RCC-Chef Reichert verweigert dazu eine Stellungnahme, weil er derlei Fragen „tendenziös“ findet. Auch Kessler sieht „keinen Redebedarf“ zu diesem Thema.

Dezernent Bendel räumt den im Raum stehenden Verdacht der Mauschelei ebenfalls nicht aus: Er erklärt noch nicht mal, wie nach der Ausschreibung der Auftrag an RCC zustande kam. Offen bleibt so, wie viele Firmen Angebote abgegeben haben. Und offen bleibt, wer den Auftrag eigentlich erteilt hat: der Magistrat, der von Christ- und Sozialdemokraten dominiert ist, oder die für die Rhein-Main-Hallen und deren Neubau zuständige städtische Dachgesellschaft Triwicon, in deren Aufsichtsrat wiederum Kessler sitzt.

Die Grünen-Fraktion gibt sich mit den spärlichen Auskünften nicht zufrieden: „Auffällig ist die Tatsache, dass wieder mal die Agentur RCC bei der Erstellung der Werbekampagne zum Zuge kommt“, sagt der Stadtverordnete Axel Hagenmüller und ergänzt: „Es wäre interessant zu wissen, wie diese Entscheidung zustande gekommen ist. Wir werden der Sache nachgehen.“ Bleibt zu hoffen, dass Bendel seine Auskunftspflicht den Stadtverordneten gegenüber ernster nehmen wird.

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