Windräder vor dem Taunuskamm. Ob sie auch dort stehen sollen, ist höchst umstritten.
+
Windräder vor dem Taunuskamm. Ob sie auch dort stehen sollen, ist höchst umstritten.

Energiewende

Wiesbaden: Wo Windkraft mit dem Wasserschutz kollidiert

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
    schließen

In Wiesbaden wird der Streit um zehn Rotoren auf dem Taunuskamm vor Gericht ausgefochten. Damit könnte eine lange Hängepartie ihr Ende finden. Oder auch nicht.

Am Dienstag hat vor dem Wiesbadener Verwaltungsgericht der Prozess um den Bau von zehn Windrädern auf dem Taunuskamm begonnen. Damit könnte eine jahrelange Hängepartie um den geplanten Windpark Hohe Wurzel beendet werden. Das Verfahren ist auch exemplarisch für den Streit, der in Hessen um nahezu jedes neue Windrad ausgefochten wird.

Im Fall der Hohen Wurzel sind es allerdings keine Anwohner, die gegen eine gefürchtete Verschandelung der Landschaft vor ihrer Tür auf die Barrikaden gehen. Geklagt hat ganz im Gegenteil die Eswe-Taunuswind GmbH, eine Tochter der städtischen Gesellschaft Eswe-Versorgung, die den Windpark errichten möchte. Geklagt hat sie gegen das Land Hessen, das dem Windpark im Jahr 2016 die Genehmigung versagt hatte.

Am ersten Tag der mündlichen Verhandlung unter Vorsitz von Richter Günter Wiegand, des Präsidenten des Wiesbadener Verwaltungsgerichts, ging es sogleich um eine der entscheidenden Fragen zu dem Projekt: Würde der Bau von zehn Windrädern auf dem Taunuskamm die Qualität des Grundwassers gefährden? Immerhin bezieht die Stadt Wiesbaden rund ein Drittel ihres Wassers von dort.

Bedarf und Bestand

2500 Windräder sollen sich einmal in Hessen drehen, damit die Energiewende gelingen kann.

1100 davon sind tatsächlich gebaut. Im vergangenen Jahr kamen lediglich vier Rotoren hinzu.

Der Windpark Hohe Wurzel auf dem Taunuskamm könnte mit seinen zehn Windrädern etwa fünf Prozent des Strombedarfs der Landeshauptstadt Wiesbaden decken. pgh

Tatsächlich sind neun der zehn Anlagen in einem Wasserschutzgebiet geplant. Nach Einschätzung des Landes, vertreten durch das Regierungspräsidium Darmstadt, könnten bei deren Bau Erd- und Gesteinsschichten verletzt werden. Möglicherweise könnten dann Schadstoffe, etwa Hydrauliköle oder Treibstoffe aus den Baufahrzeugen, in den Boden eindringen und das Grundwasser verschmutzen. Denn unter einer dünnen Deckschicht aus Humus und Erde liegt über dem Grundwasser lediglich der sogenannte Taunusquarzit.

Dieses Gestein ist nach Überzeugung des Regierungspräsidiums nicht in der Lage, Schadstoffe beim Versickern aufzuhalten oder zu filtern. Deshalb dürften die Schichten darüber nicht verletzt werden, etwa indem gerodet werde oder die rund 24 Meter breiten und dreieinhalb Meter tiefen Fundamente für die Rotoren errichtet würden.

Vertreter der Eswe dagegen bescheinigten dem Taunusquarzit eine ausreichende Schutzwirkung. Das Gestein selbst halte Schadstoffe zwar nicht zurück, doch in den vergangenen Jahrmillionen hätten sich die Klüfte im Gestein teilweise mit Material gefüllt, das sehr wohl das darunterliegende Grundwasser schützen könne. Zur Veranschaulichung ihrer jeweiligen Positionen hatten die streitenden Parteien unter anderem Fotos und sogar ein 3-D-Modell des Taunuskamms mitgebracht.

Verhandelt wurde coronabedingt nicht im Wiesbadener Justizzentrum, sondern im Haus der Vereine im Stadtteil Dotzheim. Im dortigen großen Saal fanden die mehr als 30 Prozessbeteiligten, eine auf acht begrenzte Zahl von Medienvertretern sowie rund zwei Dutzend Zuhörer genug Platz, um den aus Infektionsschutzgründen nötigen Mindestabstand von eineinhalb Metern einzuhalten.

Am Freitag soll weiter verhandelt werden. Dann wird es unter anderem auch um Fragen des Landschafts- und Denkmalschutzes gehen. Denn die Windräder wären auch von der Landeshauptstadt aus gut zu sehen. Nicht jedem gefällt diese Aussicht.

Geplant ist, dass das Gericht am Freitag eine Entscheidung fällt. Ob damit der Streit tatsächlich beendet würde, scheint fraglich. Unter anderem kämpft die Bürgerinitiative „Rettet den Taunuskamm“ gegen den Windpark. Deren Sprecher Carsten Gödel hat bereits angekündigt, bei einer Entscheidung pro Windpark weitere Klagen einzureichen.

Kommentare