Raser

100 Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen

  • Madeleine Reckmann
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Polizei in Wiesbaden registriert mehr illegale Autorennen.

Die Raser- und Poser-Szene in Wiesbaden ist der Polizei zum Teil bekannt. Der noch flüchtige Lamborghini-Fahrer hatte sich vor dem mutmaßlichen Rennen auf der A66 am 10. Oktober mit seinem Auto in Wiesbaden aufgehalten. Wo genau und mit wem er dort zu tun hatte, werde aktuell von der Polizei untersucht, sagte ein Sprecher der Polizei Westhessen. Auch woher er das Geld für ein so teures Auto hatte, sei Teil der Ermittlungen.

Fest steht, der Mann ist für die Polizei kein Unbekannter. Der Deutsch-Pole ohne festen Wohnsitz war nach Informationen des „Wiesbadener Kuriers“ wegen Autoschieberei vom Landgericht Mainz zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Wie die Staatsanwaltschaft Mainz auf Anfrage mitteilt, wurde der Mann im April 2020 auf freien Fuß gesetzt.

Nachdem sich Beschwerden über Lärmbelästigungen und zu schnelles Fahren häuften, richtete die Polizei Westhessen 2019 die Kontrolleinheit Autoposer, Raser, Tuner (Kart) ein. Die Beamte befassen sich mit illegalen Autorennen, aber auch mit illegalen Veränderungen am Auto. In Wiesbaden versuchen Polizei, Bereitschaftspolizei und die Stadtpolizei, die Fahrer von superteuren und schnellen Autos im Blick zu behalten. 1000 Fahrzeuge seien seit dem vergangenen Jahr bereits untersucht, davon 100 wegen Tempoverstößen oder illegalem Tuning aus dem Verkehr gezogen worden, sagt der Polizeisprecher. Die Betriebserlaubnis erlösche, wenn illegal etwas am Fahrzeug verändert worden sei oder das Auto bei einem Rennen zum Tatmittel werde. Die Fahrer seien bisher mit einer Ausnahme ausschließlich junge Männer zwischen 18 und 28 Jahren.

Laut Hessischem Innenministerium sind Raser und Poser in der Landeshauptstadt und in Hessen dennoch nicht auf dem Rückzug. Die hessische Polizei habe 2018 elf und 2019 rund 70 verbotene Kraftfahrzeugrennen registriert. Eine Sonderauswertung der Statistik habe zudem ergeben, dass im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 die Zahl der bekanntgewordenen illegalen Straßenrennen im ersten Halbjahr 2020 von 30 auf das Doppelte gestiegen sei.

Wie das Innenministerium weiter mitteilt, stehe die Zunahme im Zusammenhang mit einer Gesetzesänderung. Der Straftatbestand des verbotenen Kraftfahrzeugrennens (§ 315d) wurde 2017 ins Strafgesetzbuch aufgenommen und führt seitdem dazu, dass mehr Fälle angezeigt würden und sich der Verfolgungsdruck für die Polizei erhöhe.

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