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Wiesbaden will Gas aus Bioabfall gewinnen

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Von: Madeleine Reckmann

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Ein Müllwerker schleppt eine Bio-Tonne.
Ein Müllwerker schleppt eine Bio-Tonne. © Monika Müller

Landeshauptstadt und der Rheingau-Taunus-Kreis planen eine gemeinsame Vergärungsanlage. Die Flörsheimer Rhein-Main-Deponie sucht nun nach neuen Vertragspartnern für diesen Müll.

Nicht erst seit der aktuellen Energiekrise werden Kartoffelschalen, Kotelettknochen und Grünschnitt für die Kommunen zu einem begehrten Stoff. Aus dem Bio-Material in den braunen Tonnen, das Privatleute gegen eine Gebühr abgeben, lässt sich Gas und Strom herstellen. Also werden Speisereste und verrottendes des Laub fast so etwas wie ein neues Gold.

Die Landeshauptstadt plant deshalb, die jährlich anfallenden 20 000 Tonnen Bio-Abfall nicht mehr in der Biogas-Anlage der Rhein-Main-Deponie Flörsheim-Wicker (RMD) verwerten zu lassen, sondern in Zukunft selbst Gas daraus zu gewinnen. Gemeinsam mit dem Rheingau-Taunus-Kreis möchte die Stadt eine eigene Bioabfallvergärungsanlage auf einem Grundstück im Dyckerhoffbruch, das den Entsorgungsbetrieben der Landeshauptstadt Wiesbaden gehört, bauen. Der Kreistag soll am 1. November einen entsprechenden Beschluss fassen. Anschließend sollen die Wiesbadener Gremien darüber entscheiden.

Vorgesehen ist, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung zu gründen, der die Landeshauptstadt und der Rheingau-Taunus-Kreis zu je 50 Prozent angehören. Diese Gesellschaft soll für Bau und Betrieb der Biogasanlage verantwortlich sein. Der Start ist für Januar 2029 vorgesehen. Bis dahin laufen die Verträge mit den aktuellen Verwertern sowohl des Kreises als auch der Landeshauptstadt aus. Die Rhein-Main-Deponie erhielt kürzlich den Zuschlag, den Wiesbadener Biomüll für weitere fünf Jahre zu verwerten mit der zweimaligen Verlängerungsoption um jeweils ein Jahr.

Die Wiesbadener Anlage soll auf den Plänen aufbauen, die vor einigen Jahren für die Zusammenarbeit mit Groß-Gerauer Zweckverband erstellt worden waren. 2019 wollten Wiesbaden und der Kreis Groß-Gerau ihren Bioabfall in einer gemeinsamen zu errichtenden Anlage vergären. 2020 scheiterte die Kooperation jedoch. Groß-Gerau hat inzwischen Mitte Oktober beim Regierungspräsidium Darmstadt einen Genehmigungsantrag für eine eigene Biogasanlage gestellt.

Wie aus der Drucksache des Rheingau-Taunus-Kreises hervorgeht, soll die neue Anlage den Wiesbadener Biomüll und die 15 000 Tonnen aus dem Kreis vergären. Die veranschlagten 35 000 Tonnen würden für einen wirtschaftlichen Betrieb gerade ausreichen. Laut Vorlage sollten aus Rentabilitätsgründen mindestens 30 000 Tonnen vergoren werden können. Deshalb besteht die Hoffnung, dass die 15 000 Tonnen Bioabfall aus dem Rhein-Lahn-Kreis mitverwertet werden können. Dort werden die Bioabfälle der beiden Landkreise bislang kompostiert, sollen nun aber energetisch besser genutzt werden. Die ELW geht Medienberichten zufolge davon aus, dass eine Tonne Biomüll 110 Kubikmeter Gas und 350 Kilo Kompost ergibt, was der neuen Anlage etwa einen Gesamtertrag von 4,4 Millionen Kubikmeter Gas bescheren könnte. Das Gas soll in das Wiesbadener Gasnetz eingespeist werden.

„Wir bedauern, dass wir von 2028 an mit dem Bioabfall aus Wiesbaden nicht mehr rechnen können“, sagt RMD-Geschäftsführerin Beate Ibiß auf Nachfrage. Die wegfallenden Mengen sollen aus anderen Landkreisen eingeworben werden. Vor allem im Main-Taunus-Kreis ließe sich die Biomüllsammlung noch deutlich intensivieren, sagt Ibiß.

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