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Kredite von bis zu 125 000 Euro zu einem Zinssatz von 0,8 Prozent über eine Laufzeit von 20 Jahren sollen den Traum vom Eigenheim für viele Familien Wirklichkeit werden lassen.

"Hessen-Darlehen"

Al-Wazir will Wohneigentum fördern

Die Landesregierung will Familien mit kleinem oder mittlerem Einkommen den Weg zum Eigenheim durch günstige Darlehen erleichtern. Aber das Darlehensprogramm dürfte vor allem im ländlichen Raum wirken.

Wiesbaden - Unter der CDU/FDP-Regierung in Hessen bis 2014 genoss in der Wohnungspolitik die Eigentumsförderung noch oberste Priorität. Bei Schwarz-Grün und erst recht seit Übernahme der Zuständigkeit für das Megathema Wohnen durch Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) verschob sich der Schwerpunkt ganz auf die Schaffung bezahlbaren Wohnraums und den Schutz der Mieter vor fortlaufenden Erhöhungen gerade im Ballungsraum. Doch jetzt unternimmt die Landesregierung erstmals seit geraumer Zeit auch wieder einen neuen Vorstoß zur Förderung von Wohneigentum.

Zusammen mit der landeseigenen Wi-Bank stellte Al-Wazir am Donnerstag in Wiesbaden eine Initiative vor, die vor allem Beziehern kleiner und mittlerer Einkommen den Erwerb der eigenen vier Wände erleichtern soll. Schließlich sei es ja eine Binsenweisheit, dass Wohnungseigentum der beste Schutz vor Mieterhöhungen ist, betonte der Grünen-Politiker. Und Al-Wazir erhielt sogar Lob von der FDP, die den Minister sonst als ihren Lieblingsfeind ansieht. Der wohnungspolitische Sprecher der Liberalen, Jürgen Lenders, kündigt die Unterstützung der FDP für die verbesserten Konditionen des sogenannten Hessen-Darlehens an.

Zinssatz soll für 20 Jahre festgelegt werden

Das soll nach den Plänen Al-Wazirs und des Wi-Bank-Geschäftsführers Gottfried Milde bis zu 125 000 Euro betragen, und zwar zu einem Zinssatz von 0,8 Prozent. Die Kreditobergrenze liegt damit um 25 000 Euro höher als bisher bei bereits bestehenden Immobilien und 10 000 Euro höher als bisher für Neubauten. Eine Unterscheidung der Fördergrenzen zwischen Bestand und Neubau ist beim Eigentumserwerb künftig nicht mehr vorgesehen. Der Zinssatz von 0,8 Prozent ist zwar kaum höher als bisher, soll dafür aber für 20 statt bisher zehn Jahre festgelegt werden und dem Erwerber damit langfristige Planungssicherheit garantieren.

Im Übrigen begnügt sich das Land mit einer nachrangigen Absicherung des Darlehens im Grundbuch, was auch die Aufnahme weiterer Kredite bei den Geschäftsbanken erleichtern dürfte, die damit im Grundbuch den ersten Rang belegen können. Außerdem kann die Landesförderung mit Mitteln der KfW, des Baukindergeldes, der Denkmalpflege und Programmen der Städtebauförderung oder der Dorferneuerung kombiniert werden. Um das Hessen-Darlehen in Anspruch nehmen zu können, müssen die Interessenten allerdings Einkommensnachweise einreichen. Bei einem Elternpaar mit zwei Kindern liegt die Obergrenze der Einkünfte derzeit bei etwa 82.600 Euro im Jahr brutto. Die Einkommensgrenzen werden aber alle drei Jahre angehoben.

Großstädte entlasten

Al-Wazir und Milde räumen allerdings ein, dass das Programm wohl vor allem im ländlichen Raum zum Einsatz kommen wird, da die Beträge für den Erwerb teurer Immobilien im Ballungszentrum kaum ausreichen werden. Aber auch davon versprechen sie sich zumindest einen kleinen dämpfenden Beitrag zur Entlastung in den Großstädten, weil die neuen Haus- oder Wohnungseigentümer dort ja dann kaum eine Mietwohnung suchen werden. Milde stellte aber klar, dass ein Eigenkapital von zehn Prozent auch beim Hessen-Darlehen Voraussetzung ist, schon damit niemand in die Schuldenfalle gerät. An Eigenmitteln sollen es sogar 15 Prozent sein, wobei der Unterschiedsbetrag auch in Eigenarbeit erbracht werden kann, etwa durch Tapezieren oder Dachdecken.

Milde erhofft sich mittelfristig einen Anstieg von den zuletzt nur noch 200 auf bis zu 1000 Hessen-Darlehen im Jahr. Eine Umkehr der Wohnungspolitik dürfte das neue Programm für den Eigentumserwerb also kaum sein. Der Schwerpunkt liegt weiter klar bei der Förderung des Mietwohnungsbaus.

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