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Wiesbaden

Echt oder synthetisch? Art&Antiqua-Messe in Wiesbaden

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Auf der Art&Antiqua-Messe konnten Besucher ihre Kostbarkeiten schätzen lassen.

Eva Reinders ist enttäuscht: Die Ohrringe mit weißen Opalen, die sie dem Spezialisten Gerhard Förster vorgelegt hat, scheinen nicht viel wert zu sein. Der Schmuckstein-Experte ist sich nicht sicher, ob die Steine wirklich echt oder synthetisch sind. Um dies zu prüfen, müsste er die Opale aus ihrer Fassung lösen, sie ausmessen und ihre Maserung unter dem Mikroskop betrachten. Reinders schüttelt den Kopf. Der Aufwand stehe wahrscheinlich in keinem Verhältnis zum Ertrag. Die Ohrringe hat sie vor fünfzehn Jahren in einem Antiquariat gekauft, es ist also kein Familien-Erbstück, dem sie auf die Spur kommen will.

So wie die Wiesbadenerin Eva Reinders hatten am Wochenende etliche Besucher und Besucherinnen der Art & Antiqua-Messe in den Kolonnaden Schätze mitgebracht, die sie den kritischen Experten vorlegten. „Seit Horst Lichter im Fernsehen Bares für Rares verspricht, ist das Bewusstsein für Antiquitäten im eigenen Haushalt gestiegen“, sagt Veranstalter Wolf Krey von der Expo Management Gesellschaft. Doch der Traum vom unentdeckten Meisterwerk auf dem Dachboden erfüllt sich so gut wie nie.

Auch Hassan Salmanzadeh, Antiquitätenhändler aus München, klärt den Besitzer einer alten goldenen Uhr erstmal über die Lage auf dem Markt auf: Es koste sehr viel Geld, eine Uhr, die nicht mehr geht, reparieren zu lassen. „Ersatzteile zu finden, ist schwierig, und es gibt kaum mehr Handwerker, die das können“, erklärt Salmanzadeh. der seit 40 Jahren im Geschäft ist. Die Uhr würde er nur für den Materialwert von 200 Euro ankaufen. Weit mehr wert sind die Schätze, die die Händler auf der Messe anbieten: Salmanzadeh hat einen Brillantring mit Saphir für 18 000 Euro in der Auslage, das Ehepaar Rosina und Gerhard Förster bietet Opale im Wert bis zu 30 000 Euro an. Karl Jürgen Schlotter, der vor 30 Jahren als Anhänger des Buddhismus nach Tibet kam und später Sammler von tibetischen religiösen Kunstwerken wurde, hat ein teueres Stück dabei: eine Bronzeskulptur der vielarmigen Göttin Avalokiteshvara, die er zum Preis von 18 000 Euro verkauft.

Da mutet der menschliche Schädel, den der Frankfurter Thomas Marius Morbe für 2200 Euro in seiner Auslage anbietet, geradezu wie ein Schnäppchen an. Vor fünfzig Jahren habe eine Familie den Totenkopf in Heddernheim ausgegraben, erzählt Morbe, er sei 2000 Jahre alt. Dazu hat das Stück laut Morbe noch eine anatomische Besonderheit: Eine Linie, die sogenannte mesura metopica, zieht sich gerade über den Schädel.

Der Antiquitätenmarkt habe sich verändert, erzählt Morbe, die Nachfrage sei weniger geworden, es lohne sich kaum mehr, ein Geschäft anzumieten. Aber zu den Messen kämen die Interessenten, hier könnten sie die Schätze in die Hand nehmen und nicht nur auf einer Website anschauen. Aus diesem Grund sind auch die Försters mit ihren Opalen da: So einen Stein müsse man im wahrsten Sinne des Wortes begreifen, auch einmal anlegen, um zu schauen, ob der Funke überspringt, sagt Rosina Förster. So ist das Ehepaar aus Franken letztlich auch zu den Opalen gekommen: Auf ihrer Hochzeitsreise nach Australien besichtigten die beiden eine Opal-Mine und wurden wenig später selbst Besitzer einer solchen. Gerhard Förster klopft nun schon seit dreißig Jahren selbst den Stein aus der Mine,

Vom englischen Tafelsilber aus dem 19. Jahrhundert über wertvolle Turkmen-Teppiche, Möbel und Vasen bis hin zu den Keramikscheiben des Künstlers Kuno Vollett reichte die Bandbreite der Messe. Noch war die Besucherresonanz etwas verhalten. Aber Veranstalter Krey will weitermachen im nächsten Jahr.

Die Art & Antiqua wurde von der Expo-Management-Gesellschaft das erste Mal in Wiesbaden veranstaltet. Sie knüpft an die Antiquitätenmessen an, die früher in den Rhein-Main-Hallen stattfanden. 24 Aussteller waren dabei. 

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