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Wiesbaden: Stadt will gezielt Grundstücke kaufen

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Von: Andrea Rost

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Die Liegenschaft an der Friedrich-Ebert-Allee 8, auf der auch ein denkmalgeschützter Bunker steht, ist heiß begehrt.
Die Liegenschaft an der Friedrich-Ebert-Allee 8, auf der auch ein denkmalgeschützter Bunker steht, ist heiß begehrt. © Monika Müller

Ein Fonds mit 15 Millionen Euro Jahresbudget soll die Stadtentwicklung in Wiesbaden voranbringen. Um eine Fläche an der Friedrich-Ebert-Allee konkurriert die Kommune derweil mit einem Frankfurter Investor.

Wenn man den Stadtplan von Wiesbaden anschaut und die darauf markierten städtischen Grundstücke, so sieht man einen Flickenteppich. Die Kommune habe lange Zeit verabsäumt, gezielte Bodenbevorratung zu betreiben, räumte Baudezernent Andreas Kowol (Grüne) bei einem Pressegespräch ein. Man habe dadurch Chancen vertan, auf die Stadtentwicklung Einfluss zu nehmen. Das soll sich nun ändern. Nachdem das Parlament im Mai 2021 die Gründung einer eigenen Stabsstelle für aktive Bodenpolitik beschlossen hat, sollen die Stadtverordneten morgen, Donnerstag, dafür stimmen, dass pro Jahr 15 Millionen Euro in einen Fonds für den Kauf von Grundstücken fließen. Die Mittel des bisherigen Grundstücksfonds sollen dazukommen. Aktuell sind das rund 60 Millionen Euro.

Die Stadt müsse auf dem Immobilienmarkt offensiver agieren, sagte Stabsstellenleiter Werner Backes. Die Aktivitäten sollten gebündelt und Perspektiven aufgezeigt werden für die Entwicklung von Siedlungs- und Freiflächen. Grundstückseigentümer:innen wolle man aktiv ansprechen, um an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet Flächen zu erwerben. Sie könnten später für Ausgleichsmaßnahmen herangezogen oder gegen andere Grundstücke getauscht werden, die für Wohngebiete benötigt würden.

In der Vergangenheit habe die Stadt durch den Verkauf von Immobilien ihre Einflussmöglichkeiten speziell in der Innenstadt eingeschränkt, sagte der Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG), Andreas Guntrum. „Da müssen wir jetzt die Weichen neu stellen.“Bei der City-Passage sei dies bereits geschehen. Die Kommune habe die Grundstücke gekauft und sie an einen Investor weiterveräußert, der die Mauritiushöfe baue.

Ähnlich könnte es bei einem Grundstück laufen, das zwischen Hessischem Landesmuseum und Finanzministerium an der Friedrich-Ebert-Allee gegenüber dem Rhein-Main-Congresscenter (RMCC) liegt. Nach Angaben von Andreas Kowol hat die Stadt dafür bei der Eigentümerin, der Augsburger Patrizia AG, ihre Kaufabsicht hinterlegt. Die Stadtverordneten könnten dazu noch in diesem Jahr einen Beschluss fassen. SEG-Geschäftsführer Guntrum spricht von einer 1 A-Adresse in der Innenstadt, die es längerfristig zu entwickeln gelte, gegebenenfalls zusammen mit dem Nachbargrundstück. „Mit einem angemessen großen Baukörper, der der Umgebungsarchitektur standhält.“

Investor plant Hotel

In Konkurrenz treten würde die Stadt Wiesbaden dabei mit dem Frankfurter Projektentwickler Steinberg und Hinkel, der auf dem bisherigen Parkplatz ein Fluxus-Themen-Hotel mit 100 Betten plant und in dem denkmalgeschützten dahinter liegenden Bunker ein Fluxus-Museum einrichten möchte. „Wir arbeiten seit 2018 an den Plänen, haben sie mehrfach im Wiesbadener Rathaus präsentiert“, sagte Geschäftsführer David Hinkel der FR. „Warum die Stadt das Grundstück jetzt auf einmal kaufen möchte, weiß ich nicht.“

Ein Vorkaufsrecht der Stadt gibt es laut Andreas Kowol für das 2500 Quadratmeter große Grundstück nicht. Die Investorenpläne könnten auch ohne Bebauungsplanänderung realisiert werden.

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