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Noch ist das Haus nicht ausgebucht – aber die Entwicklung ist laut Geschäftsführung positiv.

Rhein-Main-Congresscenter RMCC

Schon 190.000 Gäste im Kongresszentrum in Wiesbaden

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Ein Jahr nach Eröffnung des RMCC zieht die Geschäftsführung eine positive Bilanz.

Die Wasserpanne zur Eröffnungsfeier des Rhein-Main-Congresscenters (RMCC) am 14. April vor einem Jahr wertet Geschäftsführer Thomas Sante heute als unbeabsichtigte Werbung. Am Tag der offenen Tür hatte ein Mitarbeiter vergessen, vor der Benebelung der Bühne die Brandmeldeanlage auszustellen. Die Sprühflutanlage sprang an und setzte die Halle Nord zentimeterhoch unter Wasser. Was für ein Medienhype!

„Der Bekanntheitsgrad stieg immens“, sagt Sante. Dass sich dies auf die Geschäftszahlen ausgewirkt haben könnte, sieht er nicht, zumindest nicht im negativen Sinn. Mit 132 Veranstaltungen mit rund 190 000 Besuchern seit der Eröffnung des gigantischen Neubaus mit seinen schicken Kolonnaden und mehreren in ihrer Größe variablen Hallen und Sälen und der größten Tribüne Deutschlands hat die Geschäftsführung ihr selbstgestecktes Ziel bereits übertroffen. Im ersten Kalenderjahr hatte sie mit 75 Vermietungen geplant. Es wurden 92. Für 2019 hat sie sich 100 Veranstaltungen als Marke gesetzt. „Wir erwarten die Schallmauer zu durchbrechen“, sagt Sante. Bis 2021 sollen es 150 Veranstaltungen im Jahr sein.

Auch der Verdacht, der Gastronom Roland Kuffler, der das Restaurant und das Catering im Kongresszentrum betreibt, könnte den lukrativen Auftrag mit nicht ganz legalen Mitteln erlangt haben, scheint nach Aussage Santes der Beliebtheit des Hauses nichts anzuhaben. Zwischenberichten des städtischen Revisionsamts zufolge wurden Regeln bei der Vergabe des Gastro-Auftrags nicht eingehalten und die Betriebsleitung legte sich vor Fristablauf auf Kuffler fest. Zudem sorgt es für Verwirrung, dass Kuffler kurz nach Vertragsabschluss das vereinbarte Konzept änderte und die Öffnungszeiten verkürzte, Ruhetage einführte, das Frühstücksangebot strich und eine kleinere Karte einsetzte. Welche Auswirkungen dies für die RMCC-Betreibergesellschaft hat, wird das Revisionsamt noch untersuchen. Für Anfang Mai ist der Abschlussbericht angekündigt.

„Das Gebäude hat vieles, was andere nicht bieten“, führt Sante aus, „die lichtdurchfluteten Hallen, die nachhaltige Bauweise, den Wohlfühlcharakter“. Das von dem Architekten Ferdinand Heide entworfene Gebäude wurde für seine Konzepte zur Wasser- und Lichtnutzung und zur Abfallbeseitigung und Reinigung mit dem Nachhaltigkeitspreis der DMK-Stiftung ausgezeichnet. Den Blick auf die Konkurrenz wie die Messe Frankfurt scheut Sante nicht. „Wir machen zunehmend Verträge für mehrere Jahre“, sagt er.

Gerade wird das Haus auf das größte Event, die Rückkehr des für Wiesbaden traditionsreichen Internistenkongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, vorbereitet. 8500 Gäste werden Anfang Mai im RMCC erwartet. Der Großteil der Veranstaltungen sind Firmenkongresse, Tagungen und Firmenmeetings mit 500 bis 1000 Personen. Aber auch große Player wie die Commerzbank tagen in Wiesbaden. 2018 hatte das RMCC auch mit Publikumsveranstaltungen wie Gastspielen des Rheingau-Musik-Festivals, den Comedians Bülent Ceylan und Dr. Eckart von Hirschhausen ein volles Haus. Es beherbergte zudem den größten Science Slam, der jemals in einer Halle stattgefunden hat. 4700 Menschen besuchten das wissenschaftliche Kurzvortragsturnier. Kurzum, das Geschäft mit der Vermietung läuft so gut, dass laut Sante für 2018 der Verlust auf 2,9 Millionen Euro reduziert werden konnte. 2017 hatte er bei 3,384 Millionen gelegen, aber das war auch noch in der Bauphase. Für die alten und wesentlich kleineren Rhein-Main-Hallen, die 2014 abgerissen wurden und 2013 40 mal vermietet werden konnten, hatte der Verlust zuletzt bei 2,074 Millionen Euro gelegen. Allerdings lässt sich die Stadt das RMCC auch einiges kosten. Der Betriebskostenzuschuss wurde von 2016 auf 2018 auf 9,9 Millionen Euro verdoppelt und 2019 noch einmal auf 11,2 Millionen angehoben.

Das RMCC wird sich wohl wie andere Messen auch in Zukunft nicht selbst tragen. Die Landeshauptstadt rechnet jedoch mit einer erhöhten Umwegrentabilität in Form von Hotelübernachtungen. Allein in Laufnähe zum RMCC entstehen bis 2020 drei neue Hotels. Das Best Western wurde Ende 2018 eröffnet.

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