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Wiesbaden kooperiert mit dem Heimwegtelefon

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Von: Mirjam Ulrich

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Wer abends im Dunkeln alleine unterwegs ist, kann sich über das Heimwegtelefon begleiten lassen.
Wer abends im Dunkeln alleine unterwegs ist, kann sich über das Heimwegtelefon begleiten lassen. © Michael Schick

Die kostenlose Nummer kann angerufen werden, wenn man allein auf dem Heimweg ist und sich sicherer fühlen will.

Der Weg nach Hause führt an dunklen Ecken und einem Gebüsch vorbei. Es ist spät in der Nacht und von hinten sind Schritte zu hören. Die meisten Frauen kennen das bedrohliche Gefühl, das in solchen Situationen aufkommt. Sie haben es selbst schon erlebt, wenn sie abends allein unterwegs waren. Doch auch manchem Mann wird dabei mitunter mulmig.

Um das subjektive Sicherheitsgefühl in Wiesbaden zu erhöhen, kooperiert die Stadt als erste große Kommune mit dem Verein „Heimwegtelefon“. Wer sich abends oder nachts unterwegs unwohl oder unsicher fühlt, ruft diesen Service an und wird telefonisch bis nach Hause begleitet. Zu Beginn des lockeren Gesprächs fragt der oder die Ehrenamtliche vom Heimwegtelefon nach dem Namen, Startpunkt und Ziel, um die Strecke auf einem Navigationssystem nachzuverfolgen. Zwischendurch lassen sich die Ehrenamtlichen immer wieder einmal den aktuellen Standort nennen. Im Notfall verständigen sie parallel Polizei oder Rettungskräfte.

„Der Vorteil des Heimwegtelefons ist, dass ich sofort anrufen kann, wenn ich mich unwohl fühle, es aber kein Fall für die Polizei ist“, sagt Saskia Veit-Prang. Der Frauenbeauftragten der Stadt Wiesbaden zufolge sind die mehr als 100 Ehrenamtlichen des gemeinnützigen Vereins alle geschult und arbeiten deutschlandweit verteilt. „Ein Anruf wird in kürzester Zeit weitergeleitet, man landet nicht in einer langen Warteschleife.“

Anrufen

Das Heimwegtelefon ist sonntags bis donnerstags von 21 bis 24 Uhr sowie freitags und samstags von 21 bis 3 Uhr erreichbar.

Die Telefonnummer lautet deutschlandweit 0 30 /12 07 41 82. Es gelten die Telefongebühren des jeweiligen Mobilfunkanbieters für einen Anruf in das deutsche Festnetz.

Weitere Informationen gibt es unter heimwegtelefon.net miu

Dass auch Männer das Heimwegtelefon nutzen, zeigt eine Auswertung: Von den 8000 Anrufen im Jahr 2022 kamen laut Saskia Veit-Prang 76 Prozent von Frauen und 22 Prozent von Männern. Bei den restlichen Prozent der Anrufenden handelte es sich um nicht-binäre Personen.

Den Anstoß für die Kooperation mit dem Verein Heimwegtelefon gab eine Umfrage von Vertreterinnen des Ausländerbeirats zum Thema Gleichberechtigung am Internationalen Frauentag 2022. Viele Wiesbadenerinnen kreuzten dabei den Wunsch nach Notrufsäulen an, um sich nachts sicherer zu fühlen. Das Kommunale Frauenreferat entschied sich stattdessen für das niederschwellige Angebot des Heimwegtelefons, das sich überall in Wiesbaden nutzen lässt. Dafür unterstützt die Stadt den Verein zum einen mit Wissenstransfer, etwa zu den Themen Fundraising oder Vereinsrecht. Zum anderen zahlte sie die Kosten, um professionelle Werbematerialien zu entwickeln, die der Verein überall nutzen kann. Dazu zählen Getränkeuntersetzer, Plakate, Postkarten, Visitenkarten und Sticker.

Damit sich insbesondere Frauen nachts beim Ausgehen sicherer fühlen, startete das Kommunale Frauenreferat im Sommer 2022 die Kampagne „Ist Luisa hier?“ Mit dieser Frage können sich Frauen und Mädchen in Clubs und Lokalen an das Personal wenden, wenn sie sich bedrängt oder belästigt fühlen, um unmittelbar und diskret Hilfe zu erhalten. In der Wiesbadener Gastronomie ist die Resonanz jedoch noch verhalten. Bislang beteiligen sich die Badhausbar, die Kreativfabrik, der Verein zur Förderung mobiler Jugendarbeit Moja sowie das Festival Lore im Garten und die Gesellschaft Natur und Kunst Schloss Freudenberg daran. Beim kommenden Internationalen Frauentag am 8. März unter dem Motto „Die Stadt gehört uns allen, ganz sicher“ will das Kommunale Frauenreferat für beide Kampagnen werben.

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