Unesco

Biosphärenregion als Chance für Wiesbaden

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Der Zwischenbericht für die Machbarkeitsstudie liegt vor. Die Mitarbeit der Bürger ist entscheidend.

Aus dem Traum der Landeshauptstadt, „Weltkulturerbe“ zu werden, wurde nichts, aber mit einer anderen Anerkennung der Unesco könnte es klappen: Wiesbaden, der Main-Taunus- und der Rheingau-Taunus-Kreis erfüllen die bislang für die Machbarkeitsstudie geprüften Voraussetzungen für die Anerkennung als Unesco-Biosphärenregion. Dies zeigt der Zwischenbericht, der nun vorliegt.

Zunächst wurde das Kriterium „Repräsentativität“ geprüft. Das bedeute, dass die Region über besondere Merkmale verfügen muss, die die anderen Biosphärengebiete noch kaum vorweisen können, erläutert Renate Labonté. Die stellvertretende Abteilungsleiterin im Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) leitet die Geschäftsstelle Biosphärenregion.

Die 16 von der Unesco anerkannten deutschen Biosphärenreservate befinden sich vor allem in stark ländlich geprägten Gebieten. Eine Besonderheit der hiesigen Region liegt in der Kombination aus Stadt und Land. „Wir könnten Vorbild für nachhaltige Entwicklung in einer Metropolregion werden“, sagt Labonté.

Des Weiteren zeichnet sich die Region durch ihre einzigartigen Landschaften aus. Dazu zählen etwa der Rheinstrom und der Beginn des Mittelrheintals, die Wälder des Taunus‘ oder die Weinbaulandschaften. Mit den Magerrasen, Felsfluren, wärmeliebenden Gebüschen und Wäldern im Unesco-Weltkulturerbe „Oberes Mittelrheintal“ besitze die Region außerdem „einen deutschen Hotspot der biologischen Vielfalt.“

Das Kriterium „Flächengröße und Abgrenzung“ wird ebenfalls erfüllt. Eine Biosphärenregion darf nicht kleiner als 30 000 und nicht größer als 150 000 Hektar sein. Die beiden Landkreise und die Stadt Wiesbaden umfassen eine Fläche von 123 747 Hektar, insgesamt leben dort etwa 700 000 Menschen. „Innerhalb der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main spiegeln die Grenzen zudem historische und kulturelle sowie wirtschaftliche und gesellschaftliche Beziehungen wider“, sagt Renate Labonté.

MENSCH UND NATUR IM EINKLANG Die Biosphärenregionenzeigen beispielhaft, wie wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Entwicklung nachhaltig gelingt.

In den Ballungsräumen gibt es in Deutschland keine Biosphärenregion, weltweit nur zwei: Sao Paulo und Wien.

Die Anerkennungdurch die Unesco setzt voraus, dass ein Gebiet insgesamt 40 Kriterien erfüllt.

Das Bürgerforumist am Mittwoch, 15. Mai, von 18 bis 21 Uhr im Haus an der Marktkirche, Schlossplatz 4, Wiesbaden.

Mehr Informationenunter www.machbarkeitsstudie-biosphaerenregion.de. miu

Laut der Unesco ist die Akzeptanz bei der ortsansässigen Bevölkerung mitentscheidend für den Erfolg einer Biosphärenregion. Deshalb gab es Ende August 2018 Bürgerforen in Bad Schwalbach, Hofheim und Wiesbaden und eine Online-Beteiligung, zudem tagten drei Arbeitsgruppen.

Als wichtigen Vorteil einer Biosphärenregion nannten die Beteiligten eine bessere Vernetzung der Kommunen. Überregionale Probleme in Verkehr, Nahversorgung oder Siedlungsentwicklung könnten sie gemeinsam anpacken.

Vorteile sahen sie auch für Tourismus und Wirtschaft, etwa durch gemeinsames Standortmarketing und regionale Vermarktungsketten. Ferner ließen sich Forschung und Bildung für nachhaltige Entwicklung stärken. Zudem könnte eine Biosphärenregion dabei helfen, kulturelles und ökologisches Erbe zu schützen und eine hohe Lebensqualität nachhaltig zu sichern.

Eine Biosphärenregion muss in Kern-, Pflege- und Entwicklungszone aufgeteilt sein. Bedenken äußerten die Beteiligten daher vor allem hinsichtlich der Kern- und Pflegezone: Sie befürchteten negative Auswirkungen etwa auf Landwirtschaft oder Holzindustrie.

„Die landwirtschaftlichen Flächen und die Weinbauflächen liegen in der Entwicklungszone, daher wird es dort keine Einschränkung geben“, stellt Labonté klar. Wer die Biosphärenregion als Chance für sich nutzen wolle, könne das, müsse es aber nicht. Eine Analyse hat inzwischen ergeben, dass die Kern- und Pflegezone überwiegend im Wald liegen werden, sich überwiegend im Besitz der öffentlichen Hand befinden und größtenteils als Natura-2000-Gebiete geschützt sind.

Die Arbeitsgruppen haben nun Zukunftsbilder und konkrete Ideen für eine mögliche Biosphärenregion entwickelt. Sie werden im Mai in einem regionalen Bürgerforum vorgestellt, diskutiert und bewertet.

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