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Wiesbaden: Schlafsäcke für Obdachlose

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Ehemalige Fußballnationalspielerin Nia Künzer sucht im Hof der Teestube mit den Wohnsitzlosen das Gespräch.
Ehemalige Fußballnationalspielerin Nia Künzer sucht im Hof der Teestube mit den Wohnsitzlosen das Gespräch. © Renate Hoyer

Aktion #wärmespenden startet Kampagne in der Teestube. Die Not der Menschen ohne Wohnung ist groß. 30 Personen waten auf einen Platz im Containerdorf.

Bernd, sein Kumpel und zahlreiche andere Männer lassen sich die warme Mahlzeit im Hof der Wiesbadener Teestube schmecken. Am Donnerstag hat die Ahmadiyya-Gemeinde für die Wohnsitzlosen gekocht. Es gibt Reis und Hühnerragout. Es duftet köstlich.

Plötzlich steht Nia Künzer im Hof. Ein Mann mit der ramponierten Einkaufstasche in der Hand erkennt die frühere Fußballnationalspielerin sofort. „Ich war mal Torhüter und Linksaußen“, erzählt er begeistert. Künzer setzt sich später an einen Tisch, um mit den Menschen, die kein Zuhause haben, ins Gespräch zu kommen. Sie besucht als Botschafterin der Aktion #wärmespenden die Teestube. Es ist die Auftaktveranstaltung der Spendenaktion der Diakonie Hessen und der Landesstiftung „Miteinander in Hessen“. Im vergangenen Jahr wurden in Hessen 70 000 Euro eingenommen und die Summe von Großspendern und Stiftungen verdoppelt. Von dem Geld werden winterfeste Schlafsäcke, Rucksäcke, Zelte und Iso-Matten gekauft, und alles, was Menschen brauchen, die draußen übernachten; Handschuhe und Thermoskannen.

Ohne Zuhause

Hessenweit leben Schätzungen zufolge 3500 Personen auf der Straße, davon 27 Prozent Frauen.

In Wiesbaden sind 100 bis 150 Menschen obdachlos. Weitere 2000 sind wohnungslos, sie übernachten bei Freunden oder Verwandten. mre

„Wir verfolgen zwei Ziele. Es geht um konkrete Winterhilfe. Kein Mensch darf erfrieren“, betont Katharina Alborea von der Diakonie Hessen. Die Materialausgabe solle auch genutzt werden, um mit den Obdachlosen in Kontakt zu kommen und sie in die Sozialsysteme zurückzuführen. Ihr zufolge mache sich die Inflation an den Zahlen der Obdachlosen schon bemerkbar. Die Einrichtungen der Diakonie würden signalisieren, dass einige Wohnungslose, die bislang bei Freunden oder Verwandten unterkamen, aufgrund der gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise dort nicht mehr schlafen dürften und auf der Straße landeten. Auch in Wiesbaden ist die Not groß. Das Diakonische Werk betreibt zwar ein Containerdorf in Freudenberg für 14 und ein Übergangswohnheim in Erbenheim für 24 Personen. Auch in der Teestube gibt es zwölf Notschlafplätze. Im Männerwohnheim der Heilsarmee können 200 Personen übernachten, 130 davon als Dauergäste. „Dennoch gibt es eine Warteliste mit 30 Menschen für das Containerdorf“, berichtet Agim Kaptelli, Leiter des Diakonischen Werks.

Teestubenleiter Matthias Röhrig hat sich inzwischen bei den Männern umgehört. Sie wünschen sich lange Unterhosen für den Winter, ein Auftrag, den Alborea sofort notiert. Bernd, der seit einem halben Jahr in einem Parkhaus übernachtet, sagt, er brauche auch dringend einen neuen Schlafsack.

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