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Abriss und Neuanfang am Schlachthof

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Von: Arne Löffel

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Der Künstler Ulik Robotik performt einen Hybrid aus Artistik und Mechanik vor den Trümmern der alten Schlachthofhalle.
Der Künstler Ulik Robotik performt einen Hybrid aus Artistik und Mechanik vor den Trümmern der alten Schlachthofhalle. © Michael Schick

Der Schlachthof in Wiesbaden feiert am Tag der Deutschen Einheit die Niederlegung der alten Halle. Damit fällt gleichzeitig der Startschuss für einen weiteren Ausbau des Kulturpark-Geländes an der Murnaustraße.

Das Wochenende der Deutschen Einheit ist auch für den Wiesbadener Schlachthof ein besonderes gewesen: Während am Samstagabend vor und in der neuen Halle sowie im neuen Kesselhaus gefeiert wurde, thronten in direkter Nachbarschaft die Abrissbagger auf den Trümmern der alten Schlachthofhalle. Folgerichtig war das Motto des Abends auch „Abrissparty“.

Ein kostenloses Fest im Kulturpark mit eindrucksvollen Performances und Band-Auftritten sollte der Halle einen würdigen Abgang bereiten. Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) wertete die abgerissene Schlachthofhalle mit ihrer mehr als hundertjährigen Geschichte als einen zentralen Ort des Wiesbadener Bewusstseins. Besonders in den vergangenen 30 Jahren sei mit der neuen Nutzung des Schlachthofs als Veranstaltungsort neues Leben in die Hallen eingekehrt. „Vom kleinen Kulturzentrum hat sich der Schlachthof zu einem der bedeutendsten Veranstaltungsorte in Rhein-Main-Gebiet entwickelt“, betonte Gerich.

Der Abriss der Halle setzt einerseits einen Schlusspunkt unter die Neubau-Arbeiten am Kesselhaus und Wasserturm sowie der neuen Schlachthof-Konzerthalle, andererseits ist der Abriss auch Startschuss für einen weiteren Ausbau des Kulturpark-Geländes an der Murnaustraße. „Der Zahn der Zeit nagte an dem Gebäude, so dass Erhalt und Sanierung nicht mehr vertretbar gewesen wären“, sagte Gerich.

Bagger schneller als Politik

Dabei hätte das Schlachthof-Team rund um Gerd Schulz und Carsten Schack zumindest gern das Kreuzgewölbe der Schlachthof-Gastronomie „60/40“ und die alte Giebelmauer als Orte der Erinnerung vor dem Abriss bewahrt. Doch die Bagger haben Fakten geschaffen und beide Bauten niedergelegt. Das konnte auch ein Antrag der Grünen im Stadtparlament nicht verhindern, der am Donnerstagabend und damit bereits nach dem Komplettabriss der Halle debattiert wurde.

Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Dorothea Angor, räumte ein, dass der Antrag durch den Abriss der Halle in weiten Teilen überholt worden sei. Angor wollte nun den Magistrat prüfen lassen, welche Kosten auf die Stadt zukämen, wenn die gerade erst abgerissene Giebelwand der alten Halle wieder aufgebaut werden würde. Der Antrag scheiterte an der Parlamentsmehrheit, abgesehen davon musste sich Angor von den Vertreterinnen und Vertretern der Großen Koalition Häme über die vermeintliche Unsinnigkeit ihres Antrags anhören. Sie hatte den Antrag an Ordnungsdezernenten Oliver Franz (CDU) gerichtet, der den Grünen genüsslich vor Augen führte, dass er mit der Gestaltung des Kulturparks und einem eventuellen Wiederaufbau nichts zu tun habe.

Unterstützung bekam Angor einzig und allein von ihrer Fraktionsführerin, Christiane Hinninger, die das Parlament daran erinnerte, dass der Erhalt der Giebelwand Teil eines vom Parlament beschlossenen Konzepts für die bereits angesprochene Erweiterung des Kulturparks an der Murnaustraße gewesen sei. Dort sei von den Parlamentariern unter anderem die Einrichtung einer Kletterwand geplant gewesen. „Jeder Einzelne von Ihnen hier im Parlament hat dem zugestimmt. Das war ein einstimmiger Beschluss“, mahnte Hinninger. Doch ohne Erfolg. Einzig die Fraktion der Linken und Piraten unterstützte den Antrag der Grünen.

Bei der Abrissparty am Schlachthof wurde indes auch mehr der Neuanfang als die Rückschau in Wehmut betont. Programmatisch hatte das Team den Blick auch bewusst nach vorne gerichtet: Mit Frittenbude und Egotronic in der neuen Schlachthofhalle und einer gut besuchten Party von „Warmes Wiesbaden“ im Kesselhaus.

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