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Wiesbaden: Handwerk im Einkaufszentrum

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Von: Andrea Rost

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Da fliegen die Späne: Wiesbadens OB Gert-Uwe Mende am Hobeln (rechts) und Handwerkskammerpräsident Stefan Füll.
Da fliegen die Späne: Wiesbadens OB Gert-Uwe Mende am Hobeln (rechts) und Handwerkskammerpräsident Stefan Füll. © Monika Müller

Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft haben den „Makerspace“ im Einkaufszentrum Luisenforum in der Wiesbadener Innenstadt eröffnet. Junge Leute können sich dort über Ausbildungsberufe informieren und an Mitmachstationen ihr Talent testen.

Späne fliegen, als Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) gestern im Luisenforum den Hobel ansetzt und beginnt, die Oberfläche eines Holzbretts zu glätten. Die Umstehenden applaudieren. Der Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden, Stefan Füll, Kreishandwerksmeister Holger Balz, Wiesbadens Wirtschaftsdezernentin Christiane Hinninger (Grüne) und Mandy Pastohr vom hessischen Wirtschaftsministerium sind gekommen, um den „Makerspace“ des Wiesbadener Handwerks zu eröffnen.

Schülerinnen und Schüler können sich dort bis 3. Dezember über alle Ausbildungsberufe im Handwerk informieren und an Mitmachstationen selbst einiges in der Praxis ausprobieren.

Auf einer 200 Quadratmeter großen Fläche im ersten Obergeschoss des Einkaufszentrums ist nicht nur eine Hobelbank aufgebaut, es gibt auch Waschbecken, an denen ein verstopfter Siphon gereinigt werden muss. In der Ecke des Bauhandwerks können Pflastersteine verlegt und Fliesen an die Wand geklebt werden. Beim KFZ-Gewerbe ist ein Kolben an einem Motorblock zu wechseln. Am Stand des Friseurhandwerks warten Modellköpfe darauf, frisiert zu werden.

Weniger Auszubildende

Die Stadt Wiesbaden hat einen ehemaligen Modeladen, der leerstand, für den Makerspace angemietet. Die Kommune unterstütze auf diese Weise das Projekt der Handwerkskammer, das der Berufsorientierung dienen soll, und sorge gleichzeitig für die Innenstadtbelebung, erläuterte die Leiterin des Referats für Wirtschaft und Beschäftigung, Birgit Knetsch. Finanzielle Unterstützung leistet auch das Wirtschaftsministerium.

Die Zahl der Ausbildungsverträge im Handwerk gehe seit geraumer Zeit zurück, berichtete Kammerpräsident Füll. Die Corona-Pandemie habe diese Entwicklung noch verschärft. „Für den Nachwuchs im Handwerk wird das in den nächsten Jahren gravierende Folgen haben. Uns fehlen am Ende auch Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber sowie künftige Ausbildende.“

Mit der Aktion Makerspace sollen Jugendliche, die in der Innenstadt unterwegs sind, für eine Lehre im Handwerk interessiert werden. Informationen gebe es nicht nur zu den 130 Ausbildungsberufen, sondern auch zu Praktikumsplätzen und Unternehmen, sagte Füll.

Mit dem Makerspace sei die erste Pop-up-Location in Wiesbaden gelungen sei, betonte Oberbürgermeister Mende, das Handwerk sei in der Innenstadt gut platziert. „Schließlich ist alles, was in Wiesbaden entstanden ist, irgendwann von Handwerkerinnen und Handwerkern gemacht worden.“ Den Drang zur Akademisierung hält der Sozialdemokrat für problematisch. „Ich würde mir wünschen, dass der Meister mit dem Master gleichgesetzt wird und damit die Ausbildung den gleichen Stellenwert hat wie ein Studium.“

Geöffnet ist der Makerspace im Luisenforum, Kirchgasse 6, montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr. Das Projekt läuft bis 3. Dezember.

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