1. Startseite
  2. Rhein-Main

Wiesbaden: Ohne die Industrie gelingt die Wärmewende nicht

Erstellt:

Von: Madeleine Reckmann

Kommentare

Der Industriepark Infraserv mit dem neuen Gas- und Dampfturbinenkraftwerk emittiert auch zu viele schädlichen Klimagase.
Der Industriepark Infraserv mit dem neuen Gas- und Dampfturbinenkraftwerk emittiert auch zu viele schädlichen Klimagase. © Infraserv

Klimaschutzbeirat empfiehlt, Unternehmen stärker für erneuerbare Energien zu gewinnen.

Selbst wenn alle Menschen ihre Heizung nicht anschalten und lieber frieren würden, gelänge die Wärmewende in der Landeshauptstadt nicht. Dann wäre auch das Ziel Wiesbadens, bis 2035 klimaneutral zu werden, nicht zu schaffen. Denn über die Hälfte des Energieverbrauchs geht alleine auf die Wärmeerzeugung zurück. Davon wiederum benötigen Industrie und Gewerbe zweieinhalb mal so viel wie die Privathaushalte. 53 Prozent des Wärmebedarfs geht auf Unternehmen zurück, oft auf Prozesswärme für die Produktion.

Der Klimaschutzbeirat rät der Stadt daher dringend, stärker mit Gewerbe und Industrie in Dialog zu treten, damit sie weniger fossile Ressourcen verbrauchen. Dies ist eine der Empfehlungen im Positionspapier Wärmewende, das der Beirat jetzt einstimmig verabschiedet hat. Dem 2018 gegründeten Klimaschutzbeirat gehören Vertreter aus Industrie und Handwerk, Unternehmen für Verkehr, Wohnungswirtschaft und Energie und Naturschutzverbänden an. Den Vorsitz hat Martin Lommel, Dekan der Hochschule Rhein-Main, inne. Der Beirat hat beratende Funktion.

Dennoch enthält das Papier Hinweise, wie Privatwohnungen ohne Gas und Öl geheizt werden können. Zunächst müsste mehr erneuerbare Energie produziert werden, um die in Wiesbaden gut ausgebaute Fernwärme in der Innenstadt regenerativ zu betreiben. In den ländlichen Vororten und Randlagen sollte mit erneuerbaren Energien betriebene Wärmepumpen, Photovoltaik- und Solaranlagen und in den am Rhein gelegenen Vororten Oberflächen- und mitteltiefe Geothermie eingesetzt werden. Wichtig ist auch die energetische Sanierung aller Gebäude sowie sparsame Heizanlagen, um Energie sorgsam zu verwenden. Der Beirat empfiehlt eine Sanierungsquote von drei Prozent im Jahr. Mehr ist nach Ansicht von Hans-Peter Simon von der Handwerkskammer Wiesbaden wegen Personal- und Materialmangels ohnehin nicht zu leisten.

Ohne zusätzliches Geld von der öffentlichen Hand ist die Wärmewende nicht zu bewerkstelligen, fügen die Autoren an. Die Stadt solle ihre Investitionen in den Klimaschutz drastisch erhöhen, ohne jedoch die anderen Aufgaben wie bezahlbares Wohnen und Mobilität zu vernachlässigen. Vonnöten sei zudem eine zentrale Koordinierungsstelle, die den gesamten Transformationsprozess vorantreibt. Der städtische Energieversorger Eswe solle federführend dazu beitragen, das Energiekonzept aufzustellen. Notwendig sei auch ein gesellschaftlicher Diskurs über den sparsamen Umgang mit Energie.

Auch interessant

Kommentare