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Aufklärung mit Daniel Küblböck

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Mit dieser Kreation sollen Jugendliche in Lateinamerika und der Karibik angesprochen werden, um sie über die Risiken von ungeschütztem Sex aufzuklären (Archiv).
Mit dieser Kreation sollen Jugendliche in Lateinamerika und der Karibik angesprochen werden, um sie über die Risiken von ungeschütztem Sex aufzuklären (Archiv). © dpa

Am Ausgang gibt's Kondome: 380 Schüler erfahren beim Jugendfilmtag der Aidshilfe im Caligari-Kino, wie man sich vor der Krankheit schützen kann. Von Michael Grabenströer

Von Michael Grabenströer

Für den 17-jährigen Serkan, die Kopfhörer eingestöpselt, Hip-Hop im Ohr, brachte der Morgen etwas Entspannung in gut gepolsterten roten Sesseln. An einem der letzten Tage an seiner Hauptschule, der Adalbert-Stifter-Schule ("Weiß auch nicht, wer das war") noch einmal während des Unterrichts cool und lässig abhängen - sogar im Kino. Serkan, Schulabschluss nach der 9. Klasse, will sich nach einer "Ausbildung erst noch einmal umsehen".

Er kam wie 379 Schüler aus 15 anderen Klassen in Wiesbaden, dem Rheingau, ja selbst Mainz auf Einladung der Aidshilfe ins Caligari-Kino. Nicht, um den neuesten Hollywood-Streifen und dessen coole Schauspieler zu bewundern, sondern zum ersten Jugendfilm-Tag zum Thema "Sexualität, Liebe, Freundschaft, HIV und Aids".

Mit dabei auch "Dr. Make Love" - eine Gruppe, die an ihren T-Shirts erkennbar ist, in Schulen geht und mit Jugendlichen über die Problematik von Sexualität und Liebe redet. All das, was man seinen Lehrer nie zu fragen wagt.

Zur Eröffnung war Kulturdezernentin Rita Thies (Grüne) ins Lichtspieltheater gekommen. Die Schirmherrin überraschte ihre Zuhörer. Auf der Bühne, vor dem Kinovorhang, erzählte sie die Geschichte von zwei jungen Frauen - Bekannten der Politikerin, wie sich herausstellte. Im Urlaub verliebten sie sich Hals über Kopf, hatten ungeschützten Geschlechtsverkehr und infizierten sich mit Aids. Eine starb, die andere muss seither mit der Ansteckung leben. Ein persönlicher Appell der Dezernentin, der die Jugendlichen aufhorchen ließ. Aids ist eben gar nicht so weit weg, wie manche bisher wohl dachten.

Dieter Schulenberg von der Aidshilfe Wiesbaden machte klar, dass der Jugendfilmtag eine Verbindung zu Schulen und Lehrern herstellen wolle und die Aufforderung enthalte, sich des Themas weiterhin dauerhaft anzunehmen.

Küblböck als "Botschafter"

30 neue Ansteckungs-Fälle pro Jahr werden in Wiesbaden diagnostiziert. Für Rita Thies eine Mahnung, "in den Präventionsbemühungen nicht nachzulassen, selbst wenn Aids durch neuartige Medikamente nicht mehr unmittelbar zum Tode führen muss".

Einen Hauch von Glamour gab es schließlich doch noch. Den brachte Daniel Küblböck - der Name des ehemaligen Teilnehmers am Superstar-Casting war für die Jugendlichen im Kino ein Begriff. Küblböck, der mittlerweile in Wiesbaden lebt und arbeitet, hat sich der Aidshilfe als "Botschafter" zur Verfügung gestellt. Diese Aufgabe nahm er am Mittwoch sehr ernst: Der 24-jährige war fast der erste im Kino, begrüßte die ankommenden Jugendlichen. Küblböck mit Band spielte auch schon bei einem Ball der Aidshilfe, sammelte über 25.000 Euro. Warum er sich engagiert? "Ich habe zwei Brüder in Eurem Alter und weiß, dass sie die Fragen über Liebe und Sexualität stellen, die Ihr auch stellt."

Dann lief der Film "Same same but different" von Detlev Buck über die Liebe zu einer Aids-infizierten Frau in Kambodscha. Am Ausgang wurden Kondome verteilt.

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