1. Startseite
  2. Rhein-Main

Wiesbaden: Invasive Pflanzen breiten sich aus

Erstellt:

Von: Andrea Rost

Kommentare

Manfred Krautter zeigt, wie sich das drüsige Springkraut im Goldsteintal ausgebreitet hat.
Manfred Krautter zeigt, wie sich das drüsige Springkraut im Goldsteintal ausgebreitet hat. © Michael Schick

Der Nabu sieht die Biotope in Wiesbadener Naturschutzgebieten durch eingewanderte Pflanzenarten bedroht. Die Organisation fordert Stadt und Regierungspräsidien zum Handeln auf.

Jetzt im Herbst ist vom drüsigen Springkraut im Goldsteintal nicht mehr allzu viel zu sehen. Die gut eineinhalb Meter hohen Stengel der Pflanze liegen vielerorts flach auf dem Boden, die leuchtend rosafarbenen Blüten sind vertrocknet. An einigen Stellen aber kann man das Ausmaß erkennen, mit dem die invasive Pflanze aus Nordindien den Boden vor allem in Ufernähe überwuchert. Heimische Pflanzenarten haben dann kaum noch eine Chance, hochzukommen. Gleiches gilt für den japanischen Staudenknöterich, der bis zu vier Meter hoch werden kann. Oder für die nordamerikanische Goldrute mit ihren gelben Blütenständen.

In allen drei Fällen handle es sich um Neophyten, also eingewanderte oder eingeschleppte Pflanzenarten, die rasend schnell Monokulturen bildeten und für Biotopverluste und Artenschwund verantwortlich seien, sagt Manfred Krautter. Der studierte Chemiker leitet eine Beratungsfirma für Nachhaltigkeit. Für den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und in Abstimmung mit Ortsbeiräten hat er im vergangenen Sommer ein Monitoring in den 13 wichtigsten Tälern der Landeshauptstadt durchgeführt.

Eine Strecke von 350 Kilometer habe er dafür abgelaufen beziehungsweise mit dem Rad abgefahren und in Naturschutz- und FFH-Gebieten 103 Bestände an invasiven Pflanzen gefunden, berichtete Krautter der Frankfurter Rundschau. Viele von ihnen lägen an Bachläufen einige seien mehrere Tausend Quadratmeter groß. In vier der 13 Naturräume hätten gebietsfremde Pflanzen die heimische Flora bereits weiträumig verdrängt.

Das Goldsteintal sieht Krautter dabei als „Mahnmal“. Dort sei die Ausbreitung von drüsigem Springkraut, japanischem Staudenknöterich und nordamerikanischer Goldrute besonders weit fortgeschritten und lasse sich praktisch nicht mehr eindämmen. Andernorts, etwa im Naturschutzgebiet Rabengrund entlang dem Schwarzbach und in den FFH-Gebieten Lippbachtal nördlich von Frauenstein sowie am Weilburger Bach nördlich von Dotzheim ergebe die Bekämpfung von Neophyten aber durchaus Sinn, weil die Bestände lokal begrenzt seien.

„Um wenigstens diese artenreichen Naturräume zu schützen, sind sofortige und wirksame Schutzmaßnahmen durch die zuständigen Behörden nötig“, forderte vor kurzem der Vorsitzende des Nabu Wiesbaden, Peter Siersleben. Manfred Krautter erläutert die Vorgehensweise: Anfänglich helfe es, die Pflanzen mitsamt der Wurzel auszureißen. „Wenn das nicht in den ersten zwei bis drei Jahren geschieht, ist es allerdings zu spät. Dann lässt sich die Ausbreitung nicht mehr stoppen.“

Die Stadt Wiesbaden habe es in der Vergangenheit verabsäumt, auf diese Weise gegen Neophyten vorzugehen, kritisiert Krautter. Nun ducke sich die Untere Naturschutzbehörde weg, verweise an die Regierungspräsidien in Darmstadt und Gießen. Diese hätten zwar Interesse an den von ihm gesammelten Daten signalisiert, berichtete Krautter. „Ein Gespräch ist bisher aber noch nicht zustande gekommen.“

Patricia Kremer vom Wiesbadener Umweltamt verweist dazu auf das Bundesnaturschutzgesetz und den hessischen Erlass zur Einführung der die EU-Verordnung über die Prävention und das Management der Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten. Demnach sei bei der Bekämpfung auf die Verhältnismäßigkeit, auf die Auswirkungen auf die Umwelt und auf die Kosten zu achten. Gegen das drüsige Springkraut vorzugehen vergleicht Kremer mit einem „Kampf gegen Windmühlen“. Der hohe Aufwand lohne allenfalls in ausgewählten Gebieten. „Wir müssen immer die Grundsätze des Verwaltungshandelns beachten.“

Der Nabu hat in diesem Jahr bereits erste Schutzprojekte gegen Neophyten am Lippach und im Weilburger Tal initiiert. „Wir wollen sie gerne fortführen, warten auf die Zustimmung der Behörden“, sagt Manfred Krautter. Die geplanten Maßnahmen seien mit keinerlei Kosten für die Stadt verbunden, betont er. „Wir erledigen alles ehrenamtlich.“

Auch interessant

Kommentare