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Am Wiesbadener Kurhaus wird’s dunkel

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Von: Andrea Rost

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Das Wiesbadener Kurhaus wird bei Dunkelheit bald nicht mehr angestrahlt.
Das Wiesbadener Kurhaus wird bei Dunkelheit bald nicht mehr angestrahlt. © kultour

Wiesbaden will 20 Prozent Energie einsparen, um für einen Engpass im Herbst und Winter gewappnet zu sein. Den Anfang macht die Beleuchtung öffentlicher Gebäude, auch stadteigene Liegenschaften, Schwimmbäder und Thermen könnten vom Energiesparen betroffen sein.

Üblicherweise ist die neoklassizistische Fassade des Wiesbadener Kurhauses in den Abend- und Nachtstunden prunkvoll beleuchtet. Gleiches gilt für eine Reihe anderer repräsentativer Gebäude in der Landeshauptstadt und für viele Denkmäler. Doch das wird sich bald ändern. Der Gas- und Energiesparplan der Stadt, den Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) gestern im Rathaus vorstellte, sieht vor, dass die Beleuchtung abgeschaltet wird. Bereits in den nächsten Tagen werde es dunkel rund um Kurhaus, Rhein-Main-Congress-Center oder Burg Sonnenberg, kündigte der Verwaltungschef an.

Die Gebäude nicht mehr von außen zu beleuchten, sei nur ein Baustein des abgestuften Plans, den eine eigens eingerichtete Arbeitsgruppe unter Federführung des Hochbauamts in den vergangenen Wochen ausgearbeitet habe. „Energiesparen ist das Gebot der Stunde, dazu wollen wir einen Beitrag leisten und uns als Stadt vorbereiten auf eine eventuelle Gas- und Energieknappheit im Herbst und Winter.“

Insgesamt listet der Gas- und Energiesparplan für Wiesbaden mehr als 20 Vorhaben auf. So soll beispielsweise die Temperatur in Schulen, Sporthallen und Kultureinrichtungen mit Beginn der Heizperiode gesenkt werden. In Arbeitsräumen wird sie dann bei voraussichtlich 19 Grad Celsius liegen.

Für die Beschäftigten der städtischen Verwaltung könnte eine flexiblere Homeoffice-Regelung vereinbart werden, sagte Mende. Ämter und Behörden seien aber weiterhin für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort präsent. Gebäudeteile ganz zu schließen sei fürs Erste nicht vorgesehen. Ob Lüftungsanlagen in Schulen oder Sporthallen außer Betrieb genommen werden, hängt laut Andreas Rettig, dem Leiter des Hochbauamts, davon ab, inwieweit Pandemiebedingungen und Hygienevorschriften dies zulassen.

Ähnliches gelte für Wassererwärmungsanlagen in öffentlichen Gebäuden. Durchlauferhitzer könnten nur abgeschaltet werden, wenn dies mit der Trinkwasserhygiene vereinbar sei. Pflegeeinrichtungen und Kindergärten seien nach Bundesvorgaben davon voraussichtlich ausgenommen.

Hallenbäder sollen in Wiesbaden vorerst nicht geschlossen, die Wassertemperatur soll aber in den Sportbecken weiter abgesenkt werden – auf 24 Grad Celsius, wie von Fachverbänden empfohlen. Erst in einer weiteren Umsetzungsstufe des Energiesparplans könnte die Schließung von Bädern, Saunen und der mit Gas geheizten Kaiser-Friedrich-Therme sowie des Thermalbads Aukammtal drohen, sagte Mende.

Geprüft wird aktuell, ob es technisch möglich ist, Straßenlaternen zu dimmen. Ampeln und Parkleitsysteme würden nicht abgeschaltet, da dies kaum Einsparungen brächte, sagte Andreas Rettig. Ob es in Wiesbaden in diesem Advent eine Weihnachtsbeleuchtung geben wird, steht nicht fest. Darüber soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

Oberbürgermeister Mende appellierte an Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Vereine und Verbände, auch im eigenen Bereich Energie zu sparen. Tipps dafür gebe es bei der Energieberatung, der Verbraucherzentrale, beim Umweltamt, im Umweltladen und bei Eswe-Versorgung. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen würden von der Stadt mit dem Umweltberatungs- und Klimaschutzprogramm Ökoprofit unterstützt. „Wir müssen als Gesellschaft erneut zusammenrücken“, appellierte Mende. „Ohne Komfortverzicht wird es leider nicht gehen.“

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