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Auf dem Abstellgleis

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Die Dampflock steht bis auf Weiteres still.
Die Dampflock steht bis auf Weiteres still. © Schick

Die Zeit drängt: Dem Verein Nassauische Touristikbahn geht das Geld aus. Doch der Neubau der Brücke an der Flachstraße verzögert sich weiter.

Von Jana Kinne

Die Zukunft der Nassauischen Touristikbahn bleibt unklar: „Wir haben ein Jahr lang keine Einnahmen und damit eine Deckungslücke, wenn die Aartalbahn erst im Frühjahr 2012 wieder befahrbar ist“, sagt Marcus Giebler vom Vorstand der Nassauischen Touristikbahn (NTB). Die Stadt und der städtische Betrieb Eswe Verkehr sind nach eigenen Aussagen nicht in der Lage, die Wiederinbetriebnahme der Aartalbahn zu beschleunigen.

Also stehen die Museumszüge der NTB, die auf der Aartalbahn verkehrten, bis auf wenige Sonderfahrten still. Das bedeutet hohe Einnahmeausfälle: „Wir sind nun auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Andernfalls bleibt uns nur noch der Gang zum Insolvenzrichter“, sagt Giebler. Die Ersparnisse des Vereins reichten nur bis Frühsommer 2011.

Im November 2009 rammte ein Lastwagen die Eisenbahnbrücke der Aartalbahn in der Flachstraße und beschädigte die Brücke so stark, dass sie bis auf weiteres für den Eisenbahnverkehr gesperrt werden musste. Es war nicht das einzige Mal. Schon in den vergangenen Jahren hatte es wegen der geringen Höhe mehrfach Unfälle mit Lastwagen gegeben.

Im Februar beschloss die Stadtversammlung, dass die Touristikbahn noch in diesem Jahr wieder auf die Strecke geschickt wird. Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) klärte daraufhin im Mai die Lage mit der DB Netz, der Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn, die einen Großteil des Schienennetzes betreibt. Ihr gehört die Brücke eigentlich. Der Beschluss: Eswe Verkehr solle die Brücke neu bauen und danach übernehmen.

Eswe beauftragte daraufhin ein Ingenieurbüro – und meldete, dass es vor Sommer 2012 nichts wird. „Wir mussten uns mit dem Schaden erst einmal auseinandersetzen“, erklärt Heide Kretschmer, Referentin von Verkehrsdezernent Joachim Pös (FDP), die Verzögerung. „Die Zeitabläufe sind durch das Planfeststellungsverfahren, das eingeleitet werden musste, gesetzlich vorgeschrieben“, ergänzt Jörg Gerhard, stellvertretender Betriebsleiter bei Eswe Verkehr. Das Planfeststellungsverfahren werde nötig, weil wir „entweder in die Konstruktion der Brücke oder in die Trassierung der Strecke eingreifen müssen“ erklärt Gerhard. Schließlich müsse die Brücke ja höher werden.

Jetzt wurde zwar die Wiedereröffnung für etwas früher angekündigt – von Sommer auf Frühjahr 2012. Doch die prinzipielle Problematik bleibt: Die Vereinskasse braucht Geld. Finanzielle Unterstützung, sagt Giebler, gäbe es lediglich durch Veranstaltungen, die die Eswe gemeinsam mit der Museumsbahn organisieren will. So ist im Frühjahr 2011 ein großes Bahnhofsfest geplant. Die NTB wirbt außerdem um private Spenden und lässt ihre Dampflokomotive am Samstag, 18. September, zu „Rhein in Flammen“ und zur Weinwoche nach St. Goarshausen fahren.

Ob von der Stadt Zuschüsse fließen, werde „von weiteren Beratungen im August abhängig sein“, sagt Kretschmer. Derzeit läge kein Beschluss vor.

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