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Die GWW möchte in Kastel Housing einige gebäude abreißen und neue bauen. Die Torbögen bleiben aber stehen. 

Wohnen

Anstatt Mietpreisbremse: Neue Ideen für moderate Steigerungen

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Die Erhöung von einem Prozent ist vom Tisch. Die Wohnungsbaugesellschaft arbeitet an einem Konzept mit unterschiedlichem Mietzins., damit genug Geld für Sanierung und Neubau übrig bleibt.

Die Mietpreisbremse, wie sie vor einem Jahr in Wiesbaden diskutiert wurde, ist tot. Eine Deckelung des Mietzinses von nur einem Prozent im Jahr ist definitiv vom Tisch. Politik, Geschäftsführer und Aufsichtsrat diskutieren andere Methoden, um die Mietpreise der städtischen Gesellschaften zu drosseln. „Es ist gut, dass die Politik unsere langfristigen Überlegungen zur Mietpreisentwicklung aufgenommen hat“, sagte Thomas Keller, Geschäftsführer der Wiesbadener Wohnungsbaugesellschaften (GWW), gestern. Ein erster Vorschlag soll dem GWW-Aufsichtsrat am 18. September vorgelegt werden.

„Wir haben uns geistig von dem Ein-Prozent-Ziel verabschiedet“, bekennt Sozial- und Wohnungsdezernent Christoph Manjura (SPD) gestern. Die dadurch entstehenden Mindereinnahmen seien wegen des hohen Sanierungsdrucks für die GWW wirtschaftlich nicht darstellbar. Manjura hat somit seine frühere Haltung zur Mietpreisbremse aufgegeben. Er und der frühere Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) hatten vor einem Jahr mit dem Vorschlag einer allgemeinen einprozentigen Mietpreisbremse nach dem Frankfurter ABG-Modell überrascht. Da die ABG aber insgesamt höhere Mieten verlange als die GWW, könne sie eine einprozentige Mietpreisbremse besser verkraften, gab Manjura zu. Die GWW dagegen orientiere ihre Mieten auf Basis einer freiwilligen Selbstbegrenzung am Mittelwert des Mietspiegels. Auch die Variante der Nassauischen Heimstätte, die nur für Mieter mit geringem Einkommen eine auf ein Prozent Steigerung gedeckelte Miete vorsieht und die von den Grünen favorisiert wurde, soll nicht umgesetzt werden.

Der neue Vorschlag, der wohl noch nicht bis ins Detail ausgearbeitet ist, basiert auf einer differenzierten Betrachtung des Wohnungsbestands. Eine Idee könnte sein, Mietern von Altbauwohnungen weniger zur Kasse zu bitten als die von Neubauwohnungen. Auf jeden Fall soll laut Keller die Wirtschaftlichkeit der Immobilien über längere Zeiträume einbezogen werden. Die GWW möchte für ihre Bauvorhaben flüssig sein, was wegen der jährlichen Baukostensteigerung von bis zu fünf Prozent zunehmend schwieriger werde. „Aktuell investieren wir rund 57 Millionen Euro in den Bau von 254 Mietwohnungen, die im Laufe 2020 bezugsfertig werden“, sagt Keller. Die GWW hat sich das Ziel gesetzt, bis 2021 1200 und bis 2030 4000 neue Wohneinheiten zu bauen. Auch dank des Jahresüberschusses 2018 von 17,1 Millionen Euro, vier Millionen mehr als 2017, steht die GWW finanziell gut da. Keller betont jedoch, dass Einmaleffekte für das gute Ergebnis verantwortich seien. Um ausreichend Geld für die Zukunftspläne zu haben, möchte Manjura die Ausschüttungen an die Stadt senken. Anstatt wie bisher 3,75 möchte er nur noch 1,5 Millionen Euro im Jahr abgeben.

Geschäftsführer

An der Spitze der Wiesbadener Wohnungsbaugesellschaft GWW wird zunächst nur Geschäftsführer Thomas Keller stehen. Die zweite Geschäftsführerstelle bleibt unbesetzt, nachdem OB Gert-Uwe Mende (SPD) wegen politischer Querelen das Bestellungsverfahren stoppte. Der Kandidatin, die das Auswahlverfahren durchlaufen hatte, wurde abgesagt.

Den GWW-Beschäftigten wurde am Freitag mitgeteilt, dass es kein weiteres Ausschreibungsverfahren geben werde. „Ich könnte aufgrund der aktuellen politischen Lage nicht garantieren, dass der Aufsichtsrat eine
vorgeschlagene Person bestellt“, sagte Stadtrat Christoph Manjura (SPD).

Die kaufmännischen Arbeiten sollen von einem Team der zweiten Führungsebene geleistet werden. Die GWW wurde kürzlich umstrukturiert. Keller ist für die Technik zuständig.

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