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Abschied vom Schaufenster

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Von: Arne Löffel

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Noch ist der Marktkeller eine Museumsbaustelle.
Noch ist der Marktkeller eine Museumsbaustelle. © Michael SChick

Studierende für Designtheorie gestalten wohl zum letzten Mal im ehemaligen Schaufenster eine Ausstellung. Zukünftig soll der umgebaute Marktkeller wieder als Ausstellungsort dienen.

Theo Steiner ist begeistert. Der Professor für Designtheorie an der Hochschule Rhein-Main hat seit Donnerstagabend mit seinen Studierenden im ehemaligen Schaufenster Stadtmuseum die Bachelor- und Semesterarbeiten des Fachbereichs Kommunikationsdesign ausgestellt. „Am Eröffnungsabend war es schon fast zu voll, 400 Gäste im Durchlauf“, berichtet Steiner.

Es sei das erste Mal gewesen, dass die halbjährlich wiederkehrende Semesterschau der Kommunikationsdesigner den Elfenbeinturm unter den Eichen verlässt. „Das war super für uns und die Studierenden, hier in der Stadt wird das viel mehr wahrgenommen“, betont Steiner. In der Vergangenheit seien die Semesterarbeiten immer an den Wänden der Hochschul-Flure gezeigt worden.

Nun, um Schaufenster Stadtmuseum, hatten die Arbeiten genügend Raum, sich und ihre Wirkung zu entfalten. Es gab einen Kinosaal, eine Bar, einen Platz für einen Discjockey und viele Räume und Gänge, in denen bunte Grafiken, Konzepte, Plakate und vieles mehr präsentiert werden konnten. „Wir wissen nicht, wie es mit dem Gebäude weitergeht, aber wir würden es gern auch für die nächste Ausstellung im Sommer nutzen“, sagt Steiner. Es sei geplant, das Gebäude abzureißen, der Termin für den Abriss stehe aber noch nicht fest. Es kann also gut sein, dass die Schau der Kommunikationsdesigner die letzte Ausstellung im Schaufenster ist.

Bürgerintiative: Museum im Alten Gericht

Noch bis vor Kurzem war das Schaufenster Stadtmuseum ein städtischer Ausstellungsort. Das Museumsteam rund um Bernd Blisch hat hier – auch in Ermangelung eines echten Stadtmuseums – wechselnde Ausstellungen mit Exponaten aus den Depots der Stadt bestückt. Laut Blisch waren seit dem Jahr 2011 bis Ende 2015 18 Ausstellungen im Schaufenster zu sehen.

„Besonders gut hat mir die Kinderausstellung zur Römerzeit gefallen“, erinnert sich Blisch. „Unter der Woche waren die Kinder aus den Kindergärten hier und am Wochenende noch mal mit ihren Eltern.“ Die Ausstellung habe gewirkt, auch über Mundpropaganda Besucher angelockt. „An sich war das Schaufenster ja ein bisschen versteckt“, so Blisch über die Immobilie, in der vor dem Schaufenster Stadtmuseum einst eine Arztpraxis und ein Café untergebracht war. „Wir haben das Raumkonzept verändert und Verbindungen zwischen den Räumen geschaffen, so dass es wirklich gut für Ausstellungen geeignet war“, erinnert sich Blisch.

Schon bald will der beim Kulturamt der Stadt beschäftigte Museums-Experte wieder Ausstellungen machen, dann im umgebauten Marktkeller. Die Eröffnung war eigentlich für den 2. März geplant, musste nun aber aufgrund eines Wasserschadens im Marktkeller auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Der viele Regen der vergangenen Wochen und ein Leck in der Abdichtung des 1300 Quadratmeter großen Kellers haben dafür gesorgt, dass das Wasser durch die Decke und die Wände drückte. „Gut, dass es jetzt passiert ist und nicht erst im Ausstellungsbetrieb“, so Blisch bei einem Rundgang im Keller.

Die von der Wiesbaden Holding WVV engagierten Baufirmen arbeiten mit Hochdruck daran, das Leck zu finden. Derweil gehen die ohnehin geplanten Umbauarbeiten im Keller ihren gewohnten Gang. 300 Meter Rohrleitung wurden laut WVV-Geschäftsführer Rainer Emmel bisher verlegt, mehrere Kilometer Kabel gezogen.

Besonders teuer sei der Ausbau der Technik gewesen. Eine neue Hebeanlage sorge dafür, dass die Toiletten nicht mehr wie früher stinken, die Lüftung sei komplett erneuert und eine neue Heizanlage installiert worden. 250 000 Euro wurden laut Emmel in die Technik investiert, 900 000 Euro in die Einrichtung des Museums. Blisch bleibt angesichts des ins Rutschen gekommenen Zeitplans gelassen. Der Wasserschaden sei ärgerlich, aber keine Katastrophe. „Die geplanten Ausstellungen lassen sich noch problemlos verschieben“, so Blisch.

Die Bürgerinitiative „Haus der Stadtkultur und Stadtgeschichte im Alten Gericht“ erneuert angesichts des Wasserschadens die Forderung, das Geld lieber ins Alte Gericht zu stecken. Zur Häme sei kein Anlass, so die Initiative in einer Pressemitteilung, es zeige sich aber, dass der Marktkeller für empfindliche Exponate ungeeignet sei.

Die Bürgerinitiative „Haus der Stadtkultur und Stadtgeschichte im Alten Gericht“ lädt für heute, Montag, 15. Februar, 19.30 Uhr, in den Großen Saal der Casinogesellschaft. Hier sollen namhafte Experten aus Politik, Denkmalpflege, Museumswesen und Altbausanierung Rede und Antwort stehen. Außerdem sind die Fraktionen des Parlaments eingeladen.

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