+
Streikleiter Jochen Koppel.

Busunfall Wiesbaden

Schwerer Bus-Unfall in Wiesbaden: „Natürlich wird spekuliert und gerätselt“

  • schließen

Nach dem Unfall in Wiesbaden spricht Streikleiter Jochen Koppel über die Gefühlslage der Busfahrerinnen und Busfahrer.

Wir erreichen Jochen Koppel im Auto. Gerade hat er in Fulda vor 100 Streikenden gesprochen, jetzt ist er auf der Autobahn nach Wiesbaden.

Herr Koppel, ist der Busunfall von Wiesbaden bei Ihren streikenden Kollegen ein Thema?
Aber hunderprozentig. Ich bin gerade auf dem Weg nach Wiesbaden und lege von allen Streikenden ein Bukett am Unfallort nieder. Die Kollegen haben das gewünscht.

Bus-Unfall in Wiesbaden: „Teilweise müde“

Was wird gesprochen?
Alle wollen wissen, warum es zu dem Unglück kam, natürlich wird spekuliert und gerätselt.

Auch wenn wir jetzt nicht wissen, was passiert ist: Kann Überlastung bei so einem Geschehen eine Rolle spielen?
Ja, das Problem sind zum Beispiel die Pausenzeiten. Teilweise sind die Kolleginnen und Kollegen müde, weil sie keine richtigen Pausen bekommen.

Busfahrer in Wiesbaden: Es fehlen effektive Pausen

Wie lange sitzt ein Fahrer im normalen Linienbetrieb hinterm Steuer und welche Pausenzeiten hat er da?
Wir haben da zum Beispiel die geteilten Dienste. Da fängt jemand morgens um 5 Uhr an und hört abends um 8 Uhr auf. Dazwischen hat er vier Stunden frei. Aber was macht man in den vier Stunden? Manche fahren heim, andere legen sich im Bus schlafen.

So richtig ausruhen kann man sich aber auch nicht, oder?
Vier Stunden ist gar nichts, zumal wenn man weiß, ich muss dann nachher gleich wieder ran.

Bus-Unfall in Wiesbaden: Pausen aufgrund von Personalmangel nicht eingehalten

Wie sieht es mit Schichtdiensten aus?
Wir haben Frühdienst, Tag- und Nachtdienst. Zum Glück gibt es zwischen den Schichten eine Pause von mindestens elf Stunden. Aber die werden aufgrund von Personalmangel manchmal auch nicht eingehalten.

Wenn es mehr Geld gibt für die Fahrer, gibt es dann auch mehr Personal?

Personalmangel ist ein großes Thema. Wenn die Leute mehr Geld verdienen, dann macht der eine oder die andere den Job, der bisher zögert. Und mehr Personal wird gebraucht, wenn wir die Pausenzeiten verbessern wollen. Aber für die Sicherheit und die Gesundheit der Fahrer ist das schon wichtig.

Interview: Peter Hanack

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare