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Wiesbaden: Westfeld-Pläne stoßen auf Skepsis

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Von: Madeleine Reckmann

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Ob Ostfeld oder Westfeld: Die Argumente gegen die Bebauung der beiden landwirtschaftlichen Gebiete sind identisch.
Ob Ostfeld oder Westfeld: Die Argumente gegen die Bebauung der beiden landwirtschaftlichen Gebiete sind identisch. © Michael Schick

Ortsbeiräte aus Schierstein und Dotzheim wollen verhindern, dass in der grünen Oase gebaut wird.

Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) hat sich auf der gemeinsamen Sitzung der Ortsbeiräte Schierstein und Dotzheim alle Mühe gegeben, die Wohnungsnot in Wiesbaden als ein Argument für die mögliche Bebauung im Westfeld anzuführen. Bis 2040 müssten 26 000 neue Wohneinheiten erstellt werden, um den Bedarf zu decken, sagte er, ein Pensum, das über Nachverdichtung alleine nicht zu schaffen sei und wofür auch innerstädtische Grünflächen ins Visier genommen werden müssten.

Der OB und einige Experten aus den Fachämtern waren eingeladen worden, um Fragen zur Bebauung des Westfelds zu klären. Denn die Pläne der Stadt, den Flächennutzungsplan dahingehend zu ändern, dass aus dem Grünland Bauland wird, stoßen auf Widerstand. Nicht nur die Aktionsgemeinschaft „Westfeld erhalten“ mobilisiert gegen die Baupläne, auch die Ortsbeiratsmitglieder und zahlreiche Besucher im Dotzheimer Haus der Vereine folgten der Ansicht des Oberbürgermeisters nicht. Personen aus dem Publikum, die Häuser oder Felder auf dem Gelände besitzen, äußerten ihre Sorge, dass wertvolles Ackerland verloren gehe oder ihre Interessen als Hauseigentümer nicht beachtet würden. Zudem würde jeder Bauvorgang den Klimawandel noch beschleunigen, sagte eine Frau. Die Ortsbeiräte beschlossen zudem, dass das Westfeld nicht bebaut werden solle und das Ackerland zu erhalten sei.

Das Westfeld

Das Perspektivfläche West genannte Gebiet liegt zwischen den Stadtteilen Schierstein und Dotzheim und wird von der Erich-Ollenhauer-Straße, der Stegerwaldstraße, der A 66 und der Saarstraße begrenzt.

Das Gelände ist 125 Hektar groß und besteht aus Grünflächen und gärtnerisch genutzten Flächen. Vereinzelt stehen Häuser darauf.

Im Stadtentwicklungskonzept 2030 ist vorgesehen, das Gebiet perspektivisch als Bauland zu nutzen. Deshalb wird als Vorarbeit eine Änderung im Flächennutzungsplan geprüft, ob und wie dort gebaut werden kann. Der Flächennutzungsplan soll 2026 beschlossen werden.

Dabei hatte auch Marcus Vaupel vom Stadtplanungsamt versucht, die Bedenken aufzulösen. Die angestrebte Änderung im Fächennutzungsplan ändere nichts an den Eigentumsverhältnissen. Es werde nicht zu Enteignungen kommen, versicherte er. Mögliche Umlegungen etwa für die Gemüsebauern erfolgten in freiwilliger Absprache. Vaupel erläuterte, dass sich nur 50 Prozent der Fläche fürs Bauen eigneten, damit wichtige Klimafunktionen erhalten blieben. Wertvolle Grünstrukturen würde nicht angetastet. Das Amt gehe nur noch von 1500 anstatt von zunächst 3000 anvisierten Wohnungen aus. Während im Norden vier- oder fünfgeschossig gebaut werden könne, sollten die Häuser im Süden niedriger sein. Im Süden sei Gewerbe vorgesehen, ansonsten Wohnen.

Seine Analyse habe ergeben, dass im Westfeld zwar nachts kalte Luft entstehe, sie aber nicht die benachbarten Siedlungen abkühle, erklärte Sebastian Kupski vom Institut für Klima- und Energiekonzepte. Eine Bebauung habe folglich keine negativen Auswirkungen auf das benachbarte Sauerland oder die Freudenbergsiedlung. Dennoch sei die Kühlfunktion zu sichern, um das Quartier im Sommer nachts zu erfrischen. Möglich sei dies, weil die Häuser in Nord-Süd-Richtung zu stehen kämen. Damit hätte die Kaltluft freie Bahn.

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