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Acht Ärzte verlassen die Wiesbadener HSK

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Von: Diana Unkart

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Gewerkschaft und die Partei Die Linke sehen im Personalmangel ein großes Problem. dpa
Gewerkschaft und die Partei Die Linke sehen im Personalmangel ein großes Problem. dpa © Sven Hoppe/dpa

Nach Kündigungen von Medizinern und Intensivpflegekräften muss sich die Stadtpolitik einmal mehr mit Vorgängen im größten Krankenhaus der Stadt beschäftigen.

Wiesbaden – Es ist eine Frage, die in der Vergangenheit schon häufiger gestellt wurde, zuletzt als Kinderärzte wegen des Bettenabbaus in der Kinderklinik Alarm schlugen: Ist eine adäquate Versorgung der Patientinnen und Patienten noch sichergestellt? Wieder einmal wird sich die Stadtpolitik in Wiesbaden mit den Helios-Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) befassen. Die Fraktion der Partei Die Linke bringt einen Antrag in die Stadtverordnetenversammlung ein, der die Kündigung mehrerer Ärztinnen und Ärzte sowie von Intensivpfleger:innen thematisiert.

Demnach verlässt Grietje Beck, Direktorin der Kliniken für Anästhesiologie, Rettungsmedizin und Schmerztherapie, kommissarische Leiterin der interdisziplinären Intensivmedizin und Intermediate Care sowie stellvertretende Ärztliche Direktorin, die HSK und übernimmt eine Leitungsstelle an der Universitätsklinik Mannheim. Zudem gehen acht Ärztinnen und Ärzte. Gekündigt hätten auch mehrere Intensivpflegekräfte.

Helios-Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden äußern sich zum Weggang des Personals

Die Klinik bestätigt den Weggang des Personals. „In der Tat werden sechs Ärztinnen und Ärzte Frau Professorin Beck an die Uniklinik Mannheim begleiten“, sagt Sprecher Patrick Körber. Zwei Ärzte gingen im Rahmen der normalen Fluktuation. Sie alle arbeiten im Bereich Anästhesie. Die Hintergründe seien vielfältig. Pflegekräfte zögen weg, begännen ein Studium oder verließen den Beruf. „Wir führen intensive Haltegespräche mit den Mitarbeiter:innen“, sagt Körber. Trotz der Kündigungen sei die Versorgung jederzeit sichergestellt.

Ob das tatsächlich der Fall ist, möchte die Linke nun vom Magistrat wissen. Der gesundheitspolitische Sprecher der Rathausfraktion, Ingo von Seemen, sagt, fehlendes Personal sei schon seit längerem ein Problem. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten berichtet, dass bereits jetzt an manchen Tagen eine Intensivpflegekraft für bis zu fünf Patientinnen oder Patienten zuständig sei. Die Verordnung hingegen sieht tagsüber einen Schlüssel von einer Pflegekraft zu zwei Patient:innen vor. Auch eine Eins-zu-eins-Betreuung von Patient:innen an der Ecmo, die technisch einer Herz-Lungen-Maschine gleicht, habe zuletzt nicht immer gewährleistet werden können.

Fachkräftemangel und Pandemie verschärfen Situation in Wiesbaden

Für die Pflegekräfte sei die Situation psychisch sehr belastend. Verdi-Gewerkschaftssekretärin Anja Golder sagt, die Situation sei schon vor Corona schwierig gewesen. Nach zwei Jahren Pandemie sei sie noch schwieriger.

„Wie jedes Krankenhaus in Deutschland haben auch wir mit dem allgemeinen Fachkräftemangel in der Pflege zu kämpfen“, sagt HSK-Sprecher Körber. Helios verweist auf eine Reihe von Vorhaben, um Mitarbeiter:innen zu rekrutieren, unter anderem sei die Zahl der Auszubildenden deutlich erhöht und im Oktober mit 50 examinierten Pflegekräften fast der gesamte Ausbildungsgang eingestellt worden. Zusätzlich bemühe sich die Klinik um ausländische Pflegekräfte und investiere in Fachweiterbildungen.

Bemühungen, Personal zu halten oder zu gewinnen, sieht Gewerkschafterin Golder durchaus. „Aber wenn man schaut, wie viele weggehen und wie viele nachkommen – von Personalaufbau kann da keine Rede sein“, sagt sie. Die Mitarbeiter:innen beobachteten zudem mit Sorge den Weggang erfahrener Medizinerinnen und Mediziner. Mit dem Wechsel von Professorin Beck setze sich die Reihe nun fort. Für einen größeren medialen Widerhall hatte der Wechsel des Wiesbadener Kinderklinikleiters nach Worms gesorgt.

HSK in Wiesbaden: Arztstellen sollen möglichst übergangslos nachbesetzt werden

Nach Angaben der Klinik ist Becks Stelle bereits ausgeschrieben. Das Berufungsverfahren beginne Anfang März. In der Interimsphase übernähmen drei Oberärzte der Anästhesie und Intensivmedizin die kommissarische Leitung beider Bereiche. Die Arztstellen wolle man möglichst übergangslos nachbesetzen.

Die Klinik, benannt nach dem früheren hessischen Sozialminister, der sich für ihren Bau eingesetzt hatte, ist die größte in Wiesbaden und gehört zu den größten Krankenhäusern in Hessen. Einst komplett in städtischer Hand, hatte die Stadt 2012 einen Anteil von 49 Prozent an die Rhön-Klinikum AG verkauft. Die wiederum verkaufte 2014 an Helios. Mit 51 Prozent ist die Stadt Mehrheitseignerin, allerdings ohne Mitspracherechte im operativen Bereich. (Diana Unkart)

Das fehlende Mitspracherecht der Landeshauptstadt Wiesbaden bei den Helios-Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken wird immer mal wieder bemängelt. Doch Kritik und Forderung werden wohl ohne Konsequenzen verhallen.

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