1. Startseite
  2. Rhein-Main

Wiesbaden: Stadt startet Kampagne gegen Gewalt an Frauen

Erstellt:

Von: Andrea Rost

Kommentare

Die Wiesbadener Stadtgesellschaft soll für das Thema Gewalt an Frauen sensibilisiert werden.
Die Wiesbadener Stadtgesellschaft soll für das Thema Gewalt an Frauen sensibilisiert werden. © Michael Schick

Die neue Website www.wiesbaden-gewaltfrei.de ist online. Auf Plakatwänden und in Bussen wird darüber informiert. Es gibt auch Hilfestellung für Täter.

Detaillierte Zahlen, wie viele Frauen und Mädchen in Wiesbaden von häuslicher und sexueller Gewalt betroffen sind, gibt es bisher nicht. Die Träger der Hilfsangebote und die Polizei hätten jeweils ihre eigenen Statistiken, die Dunkelziffer sei vermutlich groß, sagte die städtische Frauenbeauftragte Saskia Veit-Prang bei einem Pressegespräch. Christiane Hinninger, Grünen-Dezernentin für Umwelt, Wirtschaft, Gleichstellung und Digitalisierung, geht von 5000 betroffenen Frauen pro Jahr aus. Ab 2023 soll es in der Landeshauptstadt ein eigenes Monitoring zu dem Thema geben. Das habe die Politik so entschieden, sagte Veit-Prang. „Dann können wir noch passgenauere Lösungen finden und eng an der Realität arbeiten.“

Am vergangenen Freitag, dem internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, hat die Stadt ein Projekt gestartet, das deutschlandweit einzigartig sein dürfte: Die neue Website „Wiesbaden gewaltfrei“ wurde online gestellt. Die Seite trage der Informationspflicht und Bewusstseinsbildung zum Thema entsprechend den Vorgaben der Istanbul Konvention Rechnung, berichtete Veit-Prang. „Niemand sonst macht das so offensiv und umfangreich wie wir hier in Wiesbaden.“

Die Website richtet sich dabei nicht nur an von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen. Sie liefert der gesamten Stadtgesellschaft umfangreiche Informationen zum Thema, will Familien, Nachbar:innen und Freundeskreise sensibilisieren. Präsent sei man sowohl auf Leucht-Werbetafeln der Firma Wall als auch in den Bussen der Eswe-Verkehrsgesellschaft, sagte Veit-Prang. Über das Infotainment-System in den Eswe-Bussen und mit Flyern werde die Website bekannt gemacht.

An der Gestaltung der Internetseite hat ein Team, dem die Wiesbadener Agentur 99 angehörte, fast ein Jahr lang gearbeitet. Inhaltliche Schwerpunkte bilden die Bereiche Prävention sowie Schutz und Unterstützung, berichtete Manuela Schon, die Fachreferentin im Rathaus ist. Für beide Bereiche sei die Kommune zuständig.

„Im Sinne der Vorgaben der Istanbul Konvention haben wir auf jegliche Opferdarstellungen verzichtet“, sagte Schon. Die Website sei barrierearm, selbst entwickelte Icons sollen die Navigation vereinfachen. Es gebe Informationen in leichter Sprache sowie ein Video zum bundesweiten Hilfetelefon in Gebärdensprache. Grundlegende Inhalte zu den Beratungsangeboten wurden in 18 Sprachen übersetzt. Einen Wegweiser ins lokale Hilfesystem finden auf www.wiesbaden-gewaltfrei.de nicht nur betroffene Frauen, sondern auch Täter. 8200 Euro haben der externe Support und die Übersetzungen gekostet.

Als besonderes Highlight bezeichnete Manuela Schon den monatlich erscheinenden Podcast „Alle drei Minuten“. Vier Folgen sind bereits verfügbar – darunter ist ein Gespräch mit der ehemaligen Staatsanwältin Dagmar Freudenberg zur rechtspolitischen Entwicklung in Deutschland und eine Folge mit dem Genderforscher Timm Kroeger zur präventiven Arbeit mit Männern und Jungen.

Gemäß der Istanbul Konvention sei die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagte Dezernentin Christiane Hinni-nger. Einen Beitrag dazu müssten alle Ämter der Verwaltung leisten, aber auch die Wiesbadener Bürgerinnen und Bürger. „Die neue Website trägt dazu bei, im sozialen und beruflichen Umfeld ein Klima zu schaffen, in dem Gewalt gegen Frauen nicht akzeptiert wird.“

Auch interessant

Kommentare