Der Betrieb der Aartalbahn von Wiesbaden nach Bad Schwalbach wurde 1983 eingestellt.
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Der Betrieb der Aartalbahn von Wiesbaden nach Bad Schwalbach wurde 1983 eingestellt.

Wiesbaden

Aartalbahn könnte 2025 nach Wiesbaden fahren

  • vonDiana Unkart
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Nachdem das Wiesbadener Straßenbahnprojekt Citybahn am Votum der Bürger:innen gescheitert ist, steigen die Chancen für eine Wiederbelebung der alten Bahnstrecke. Erste Ergebnisse zu deren Wirtschaftlichkeit sollen bald vorliegen.

Dass wieder Züge auf der einst stillgelegten Strecke der Aartalbahn von Wiesbaden Richtung Taunus und von dort weiter ins rheinland-pfälzische Diez fahren würden, galt lange als unwahrscheinlich. Nachdem die Bürgerinnen und Bürger in Wiesbaden Anfang November aber gegen das Straßenbahnprojekt Citybahn votiert haben, steigen die Chancen für eine Wiederbelebung der alten Strecke. Wiesbadens Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) sagte im Gespräch mit der FR, er sei, was das Vorhaben betreffe, optimistischer als noch vor vier oder fünf Jahren. Einige Parameter hätten sich verändert, so dass eine neue Machbarkeitsstudie möglicherweise zu einem anderen Ergebnis kommt als die Vorgängeruntersuchungen.

Kürzlich hatten sich der Rheingau-Taunus-Kreis und die Bürgermeister von Taunusstein und Bad Schwalbach für eine Reaktivierung der Strecke ausgesprochen. In einer Erklärung hieß es, das Kapitel Citybahn sei nach dem Bürgerentscheid erledigt, nun wolle man nach vorn blicken. Die Kommunen hatten auf eine Citybahnanbindung gehofft. Nun schwebt ihnen die Idee einer Aar-Taunus-Ringbahn aus Aartalbahn und Ländchesbahn vor. Letztere verbindet Niedernhausen und Wiesbaden.

„Es gibt eine gewisse Hoffnung, dass die Reaktivierung der Aartalbahn förderfähig ist“, sagt Andreas Kowol. Die letzte Untersuchung dazu stamme aus dem Jahr 2012. Sie war zu dem Ergebnis gekommen, dass die Bahn von zu wenigen Menschen genutzt würde und deswegen nicht wirtschaftlich sei. Seitdem aber hätten sich einige Einflussgrößen geändert: Die Bevölkerungszahl und die Zahl der Arbeitsplätze sei gestiegen. Zudem habe die Akzeptanz für derartige Verkehrssysteme zugenommen. Ein Blick auf die Fahrgastzahlen der Ländchesbahn, deren Takt auf 30 Minuten verdichtet wurde, gäben ebenfalls Anlass zu Hoffnung.

Untersuchungen des Baugrundes, der Trasse oder der Umweltverträglichkeit, die für die Citybahn erstellt worden waren, könnten nahezu eins zu eins genutzt werden. Das spare Zeit und Geld. Verkehrsdezernent Kowol geht davon aus, dass die Machbarkeitsstudie 2021 vorliegen wird, vielleicht schon in der ersten Jahreshälfte. Die Taunuskommunen, Wiesbaden, das Land und der Rhein-Main-Verkehrsverbund stünden dazu in enger Abstimmung. Für diese Woche sind weitere Gespräche geplant. Weil es eine Trasse gibt, kein aufwendiges Planfeststellungsverfahren notwendig ist, weil wichtige Untersuchungen bereits vorliegen, könnte – unter der Voraussetzung, dass das Vorhaben förderfähig ist – die Aartalbahn schon 2025 fahren, prognostiziert Kowol. Das Land Rheinland-Pfalz, das ebenfalls eine Wiederbelebung der alten Bahnstrecke favorisiert, und Hessen lassen gemeinsam eine Studie erstellen, deren Ergebnisse noch in diesem Jahr erwartet werden.

Weist die Prüfung einen wirtschaftlichen Betrieb aus, müssten für Wiesbaden weitere wichtige Fragen geklärt werden: Beispielsweise die der Anbindung des neuen Stadtteils Ostfeld mit dem Neubau des Bundeskriminalamtes ans Schienennetz oder die Frage, wie die Fahrgäste schließlich von den Wiesbadener Bahnhöfen ins Zentrum, in die Technologie- und Industrieparks oder die Hochschulen gelangen könnten. Die Aartalbahnstrecke verläuft peripher und führt nicht in die Innenstadt, dorthin, wo es viele Arbeitsplätze gibt und wo Menschen hinstreben, um ihre Freizeit zu verbringen.

Geprüft werden müsse schließlich auch, welche Technik eingesetzt werden kann. Die Bürgermeister von Taunusstein und Bad Schwalbach und der Rheingau-Taunus-Kreis präferieren einen Betrieb mit Brennstoffzellen. Andreas Kowol sagt, auch eine Elektrifizierung könne möglich sein. In den nun anstehenden Diskussions- und Entscheidungsprozessen wolle er alle mitnehmen – auf politischer und gesellschaftlicher Ebene.

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