1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

„Arbeitsplätze haben oberste Priorität"

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Die Fraktionen bewerten das Ergebnis der Matriskstudie unterschiedlich. Bürgermeister Goßmann hält das bestehende Risiko für akzeptabel. Die Grünen hingegen fordern sofortige Reaktionen.

Das Absturz-Risiko von Militärflugzeugen und -hubschraubern über dem Industriepark von InfraServ und Kalle-Albert beschäftigt in diesen Wochen die politischen Gremien.

Eine sehr eindeutige Position bezieht Ronny Maritzen, Vorsitzender des Umweltausschusses und Abgeordneter von Bündnis 90 / Die Grünen im Stadtparlament. In Bezug auf das laut Studie bereits heute bestehende Risiko sieht Maritzen dringenden Handlungsbedarf. „Wir können nicht warten, bis etwas passiert oder die Zahl der Flugbewegungen und damit das Risiko sogar noch mehr steigt. Die Stadt muss jetzt aktiv werden“, sagt Maritzen auf Anfrage der FR. Was konkret getan werden könne und müsse, sei nun Inhalt der parlamentarischen Debatte.

Risiko sei akzeptabel

Bürgermeister und Umweltdezernent Arno Goßmann (SPD) hält das bestehende Risiko für „akzeptabel“. Die Stadt befinde sich in Gesprächen mit der amerikanischen und deutschen Militärführung, um möglichst weit von den drohenden 17 000 Flugbewegungen abzurücken. „Derzeit ist eine Steigerung der Flugbewegungen nicht zu erkennen“, sagt Goßmann. Ein Überschreiten der als Selbstverpflichtung der Amerikaner verstandenen „Obergrenze“ könne aber seitens der Stadt auch nicht sanktioniert werden.

Maritzen wirft Goßmann vor, das Risiko herunterzuspielen. „Da spielt auch der Chemiepark als Wirtschaftsfaktor eine wichtige Rolle“, sagt der Grünen-Politiker. Ein Umzug nach dem Ticona-Modell sei für die Regierungskoalition nicht denkbar.

In der Tat ist Goßmann, auf eine mögliche Umsiedlung der chemischen Anlagen angesprochen, rigoros. „Das wird nicht passieren. Die Wahrung der Arbeitsplätze hat oberste Priorität“, sagt der Umweltdezernent.

Christian Diers, umweltpolitischer Sprecher der FDP, ist bereit, ergebnisoffen über alles zu sprechen, was das bestehende und zukünftige Risiko minimieren könnte. „Wir müssen aber die Kosten und Verhältnismäßigkeit im Blick behalten. Hundertprozentige Sicherheit können wir nie herstellen. Außerdem ist uns bei der Souveränität der US-Amerikaner in dieser Frage auch nur ein begrenzter Handlungsspielraum gegeben“, sagt Diers.

Nicole Röck-Knüttel, umweltpolitische Sprecherin der CDU, ist das Risiko durchaus bewusst. „Es ist nicht so, dass wir das komplett ignorieren können, Panik brauchen wir aber auch nicht haben. Wenn wir im Zuge der steigenden Flugbewegungen Schritt für Schritt auch die Schutzmaßnahmen wie Umfliegung und steileren Anflugwinkel ergreifen, dann sind wir auf dem richtigen Weg“, sagt sie. alö

Auch interessant

Kommentare