1. Startseite
  2. Rhein-Main

Wiesbaden: Der Bus als echte Alternative

Erstellt:

Von: Madeleine Reckmann

Kommentare

Der On-demand-Shuttle Emil und ein Bus: Die Öffentlichen in Stadt und Landkreis sollen besser verknüpft werden.
Der On-demand-Shuttle Emil und ein Bus: Die Öffentlichen in Stadt und Landkreis sollen besser verknüpft werden. © Michael Schick

Landeshauptstadt und Rheingau-Taunus-Kreis erstellen ihre Nahverkehrspläne jetzt gemeinsam. Ziel ist, dass mehr Menschen das Auto stehen lassen.

Attraktiv sollen die neuen Pläne für den öffentlichen Nahverkehr sein, klar konstruiert und leicht zu begreifen – und sie sollen dazu beitragen, dass mehr Menschen vom Auto auf die Öffentlichen umsteigen. Wer sich von 2024 an von einem Ort in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis an einen anderen begeben möchte, soll Bus und Bahn als echte Alternative erfahren.

Deshalb sollen jetzt die Verkehrspläne für die Linienbusnetze durchgerüttelt und dann vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Erstmals seit 1969 wird der Busverkehr in Wiesbaden neu konzipiert. Da die Verkehrsbeziehungen zwischen Landeshauptstadt und Landkreis mannigfach sind, tun sich die beiden Gebietskörperschaften zusammen. „Die Bewegungen von Wiesbaden in den Rheingau-Taunus-Kreis sind eng verbunden und sollen besser aufeinander abgestimmt werden“, sagte der Wiesbadener Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) am Freitag bei der Projektpräsentation. Günter Döring, Verkehrsdezernent des Landkreises (SPD), möchte erreichen, dass viele Familien auf das Zweitauto verzichten können. 18 000 Personen pendeln täglich vom Landkreis nach Wiesbaden, umgekehrt sind es 5000. Weitere 10 000 Bewohner:innen des Landkreises passieren die Stadt, um etwa nach Frankfurt oder Groß-Gerau zu kommen. Aus Wiesbadener Sicht ist das Ziel, dass künftig nur 39 Prozent der Verkehrsteilnehmenden das Auto nutzen statt wie jetzt die Hälfte.

Die Neukonzeption ist ein Teil des sogenannten Plans B, nachdem die Citybahn in einem Bürgerentscheid abgelehnt wurde. Innovativ daran ist, dass die Konzeption auf Basis von Big Data geschehen soll. Die beiden lokalen Nahverkehrsorganisationen konnten ein Planerkonsortium gewinnen, das mit einem nutzerzentrierten Ansatz aus einer Vielzahl an mobilitätsrelevanten Daten die Funktionalität des bestehenden Netzes überprüft und neue Möglichkeiten entdecken möchte.

Bürgerbeteiligung geplant

„Wir haben ein Verfahren entwickelt, das aus Informationen der Telekommunikation, empirischen Daten und Haushaltsbefragungen ein valides Gesamtbild ergibt“, erläutert Michael Wurm, Direktor für Verkehrsanalysen bei der Frankfurter Gesellschaft Ioki, die gemeinsam mit dem Verkehrsplanungsbüro Planersocietät aus Dortmund die Neukonzeption aufstellt. Ob sich die Linienwege, die Taktung der Linien, die Position der Haltestellen und die Ausstattung des Fuhrparks künftig ändern, hängt also von ihnen ab. Allerdings hat die Öffentlichkeit die Chance zur Mitsprache. Die Bürgerbeteiligung soll im Frühjahr 2023 starten. 570 000 Euro darf die Neuplanung kosten.

Der Rheingau-Taunus-Kreis hat zum Winterfahrplan seine Buskapazitäten bereits erweitert. Der Kreistag gewährte der Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft das doppelte Budget (17,9 Millionen Euro). Zudem wird in Taunusstein seit Sommer 2021 das deutschlandweit größte On-demand-System erfolgreich erprobt. Kleinbusse namens Emil transportieren die Menschen flexibel und unabhängig von Fahrplänen. Das Modell soll jetzt auch in Idstein anlaufen.

Ob On demand auch für Wiesbaden eine Option ist, wird man sehen. Die Stadtverordneten hatten das Projekt 2021 wegen der Kosten von elf Millionen Euro abgelehnt. Mit der Neukonzeption soll versucht werden, mit den vorhandenen Ressourcen auszukommen, heißt es.

Auch interessant

Kommentare