Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Arbeiterwohlfahrt

Wiesbaden: Anklage im AWO-Skandal

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
    schließen

Staatsanwaltschaft wirft einem Ex-Stadtverordnetem und seiner Tochter schwere Untreue vor. Jetzt geht es vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat im Skandal um die Arbeiterwohlfahrten Frankfurt und Wiesbaden Anklage gegen Wolfgang Gores erhoben. Dem 61-Jährigen wird vorgeworfen, die Geschäftsführerin des AWO-Kreisverbands Wiesbaden, Hannelore Richter, zu schwerer Untreue angestiftet zu haben. Ebenfalls angeklagt ist seine 35 Jahre alte Tochter, der Beihilfe zur Untreue in besonders schwerem Fall zur Last gelegt wird.

Nach Informationen der Staatsanwaltschaft hat Gores im Dezember 2016 seine Kontakte zur Wiesbadener Geschäftsführerin genutzt, um seiner Tochter eine Scheinanstellung zu verschaffen, damit sie während des Bachelorstudiums finanziell versorgt ist. Die 35-Jährige soll sich daraufhin „unter ausdrücklicher Bezugnahme auf diese Kontaktaufnahme“ bei der Arbeiterwohlfahrt in Wiesbaden beworben und Ende Januar 2017 einen Arbeitsvertrag bekommen haben. Danach sollte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Flüchtlingshilfe arbeiten. Die monatliche Vergütung wurde auf 2460 Euro brutto, die Arbeitszeit auf 20 Wochenstunden festgesetzt.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hätten nun ergeben, dass Wolfgang Gores, seine Tochter und Hannelore Richter davon ausgingen, die 35-Jährige werde nicht für den Verband tätig werden. Bis zur Beendigung des Scheinarbeitsverhältnisses Ende Dezember 2019 soll sie keinerlei Arbeitsleistungen erbracht haben. Nichtsdestotrotz bezog sie laut Staatsanwaltschaft in diesem Zeitraum Gehalt in Höhe von knapp 53 100 Euro netto. Der AWO entstanden zudem Arbeitgeberkosten von insgesamt etwa 105 000 Euro. Oberstaatsanwältin Nadja Niesen teilte der FR am Dienstag mit, Hannelore Richter werde gesondert verfolgt und deshalb in diesem Fall zunächst nicht angeklagt. Das Amtsgericht Wiesbaden müsse nunmehr über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen Gores und seine Tochter entscheiden. Dies könne durchaus ein paar Monate dauern.

Gores beteuerte Unschuld

Im Falle der schweren Untreue könne das Strafmaß sich auf bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe belaufen. Bei einer Anstiftung erwarte den Anstifter die gleiche Strafe wie den Täter. Die Beihilfe zur schweren Untreue werde allerdings milder bestraft.

Ob die Arbeiterwohlfahrt Wiesbaden nun Schadensersatz bekomme, sei Sache des Zivilrechts und werde entsprechend gesondert behandelt. Bereits Ende Juli habe der Sachverwalter der insolventen AWO Wiesbaden einen Brief mit einer Forderung an Gores’ Tochter geschickt, hieß es aus dem Wiesbadener Kreisverband - darin fordert er einen Betrag von 105 000 Euro.

Wolfgang Gores war CDU-Stadtverordneter und legte sein Mandat wegen der AWO-Vorwürfe Anfang Juli 2020 nieder. Der 61-jährige Polizeibeamte hatte bereits eingeräumt, dass er den Kontakt zum AWO-Kreisverband Wiesbaden hergestellt habe, beteuerte aber, „mit der Sache“ nichts zu tun zu haben. Im Oktober 2019 hatte sich Gores in den AWO-Kreisvorstand wählen lassen, das Amt aber wenige Wochen später wieder niedergelegt. In einem anonymen Schreiben, das auch an die Staatsanwaltschaft ging, wurden damals Vorwürfe gegen ihn in dieser Sache erhoben.

Gores und sein Anwalt waren bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare