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Abzug aus Heidelberg

Alte Liebe vor dem Aus

So mancher US-Soldat hat sein Herz in Heidelberg verloren. Die Heidelberger profitierten vom „american way of life“. Nun werden die Truppen abgezogen.

Die riesigen Grills der Campbell Barracks sind schon lang nicht mehr benutzt worden. Viele Wohnkasernen der US- Streitkräfte in Heidelberg stehen seit Monaten leer. Genauso verwaist sind die früher massiv gesicherten Kinderspielplätze zwischen den Häusern.

Bis 2015 werde der Heeresstützpunkt in Heidelberg komplett aufgegeben, die meisten Soldaten würden nach Wiesbaden verlegt, teilte das US-Verteidigungsministerium jetzt mit. Dabei hat der Abzug schon vor Jahren schleichend begonnen. Die seit 1945 gewachsene Symbiose von amerikanischen Soldaten, ihren Familien und deutscher Bevölkerung geht zu Ende.

„Das ist eine richtige Katastrophe. Die Amerikaner werden uns fehlen“, sagt Rafaela Calone. Die Kellnerin arbeitet bei „Mandys Fastfood Center“ in der Nähe des Heidelberger Hauptbahnhofs. Sie befürchtet nun Umsatzeinbußen.

Viele Soldaten und ihre Angehörigen gehen in dem seit 1974 bestehenden Imbisslokal frühstücken oder decken sich bis 3.00 Uhr nachts mit speziellen Burgern ein – „Heidelburger“ genannt. „Ich habe die Leute immer gemocht, da sie freundlicher sind als viele Deutsche. In den vergangenen Jahren hatten alle aber weniger Geld, weil der Dollar so schlecht stand.“

Besonders seit dem 11. September 2001, dem Tag terroristischer Anschläge in den USA, verließen die Amerikaner in den Abendstunden ihre geschützten Wohngebiete mit eigenen Supermärkten und Treffpunkten nicht mehr. So wurde um das „Mark Twain Village“ zwischen Heidelberg und Schwetzingen auch eine 2,5 Kilometer lange Mauer gebaut.Zu der US-Infrastruktur auf 200 Hektar Fläche für bis zu 40000 Soldaten und ihre Angehörigen gehörten auch ein eigenes Krankenhaus und ein Militärflughafen, die nun ebenfalls geschlossen werden. In der Universitätsstadt mit rund 140000 Einwohnern lebten zuletzt etwa 16000 Amerikaner. Viele Offiziere wohnten zudem zur Miete im Heidelberger Umland.

So mancher Soldat verlor sein Herz – und hinterließ ein uneheliches Kind

„Ich gehe gerne nach Wiesbaden, obwohl ich Heidelberg mehr mag. Hier gibt es mehr zu sehen, die Stadt ist sehr schön und wird mir fehlen“, sagt der 26-jährige Soldat Joey, der gerade bei „Mandys“ eine Bestellung aufgibt. Im Jahr 2007 besuchten neben zahlreichen Japanern und Chinesen auch rund 65000 US-Amerikaner als Touristen die Universitätsstadt.

Die Liebe der Amerikaner zu Heidelberg reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Damals wanderten viele Deutsche aus der früheren Kurpfalz rund um Mannheim und Heidelberg wegen Armut, Überbevölkerung, Wasserknappheit und Missernten in die USA aus. Ihre Nachfahren besuchten schon vor dem Ersten Weltkrieg auf ihren Europareisen die Stadt am Neckar, genauso wie Staatsmänner und Schriftsteller wie Mark Twain.

Der US-Botschafter in Deutschland Jacob Gould Schurmann, der 1878/79 in Heidelberg Philosophie studierte, sammelte Ende der 1920er Jahre 500000 Dollar für einen Erweiterungsbau der Universität, der heute noch genutzt wird.

1945 besetzten die Amerikaner das unzerstörte Heidelberg mit ihren Truppen, richteten ein Hauptquartier ein und beschlagnahmten die Kasernen. In der Nachkriegszeit gab es auch zahlreiche Liebesbeziehungen zwischen amerikanischen Soldaten und deutschen „Fräuleins“. So mancher verlor in Heidelberg sein Herz – und hinterließ ein uneheliches Kind. ( dpa)

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