+
OB-Kandidat Eberhard Seidensticker verteilt Schokoherzen am Wiesbadener Hauptbahnhof.

Wiesbaden

Wahlkampf-Endspurt in Wiesbaden: Schokobrötchen vom Kandidaten

  • schließen

Der CDU-Bewerber für die OB-Wahl in Wiesbaden, Eberhard Seidensticker, im Endspurt kurz vor Stichwahl.

Wiesbadener Hauptbahnhof, morgens um sechs. Eberhard Seidensticker steht an der Treppe zur Unterführung zur Bahnhofstraße, unter dem Arm hält er Prospekte, die für ihn als Oberbürgermeister werben, in der Hand einige Schokobrötchen. „Ein süßer Gruß von mir“, ruft Seidensticker einem Mann zu, der die Treppe heraufläuft, der Mann nimmt Flyer und Gebäck teilnahmslos entgegen und geht eilig weiter. Noch steigen die Passanten vereinzelt die Treppe herauf. Der große Pendlerstrom wird für halb sieben erwartet. Doch schon jetzt müssen die Menschen ihren Zug erreichen, kaum einer nimmt sich Zeit für ein Gespräch. Viele möchten auch nichts in die Hand gedrückt bekommen und wehren ab, wenn die Wahlkampfhelfer der Jungen Union ihnen Info und Brötchen anbieten. „Ich kann das nicht essen, ich bin Veganerin“, erklärt eine junge Frau freundlich. Ihr angenehmer Ton ist die Ausnahme. Die Leute wirken noch unausgeschlafen und gehetzt. „Ich habe schon gewählt“, sagt eine andere Frau so abweisend, dass der Gedanke nicht fern liegt, sie habe nicht bei Seidensticker ihr Kreuz gemacht. Ein schwerer Job für den Kandidaten der CDU.

„Das ist hier kein Termin zur persönlichen Ansprache“, erklärt der 53-Jährige. „Hier geht es darum, mich bekannt zu machen.“ Am kommenden Sonntag geht Seidensticker mit dem SPD-Bewerber Gert-Uwe Mende in die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters. Es ist also Wahlkampf-Endspurt. Bei der Hauptwahl erreichte Seidensticker 2,6 Prozentpunkte weniger als sein Kontrahent. Vieles spricht dafür, dass das Stichwahlergebnis knapp ausfallen werde. Die Fachleute der städtischen Statistikabteilung sagen voraus, dass vor allem der Grad der Mobilisierung über den Ausgang entscheide, wobei die treuste CDU-Wählerschaft die Senioren und nicht die Berufstätigen sind.

Seidensticker legt sich ins Zeug. Dies ist für ihn die vierte frühmorgendliche Pendleraktion. 3500 Hausbesuche hat er nach eigenen Angaben in den vergangenen neun Wochen absolviert. CDU- und JU-Vertreter klingelten an bis zu 10 000 Wiesbadener Haustüren. Gegenüber des Hauptbahnhofs stehen großformatige Plakate mit den Köpfen der beiden Männer, die die Landeshauptstadt künftig regieren möchten. Eigentlich müssten die Wiesbadener wissen, dass ein Oberbürgermeister gewählt werden soll. Doch viele der Menschen, die die Treppe heraufhasten, scheinen nicht auf dem Laufenden zu sein. Wahl? Oberbürgermeister? Irritiertes Staunen. JU-Mitglied Eleftherios Tsiridis reißt eine weitere Packung Schokobrötchen auf. Seidensticker versucht, sie wortlos den Menschen anzureichen, wirkt jedoch zurückhaltend. Er präsentiert sich nicht als der Mann, der ihr Oberbürgermeister werden möchte. Die Leute werfen im Weitergehen einen Blick auf die Broschüre, um zu erfassen, um was es geht.

Einer kehrt nach ein paar Schritten zurück. „Sind Sie verwandt mit dem Hemdenhersteller?“, fragt er neugierig. „Nein, bin ich nicht“, entgegnet der CDU-Kandidat, ein Dachdeckermeister mit eigenem Betrieb, kurz und knapp, „und auch nicht mit der Spedition.“ „Ich drücke euch die Daumen“, ruft ein anderer im Vorübergehen, ein weiterer nickt der Gruppe freundlich zu, als wolle er seine Zustimmung zum CDU-Kandidaten ausdrücken. „Seid Ihr von der SPD?“, fragt jemand. „Nein, CDU“, antwortet ein Wahlkampfunterstützer. „Oh, CDU“, erwidert der Mann mit einer wegwerfenden Geste. Die Männer im Müllwagen, der auf dem Bahnhofsplatz seine Runde dreht, nehmen gerne das „Pain au chocolat“ an und auch der Kehrwagenfahrer bedankt sich freudig. Eine Dreiviertelstunde später verabschiedet sich Seidensticker plötzlich. Der nächste Wahlkampf-Termin wartet.

Zur Person: Eberhard Seidensticker

Eberhard Seidensticker (CDU) tritt am kommenden Sonntag, 16. Juni, in der Stichwahl um die Position des Oberbürgermeisters gegen den Sozialdemokraten Gert-Uwe Mende an.

Der Dachdeckermeister mit eigenem Betrieb in Schierstein ist 2005 in die CDU eingetreten, seit 2011 Stadtverordneter und seit 2016 stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher. Bei der Kommunalwahl 2016 wurde er durch Kumulieren und panaschieren um zwölf Plätze nach vorne gerückt. Der 53-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Das könnte Sie auch interessieren

OB-Stichwahl in Wiesbaden verspricht enges Rennen

SPD-Kandidat Gert-Uwe Mende lag im ersten Wahlgang in Wiesbaden vor dem CDU-Mann Eberhard Seidensticker, doch bei der Stichwahl spricht einiges für den Kandidaten der Union.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare