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Auftakt mit Milieustudie

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Das Ballett am Rhein Düsseldorf &Duisburg.
Das Ballett am Rhein Düsseldorf &Duisburg. © Gert Weigelt/Staatstheater

Zimmermanns Oper „Die Soldaten“ eröffnet in diesem Jahr die Internationalen Maifestspiele. Regisseur Vasily Barkhatov habe sich „verrückte Dinge“ einfallen lassen.

Von Katinka Fischer

Zwölftonmusik, expressionistische Collagetechnik und eine alles andere als happy endende Militärmilieustudie gehören nicht unbedingt zu jenen Zutaten, die einen Publikumserfolg versprechen. Trotzdem wurde Bernd Alois Zimmermanns Oper „Die Soldaten“ zuletzt in Salzburg, München, Zürich und Berlin zum Renner.

Das hat den Wiesbadener Theaterintendanten Uwe Eric Laufenberg offenbar darin bestärkt, das nach dem Drama von J.M.R. Lenz entstandene und 1965 uraufgeführte Werk am 30. April als hiesige Erstaufführung auf die Bühne seines Hauses zu bringen und damit die Internationalen Maifestspiele (IMF) zu eröffnen.

„Einen mutigen Schritt“ nannte das der Theaterreferatsleiter im Hessischen Wissenschafts- und Kunstministerium, Albert Zetzsche, bei der Vorstellung des IMF-Programms im Theaterfoyer. Während des örtlichen Traditionsfestivals, das seit nunmehr 120 Jahren besteht, wird die Zimmermann-Oper noch zwei weitere Male und noch einmal im Juni zu sehen sein, dann aber ebenfalls nur an drei Abenden auf dem Spielplan stehen.

Regisseur Vasily Barkhatov habe sich „verrückte Dinge“ einfallen lassen, verspricht Laufenberg und zählt unter anderem ungewöhnliche Raumkonstellationen dazu. „Die Welt zu Gast in Wiesbaden“ lautet der sommermärchenhafte und im Programmheft mit Schmetterlingen umflatterte Titel der diesjährigen Maifestspiele, die auf der Opernbühne freilich in Wiesbadener Hand bleiben.

Erstmals Kooperation

Besondere Erwähnung verdient dabei die als „vokalinstrumentales Melodram“ apostrophierte Oper „Agota“, die der 1961 geborene Helmut Oehring für das Staatstheater komponiert hat und die am 4. Mai uraufgeführt wird. In der Hauptrolle der ungarischen Exilschriftstellerin Ágota Kristóf ist Dagmar Manzel zu sehen. Musik kommt vom Ensemble Modern. In der Operette „Eine Frau, die weiß, was sie will“ begegnet man Manzel noch einmal. Die nicht zuletzt als Tatort-Ermittlerin aus dem Fernsehen bekannte Schauspielerin zeigt in der Produktion der Komischen Oper Berlin eine weitere Facette ihrer Vielseitigkeit und spielt gemeinsam mit Max Hopp alle 30 Rollen.

Perdu scheint unterdessen die zuvor nicht wirklich vornehme Zurückhaltung zwischen Theater und Rheingau Musik Festival (RMF) zu sein. Bei Thomas Hengelbrocks inszenierter Konzertversion von Henry Purcells Oper „Dido und Aeneas“ kooperieren IMF und RMF jedenfalls erstmals miteinander und teilen dabei Einnahmen und Ausgaben brüderlich untereinander auf. Für „ein must“ hält Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz schließlich den Auftritt von Florian Boesch am 6. Mai. Mit einem Liederabend begeisterte der Bassbariton schon im vergangenen Jahr und begründete damit womöglich eine neue IMF-Tradition.

Im Schauspiel punktet man unter anderem mit der Grazer Produktion „Merlin oder Das wüste Land“ von Tankred Dorst, der einst die diesmal für die Zeit von 25. August bis 4. September geplante Theater-Biennale mitbegründete und dem sich die Stadt insofern besonders verbunden fühlt. Aus dem Hamburger Thalia Theater stammt Luc Percevals Inszenierung von „Liebe.

Trilogie meiner Familie 1“, die auf neun des insgesamt 20 Bände umfassenden Romanzyklus „Die Rougon-Macquart“ von Émile Zola basiert. In Wenedikt Jerofejews Stück „Die Reise nach Petuschik“, einer Produktion des Wiener Burgtheaters, kommt die Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer am 14. und 15. Mai zurück in ihre Heimatstadt, und Claus Peymann ist im Jahr vor seinem Abschied als Intendant des Berliner Ensembles noch zwei Mal in Wiesbaden zu erleben: Am 23. Mai liest er aus Thomas Bernhards Roman „Holzfällen“, während seine Inszenierung von Peter Handkes „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“ am Tag darauf auf die Bühne des Großen Hauses kommt.

„. . . it’s only a rehearsal“ lautet indes der tiefstapelnde Titel der Choreographie von Ina Christel Johannessen, bei der es sich um die führende Figur des norwegischen zeitgenössischen Balletts handelt. Zwei Tänzer ihrer in Oslo beheimateten Compagnie interpretieren den antiken Mythos von Artemis und Aktaion neu. „Kibubu“, ein „Schauspiel ohne Sprache“ aus Spanien, und zwei gerade einmal halbstündige Nachmittage mit dem polnischen Teatr Atofri ragen aus der „Jungen Woche“ hervor, die von 23. bis 29. Mai läuft und inzwischen zum festen IMF-Baustein geworden ist.

Nicht nur warf bei der Vorstellung des IMF-Programms die Theater-Biennale schon ihre Schatten voraus: Verraten wurde, dass am 26. und 27. August die russische Produktion „Russian Blues: Auf der Suche nach Pilzen“ und am 2. und 3. September „Koren’l Mundruczó – Imitation of Life“ aus Ungarn zur Aufführung kommen. Auch nimmt „Wagners Ring an 1 Abend“ von Loriot zumindest ironisch schon etwas von der nächsten Spielzeit vorweg, in der das Mammutwerk dann in voller Länge auf dem Programm steht.

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