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Der Alte ortskern von igstadt zählt wie andere Vororte der landeshauptstadt zu den günstigeren Wohnvierteln für Familien.

Wiesbaden, Main-Taunus-West, Mainz

Wiesbaden ist zu teuer für Familien

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Kaum noch billige Wohnlagen in der Stadt / Flucht ins Umland / Neuer Mietspiegel zum Jahresende geplantWiesbaden ist keine Stadt für junge Familien: Zu diesem Ergebnis kommt der Mieterschutzbund Hessen. Eltern mit kleinen Kindern zieht es immer weiter ins Umland, eine kostengünstige Alternative zum Wohnen bieten manche Orte in der Region Mainz.

Wiesbaden · 21. Juli · "Von den durchschnittlichen Kosten für eine Mietwohnung her betrachtet ist Wiesbaden keine familienfreundliche Stadt", sagt Jost Hemming, Geschäftsführer des Landesverbands Hessen des Deutschen Mieterschutzbunds. In der traditionell sehr teuren Wiesbadener Innenstadt betrage der Quadratmeterpreis für eine Altbauwohnung erfahrungsgemäß 6,50 Euro und mehr. Für eine Wohnung in einem Neubau fielen laut Mietspiegel bis zu 9,50 Euro an.

Eine Dreizimmerwohnung in einem Altbau mit 80 Quadratmetern kostet eine vierköpfige Familie also im Durchschnitt mindestens 520 Euro Kaltmiete. Mit Neben- und Heizkosten wären das kaum weniger als 700 Euro im Monat. "Es gibt in der Stadt kaum noch billige Wohnlagen", sagt Hemming. Gänzlich aussichtslos sei es, etwa in der prächtigen Wilhelmstraße eine bezahlbare Mietwohnung zu finden: "Dort gibt es längst kaum noch Mietwohnungen. Die, die es dort und in vergleichbaren Straßenzügen gibt, werden meist von gut verdienenden Singles bewohnt." Für viele Familien nach wie vor unbezahlbar seien außerdem die klassischen Top-Wohnlagen wie Neroberg und Sonnenberg.

Im Mietspiegel rangieren die Preise für den Quadratmeter in einer normal ausgestatteten Wohnung von 5,47 Euro für einen Altbau in "einfacher Wohnlage" und 9,57 für einen Neubau in "sehr guter Wohnlage". Günstigere Alternativen in der näheren Umgebung sind laut Hemming etwa die alten Ortskerne der Vororte - etwa Igstadt, Kostheim, Schierstein oder Hessloch. Obwohl in Teilen von Häuserblocks des sozialen Wohnungsbau geprägt, seien die meisten Quartiere in Ein- bis Zweifamilienhäusern in grünen Randlagen wie in Dotzheim oder Klarenthal, nicht ausgesprochen preisgünstig. "Im Gegenteil. Sie sind sehr gefragt."

Wer ein Einfamilienhaus zum Kauf sucht, findet laut dem jüngsten Marktbericht des Rings Deutscher Makler etwa in Bad Schwalbach vergleichsweise günstige Preise. Dort ist laut Maklerring ein 15 bis 20 Jahre altes Reihenhaus mit 110 bis 130 Quadratmeter Wohnfläche für rund 165 000 Euro zu haben. Ein vergleichbares Haus in Wiesbaden nahe der City kostet dagegen bis zu 255 000 Euro. Nur wenig billiger ist es in den östlichen Stadtteilen Delkenheim und Nordenstadt. Deutlich günstiger ist dagegen Taunusstein, wo der Maklerverband den Durchschnittspreis eines mittelgroßen Reihenhauses auf 190 000 Euro beziffert.

Im Schnitt günstiger als in und um Wiesbaden sei es, im benachbarten Mainz zu wohnen. Attraktiv für Paare mit Kindern, die etwa nach Frankfurt zur Arbeit pendeln müssten, sei das Mainzer Hinterland. "Alternativen zu den gehobenen Preisen im Wiesbadener Umland bieten die Orte Richtung Bingen und Alzey", sagt Hemming.

Im Vergleich zu vielen ländlichen Regionen in Hessen sei die Situation für Vermieter in der Landeshauptstadt zwar "nach wie vor paradiesisch", sagt Richard Streim, Vorsitzender des Vereins Haus und Grund Wiesbaden. "Doch die Zeit der astronomischen Mieten ist mit Sicherheit vorbei." Ende des Jahres wird die Vereinigung der Haus- und Grundbesitzer mit dem Mieterschutzbund und dem Vermessungsamt der Stadt einen neuen Mietspiegel veröffentlichen.

"Wir sind selber gespannt, in welche Richtung sich der Trend entwickelt", sagt Streim. "Wir rechnen damit, dass sich entweder wenig verändert hat oder die Preise leicht gesunken sind." Gegen eine Erhöhung der Mieten spreche der Leerstand von Wohnungen in Wiesbaden, etwa in der Siedlung Sauerland.

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