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Wiesbadens Stadtelternbeiratsvorsitzende Sabine Fuchs-Hinze
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Wiesbadens Stadtelternbeiratsvorsitzende Sabine Fuchs-Hinze

Wiesbaden

„Auf die Hauptfächer fokussieren“

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Wiesbadens Stadtelternbeiratsvorsitzende Sabine Fuchs-Hinze über Schulbau, Corona und die schwindende Lust am Lernen

Stadtrat Axel Imholz (SPD) hat kürzlich die Erfolge beim Schulbau vorgestellt. Die Eltern sind nur halb zufrieden damit. Zurzeit brennen ihnen ganz andere Probleme auf den Nägeln.

Frau Fuchs-Hinze, wie bewerten Sie die bauliche Situation der Wiesbadener Schulen?

Es ist viel gemacht worden, auch aufgrund des Stadtelternbeirats. Aber 2019 hatten wir auch einen Sanierungsstau von 400 Millionen Euro festgestellt, und es braucht viel Zeit, den abzuarbeiten. Es gibt noch immer Schulen mit erheblichen baulichen Mängeln.

Elternvertreter haben jetzt das Recht, den Entwurf des neuen Schulentwicklungsplan zu kommentieren.

Der Prozess für den städtischen Schulentwicklungsplan wurde für ein Bürgerbeteiligungsverfahren geöffnet. Der Entwurf wird uns nach den Kommunalwahlen vorgelegt. Wir erhoffen uns mehr Mut und Innovationskraft für mehr Integration, Inklusion, eine modernere Pädagogik mit individueller Förderung und mehr Unterstützung für die Schwächeren. Das Pandemie-Jahr hat gezeigt, dass das nötiger ist denn je. Die Schüler und Schülerinnen, deren Eltern sie nicht ausreichend unterstützen können, haben oft große Lernlücken aufgebaut. Da geht es auch um ihre berufliche Zukunft. Das ist das Thema, das uns zurzeit auf den Nägeln brennt.

Jetzt startet der Präsenzunterricht wieder. Ist der Stoff bis zu den Sommerferien aufzuholen?

Wir befürchten, dass in den Haupt- und Realschulen und den beruflichen Schulen viele Schüler:innen das Klassenziel nicht erreichen Noch schwerer wiegt, dass mehr als sonst die Schulen ohne Abschluss verlassen werden. Die Bildungsungerechtigkeit nimmt wieder zu. Für die Schüler:innen bedeutet das eine große psychische Belastung. Für das Abitur gibt es Regelungen, aber für andere Schulformen ist nichts bis zu Ende gedacht. Wenn von freiwilligen Wiederholungen die Rede ist, müsste zuerst geklärt werden, ob die Jahrgangsstufe darunter überhaupt Schüler:innen aufnehmen kann. Das ist nicht immer der Fall, dann muss eine neue Schule gesucht werden.

Was macht diese Unsicherheit mit den Schüler:innen?

Sie resignieren und verlieren die Motivation zu lernen, da sie nicht wissen, wie es weitergeht. An einigen Schulen hat der Distanzunterricht gut geklappt. Das hängt sehr von den einzelnen Schulen und Lehrer:innen ab. Es müsste jetzt aber mehr passieren, damit auch in den mittleren Klassen wieder mehr Präsenzunterricht stattfinden kann.

Was schwebt Ihnen vor?

Mehr Schnelltests für Lehrer:innen und Schüler:innen und endlich Luftfilteranlagen in allen Klassenräumen, mehr Personal und Räumlichkeiten, damit sich die Kohorten nicht mischen. Aber ich sehe keinen politischen Willen, ein großes Programm aufzulegen, damit die Schülerinnen und Schüler bis zu den Sommerferien die Rückstände aufholen können. Das Land hat die Osterferienakademie angekündigt. Aber das sind nur wenige Tage mit wenigen Schulstunden. Das reicht nicht.

Was wäre die Alternative? Dass alle Schülerinnen und Schüler ein Jahr wiederholen?

Nein, das ist nicht die Lösung. Wir fordern individuelle Förderung für einen Teil der Schüler:innen, damit sie einen guten Abschluss schaffen oder das Klassenziel erreichen. Es wird nicht ohne Priorisierung des Stoffs gehen, eventuell müsste man sich auf die Hauptfächer fokussieren. Leider gibt ja auch keine Lernstanderhebung. So lässt sich nicht abschätzen, wie groß der Nachhol- und Förderbedarf ist.

Das können Schulen doch gar nicht leisten.

Man sollte darüber nachdenken, die individuelle Förderung von professionellen Nachhilfeinstituten und Lehramtsstudenten vornehmen zu lassen. Ohne zusätzliches Personal schaffen das die Schulen jedenfalls nicht. Die Schüler:innen brauchen aber jetzt eine Perspektive.

Interview: Madeleine Reckmann

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