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Arbeiten im Schoko-Wunderland

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Süße Versuchung: Bis zu 250 Hasen entstehen pro Tag.
Süße Versuchung: Bis zu 250 Hasen entstehen pro Tag. © Sascha Rheker (3)

Bei Konditor Georg Bialucha läuft die Osterhasenproduktion auf Hochtouren.

Von Fabian Siegel

Für viele wäre dieser Arbeitsplatz wohl das Paradies. Bäche von Schokolade plätschern vor sich hin, in der Luft liegt ein bitter-süßlicher Geruch und überall stehen sie herum: kleine und nicht ganz so kleine Hasen. Mal in schwarz, mal in weiß – aber immer aus feinster Schokolade. Schokolade, die von Konditor Georg Bialucha in Biebrich geformt wird.

Kaum waren die Nikoläuse Geschichte, kamen die Hasen an die Reihe: Seit Mitte Januar arbeitet Georg Bialucha auf Hochtouren an Hasen, Schokoeiern und anderen süßen Versuchungen. An guten Tagen entstünden bis zu 250 Stück – alle in Handarbeit. Denn die Maschinen, die in den Produktionsräumen von Bialuchas „Confiserie Schedlbauer“ stehen, dienen nur dazu, die Schokolade flüssig zu halten. „In den Behältern sind 30 Kilogramm Schokolade“, sagt Bialucha. Wenn die fest werde, dauere es Ewigkeiten, sie wieder flüssig zu bekommen. „Unsere Maschinen halten die Schokolade deshalb konstant auf 33 bis 34 Grad“, erklärt Bialucha.

Dann lässt sie sich auch am besten formen – und mischen. Mit Lebensmittelfarbe zum Beispiel – denn die Schokohasen sollen ja später auch mal Karotten in die Hand oder bunte Schleifchen auf den Kopf bekommen. „Für die Karotten mischen wir ganz einfach weiße Schokolade mit dem Farbstoff aus echten Karotten“, sagt Bialucha. Das Grün des Strunks liefere der Spinat.

Farbe um Farbe füllen Georg Bialucha und Praktikant Patrick Lambert in zwei vorgefertigte Plastikbehälter in Hasenform – aus einer wird später die Rückseite, aus der anderen die Vorderseite. Die Konditoren arbeiten mit viel Liebe zum Detail. Die Stelle, an der später mal der Puschelschwanz sein soll, wird mit weißer Schokolade ausgefüllt – die Nasenhaare zeichnet Lambert sorgfältig mit schwarzer Schokolade nach.

Für Georg Bialucha ist es erst die zweite Ostersaison mit hauseigener Hasenproduktion. Im Januar des vergangenen Jahres hat er die traditionsreiche Confiserie Schedlbauer in Biebrich übernommen. Seitdem beliefert er vor allem Großkunden wie Bäckereien.

Wenn die Details wie Karotte, Augen, Haare oder Kopfschleifchen getrocknet sind, geht es daran, den „Körper“ des Hasens auszufüllen. Dazu werden die Formen mit 150 Milligramm feinster Schokolade aufgefüllt, zusammengesteckt und erst einmal von Hand gedreht. „Damit sich die braune Schokolade überall in der Form verteilen kann“, erklärt Bialucha.

Dann dürfen die frisch geborenen Hasen erst einmal Karussell fahren – gespannt auf große Rotorblätter. Denn den Rest übernimmt eine große Maschine. Sie dreht die Hasen in der Form permanent um 360 Grad um die eigene Achse. „Dadurch verteilt sich die Schokolade an der Wand der Form und wird langsam fest“, erläutert der Konditor.

Gut 40 Minuten dauert die „Hasengeburt“, dann wird das Langohr auch schon wieder kaltgestellt – vorübergehend. Denn bevor es weitergeht in Richtung Bäckereischaufenster, Osterkorb oder Kindernest, muss der Kleine erst einmal noch eine Zeit lang im Kühlschrank verharren. Allerdings bei recht angenehmen Temperaturen: 16 bis 18 Grad reichen laut Bialucha, damit er so fest wird, dass ihm auch wärmere Temperaturen erst einmal nichts mehr anhaben können.

Den ganzen Tag von Schokolade umgeben – nicht wenige würden wohl sagen, dass Bialucha im Wunderland arbeitet. „Naja, manchmal kann einem die Schokolade schon ziemlich auf die Nerven gehen“, sagt er. Aber nur an richtig heißen Tagen, wenn die Schokolade so flüssig ist, dass sie macht, was sie will.

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