Ostwetterlage führt zu mehr Schäden

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Fraport will gefährliche Situation mit Kommunen und Experten analysieren

Zwischen fünf und 15 durch Wirbelschleppen verursachte Schadensfälle registriert die Fraport jährlich. Darunter, so erläutert Dieter Hulik, der Sprecher des Flughafenbetreibers, fallen auch Verdachtsfälle, die mutmaßlich auf durch Flugzeuge verursachte Verwirbelungen zurückzuführen sind. Seit Februar sind allein in Flörsheim von fünf Häusern Dachziegel heruntergewirbelt worden. Auch in Raunheim verursachten landende Flugzeuge Schäden an Hausdächern.

Hauptgrund für die Häufung der gefährlichen Ereignisse ist die lange anhaltende Ostwetterlage. Über Flörsheimer Wohngebieten setzen die Flieger – aus Westen kommend – in weniger als 300 Metern zur Landung auf dem Rhein-Main-Airport an. Verwirbelungen an den Rändern der Tragflächen wirken dabei wie kurze heftige Böen, die vor allem Schäden an ungesicherten Dächern anrichten. Der Flughafenbetreiber ist verpflichtet, den Schaden zu ersetzen.

Weil wegen der Ostwetterlage die Flugzeuge in den vergangenen Wochen sehr viel über Flörsheim geflogen seien, sei die Wahrscheinlichkeit, dass Schäden durch Wirbelschleppen entstehen, „mathematisch einfach höher“, erklärt Axel Raab, der Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS). Eine andere spezielle Ursache vermag Raab für die jetzt vermehrt auftretenden Schäden nicht zu erkennen. Flughöhen oder gar Routen zu ändern, sei nicht möglich. „Wir fliegen seit einiger Zeit ja schon mit dem 3,2 Grad Winkel. Mehr ist momentan nicht drin.“

An den Spekulationen, für zwei der Vorfälle sei eine Boeing 777 der Air India verantwortlich, wollten sich weder Fraport noch die Flugsicherung beteiligen. Sie waren von Bürgerinitiativen in Umlauf gebracht worden. Der Typ 757 des US-amerikanischen Flugzeugherstellers gilt nach Angaben von Raab als spezieller Wirbelschleppenfall. Nach Größe und Gewicht zählt die 757 eigentlich zu dem „mittleren“ Typ. Weil deren Tragflächen aber insbesondere für nachfolgende Flugzeuge gefährliche Wirbelschleppen verursachen können, wird die Maschine von den Fluglotsen in die Kategorie „heavy“ (schwer) eingeordnet. Bei Starts und Landungen müssen nachfolgende Flugzeuge einen größeren Abstand halten, damit sie nicht in den potenziell gefährlichen Sog der 757 geraten.

Flughafenbetreiber Fraport hat auf die zum Teil wütenden Proteste der Flörsheimer reagiert und auch die Mahnungen hessischer Politiker, die von Lebensgefahr für die Bürger sprachen, ernst genommen. Zusammen mit den Kommunen will man nach Lösungen suchen und eine umfassende Situationsanalyse erstellen. Um das Wirbelschleppenproblem besser verstehen zu können, will Fraport auch Experten des deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums in die Analyse einbeziehen. „Zum Thema Wirbelschleppen müssen wir weitere Erkenntnisse gewinnen, um geeignete Gegenmaßnahmen einleiten zu können“, heißt es in einer Pressemitteilung von Fraport.

Besorgten Hauseigentümern bietet der Flughafenbetreiber Dachinspektionen durch von ihm beauftragte Fachleute an. Ob Gefahrenquellen dann sofort durch eine umfangreiche Sanierung, sprich eine Neueindeckung mit verklammerten Ziegeln beseitigt werden, ließ der Fraport-Sprecher offen. „Das könnte eine Maßnahme sein, muss es aber nicht.“

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