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Wiesbaden: Diakonie baut Häuschen für Obdachlose

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Von: Andrea Rost

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Agim Kaptelli, Matthias Röhrig und Betina Weiler (v.l.) präsentieren die Schlafbox für Obdachlose.
Agim Kaptelli, Matthias Röhrig und Betina Weiler (v.l.) präsentieren die Schlafbox für Obdachlose. © Rolf Oeser

Die Diakonie Wiesbaden hat ein Minihäuschen für Obdachlose bauen lassen, in dem Menschen ohne festen Wohnsitz vorübergehend eine Bleibe finden können. Der Prototyp steht im Hof der Teestube. Damit mehr Häuschen gebaut werden können, läuft eine Spendensammlung.

Ein Bett, ein Schlafsack, ein Regal, ein kleiner Schreibtisch mit Hocker – mehr braucht es nicht, um obdachlosen Menschen ein Zuhause auf Zeit zu bieten. Der Prototyp des Minihäuschens, das das Diakonische Werk Wiesbaden im Zuge des Modellprojektes „Dach überm Kopf“ zusammen mit dem Schreiner Alexander Schmidt konzipiert hat, steht seit gestern im Hof der Teestube in der Dotzheimer Straße. Es ist aus wasserfestem Kiefernholz gefertigt, hat eine 12-Volt-Solaranlage auf dem Dach und eine Trockentoilette. In den nächsten Wochen sollen bis zu acht dieser Minihäuschen angefertigt werden, jedes kostet rund 12 000 Euro. Spenden seien bereits eingegangen, sagte der Leiter des Diakonischen Werkes Wiesbaden, Agim Kaptelli bei einem Pressegespräch. Doch es werde noch mehr finanzielle Unterstützung gebraucht.

Aufgestellt werden sollen die vier Quadratmeter großen, transportablen Häuschen auf kircheneigenem Gelände. Gedacht sind sie für Menschen, die in der Landeshauptstadt ohne festen Wohnsitz sind und aktuell in den Reisinger Anlagen, am Wiesbadener Hauptbahnhof oder in der Fußgängerzone im Freien übernachten. Viele von ihnen nähmen bestehende Hilfsangebote bislang nicht an, berichtete der Leiter der Teestube, Matthias Röhrig. Wegen seelischer Belastungen und Erkrankungen oder weil sie als Arbeitsmigranten aus Osteuropa keinen Anspruch auf Sozialleistungen hätten. „Wir wollen den Leuten eine Perspektive bieten, sie zeitnah in eine feste Bleibe im Übergangswohnheim der Diakonie oder in eine eigenen Wohnung vermitteln“.

Die Minihäuschen aus Holz seien nicht als dauerhafte Wohnstätte gedacht, betonte Röhrig. Maximal sechs Monate sollten die Bewohner:innen darin Schutz finden und in dieser Zeit engmaschig betreut werden. Das diakonische Werk wird für das Projekt ab 1. Januar 2023 einen eigenen Sozialarbeiter anstellen, kündigte Agim Kaptelli an. Die 80-Prozent-Stelle wird über den europäischen Sozialfonds EhAP-Plus finanziert.

Alle zwei Tage werde der Sozialarbeiter bei den Minihäuschen vorbeischauen. „Wir wollen die Leute an die Kirchengemeinden und die Teestube anbinden“, sagte Matthias Rörich. Auch Ehrenamtliche sollen die Männer und Frauen durch den Alltag begleiten, um soziale Integration zu ermöglichen.

Zwar gibt es keine Statistiken, wie viele Menschen in Wiesbaden trotz vielfacher Hilfsangebote obdachlos sind. Agim Kaptelli geht jedoch von 40 bis 60 Personen aus, für die die Aktion „Dach überm Kopf“ passen könnte. Entwickelt hat sich das Projekt aus dem Obdachlosenfest Wiesbaden, das die Boutiquebesitzerin Betina Weiler vor mehr als sieben Jahren ins Leben gerufen hat. Sie fungiert weiterhin als Sponsorin und Förderin.

Little Homes stehen leer

Bereits im September haben 100 Mitarbeiter:innen der Commerz Real im Zuge eines „Social Day“ auf dem Wiesbadener Marktplatz fünf Wohnboxen für Obdachlose aufgebaut. Dabei handelte es sich um „Little Homes“ des gleichnamigen Vereins von Sven Lüdecke. Die fertigen Holzcontainer stehen seither auf einem Gelände hinter dem Hauptbahnhof und sind unbewohnt. Offenbar sei von den Initiatoren verabsäumt worden, im Vorfeld mit der Stadt zu klären, wo die Wohnboxen für obdachlose Menschen in Wiesbaden aufgestellt werden und wer sich um die Betreuung der Bewohner:innen kümmert, sagte Agim Kaptelli. Dass das diakonische Werk die Häuschen für die Aktion „Dach überm Kopf“ verwenden könnte, schloss er aus. Bei „Little Homes“ handle es sich um eine private Initiative mit einem anderen Betreuungsansatz. „Das passt mit unserem Konzept nicht zusammen.“

Gerd Johannsen, Sprecher von Commerz Real, hofft indes, dass Sven Lüdecke und die Stadt sich bald über die weitere Verwendung der Little Homes einigen. „Die Kolleginnen und Kollegen, die bei der Aktion am Marktplatz mitgemacht haben, wüssten gerne, dass die Häuschen auch genutzt werden“, sagte er im Gespräch mit der FR.

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