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Wiesbaden rüstet sich für Krisenfälle

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Von: Diana Unkart

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Die Städte und Kreise sind verpflichtet, sich auf Situationen wie Blackouts vorzubereiten. Michael Schick
Die Städte und Kreise sind verpflichtet, sich auf Situationen wie Blackouts vorzubereiten. Michael Schick © Michael Schick

Die Stadt prüft, in welchen Gebäuden im Notfall Anlauf- und Betreuungsstellen untergebracht werden können. Dafür fehlen noch große Notstromaggregate.

Drohende Gasknappheit, Angriffe auf die Infrastruktur: Plötzlich müssen sich Kommunen mit der Planung von Notfall- und Katastrophenszenarien beschäftigen, die vor kurzem noch undenkbar schienen. Ein Tagesordnungspunkt des Ortsbeirats Schierstein lautete deshalb jüngst: „Maßnahmen nach Stromausfall (Blackout)“. In Wiesbaden wird derzeit nach Auskunft der Stadt für eine eventuelle Gasmangellage geplant. Außerdem werde an einem Notfallplan gearbeitet, sollte der Strom flächendeckend und für einen längeren Zeitraum ausfallen.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat am 23. Juni die Alarmstufe des Notfallplans Gas für Deutschland ausgerufen. In einer dritten Stufe folgt der Notfall. Die Unteren Katastrophenschutzbehörden, also Landkreise und kreisfreie Städte, sind verpflichtet, sich auf solche und andere Krisen vorzubereiten.

Allerdings gibt es beim Stand der Vorbereitungen Unterschiede. Während mancherorts bereits Ausrüstungen angeschafft und Gebäude definiert wurden, die etwa als Wärmeinseln dienen könnten, wird woanders noch geprüft. In Wiesbaden wird überlegt, in welchen Gebäuden in den Stadtteilen im Krisenfall zentrale Anlauf- und Betreuungsstellen untergebracht werden könnten.

Die Stadt verfügt nach eigenen Angaben über fünf Notstromaggregate des Landes, die geeignet sind, solche Gebäude zu versorgen. Teilweise seien sie jedoch als Netzersatzanlage für den Digitalfunk vorgesehen. Aus diesem Grund, heißt es, „müssen definitiv noch Aggregate durch die Landeshauptstadt Wiesbaden beschafft werden“. Im städtischen Haushalt sei kein Geld eingeplant. Die Stadtverordnetenversammlung entscheide im Einzelfall über die Mittelfreigaben.

Der Oberbürgermeister als Untere Katastrophenschutzbehörde stehe in Kontakt mit Einrichtungen und Unternehmen, die zur kritischen Infrastruktur zählen – etwa Krankenhäusern oder Alten- und Pflegeheimen. Dort würden, um einen besseren Überblick zu bekommen, Rahmenparameter wie die Beschaffenheit der Heizung abgefragt.

Das Hessische Innenministerium weist die Landkreise und kreisfreien Städte in seiner Handlungsempfehlung im Falle einer Gasmangellage auch auf die Möglichkeit multipler Krisen hin. Die Pandemie könne sich verschärfen, was zu Personalausfällen und einer Überlastung des Gesundheitssystems führen könne. Zudem könne es wegen erhöhten Strombedarfs, beispielsweise durch den Betrieb von Heizlüftern, „zu regionalen und wiederkehrenden Stromausfällen bis hin zu einem flächendeckenden, langanhaltenden Stromausfall kommen“. Das Marktforschungsunternehmen GfK hatte ermittelt, dass in der ersten Jahreshälfte hierzulande 600 000 strombetriebene Heizgeräte angeschafft wurden. Auch Cyberangriffe, menschliches Versagen oder Naturkatastrophen können zu Auslösern für Stromausfälle werden.

Einen flächendeckenden länger andauernden Stromausfall halten die Fachleute beim Wiesbadener Netzbetreiber sw Netz jedoch für nicht sehr wahrscheinlich. „Das Stromnetz in Deutschland ist sicher und stabil – auch inmitten der Energiekrise ist ein totaler Blackout mehr als unwahrscheinlich“, teilt das Unternehmen mit. Statistisch müsse jeder Endverbraucher in Deutschland 10,73 Minuten pro Jahr auf Strom verzichten. Das sei ein Spitzenwert, der die hohe Zuverlässigkeit dokumentiere. Im Bereich von Eswe Versorgung lag der Wert 2020 sogar bei nur 2,49 Minuten.

Sollte es zu einem Blackout, dem großen Stromausfall, kommen, wären die Auswirkungen jedoch gravierend – trotz aller Planungen und Vorbereitungen, denn so gut wie alle Bereiche des täglichen Lebens sind abhängig von Strom.

Weil Tankstellen keine Kraftstoffe mehr abgeben könnten, wird in Wiesbaden derzeit die Anmietung von Nottankstellen für Fahrzeuge der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und der Katastrophenschutzeinheiten geprüft. Solche Nottankstellen gibt es bislang nicht. Eine entsprechende Magistratsvorlage zur Anschaffung sei auf dem Dienstweg, heißt es.

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