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Die Mädchen des Höchster Tennis- und Hockey-Clubs dürfen seit Anfang des Monats zusammen trainieren.
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Die Mädchen des Höchster Tennis- und Hockey-Clubs dürfen seit Anfang des Monats zusammen trainieren.

Corona in Hessen

Wieder über den Rasen jagen

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Jugendliche bis 14 Jahren dürfen seit März in Hessen wieder ohne Kontaktbeschränkungen trainieren. Der Landessportbund warnt vor einem erneuten Lockdown und fordert, den Vereinen mehr Vertrauen entgegenzubringen.

Um kurz vor halb fünf trudeln die ersten Mädchen des Höchster Tennis- und Hockey-Clubs auf dem Sportplatz ein. Die Neun- und Zehnjährigen ziehen auf der Tribüne neben dem blauen Kunstrasenplatz ihre Schienbeinschoner und Schuhe an. So sieht es das Hygienekonzept des Vereins vor. Die Hockeytrainerinnen Cornelia Grau und Ana Sophia de Uña haben schon verschiedene Parcours aufgebaut, beide tragen eine Maske. Die Mädchen hingegen dürfen ohne Maske und ohne Kontaktbeschränkungen dem Ball mit ihren Schlägern hinterherjagen. So sehen es die Lockerungen der Landesregierung vom 1. März vor. „Man merkt, wie gut es den Kindern tut“, sagt Grau.

Der Verein hat nach der monatelangen Pause mit maximal einer Einheit pro Woche via Zoom die Devise „Spaß“ ausgerufen. „Wir machen ganz viele Spiele, Wettkämpfe, lustige Sachen, damit sie so strahlend, wie sie herkommen, auch wieder gehen“, sagt Grau. Die 44-Jährige arbeitet in einer Arztpraxis und freut sich zwar, dass die Kinder wieder üben können, sieht es aber gleichzeitig angesichts der steigenden Infektionszahlen kritisch, dass die Kontaktbeschränkungen fürs Training aufgehoben sind. Dank der Schläger kämen sich die Mädchen aber zumindest nicht so nahe. „Außerdem achten wir darauf, dass sie sich nicht umarmen, sondern nur mit Fuß abklatschen“, ergänzt Co-Trainerin de Uña.

Die 16-Jährige ist Mitglied der Ersten Mannschaft und hat nicht das Privileg, im Team zu trainieren. Denn für alle über 15 Jahre gilt, dass sie maximal zu zweit und mit Abstand trainieren müssen. Der Hockeyclub hat einen kleinen Nebenplatz mit Tor, den die Mitglieder des Clubs buchen können.

Lockdown „wäre fatal“

„Sport ist aber auch für Altersgruppen über 15 Jahre wichtig“, sagt Roland Frischkorn, der Vorsitzende des Sportkreises Frankfurt. Er schlägt vor, Sport grundsätzlich auch bis zu einer Inzidenz von 150 in Gruppen von zehn Personen zu gestatten, „unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen und zunächst ohne Kontakt“. Das sieht auch der Landessportbund Hessen (Lsbh) so, der eine Corona-Sportampel ins Spiel gebracht hat.

„Die Kinder und Jugendlichen sind auf Bewegung angewiesen“, betont Juliane Kuhlmann, Vorsitzende der Sportjugend Hessen. Gerade in Corona-Zeiten, in denen die Kinder viel zurückstecken müssten, ihre Freunde nicht sehen, nicht in die Schule oder den Kindergarten gehen dürften.

Nach einem Jahr lägen mittlerweile zahlreiche Studien vor, die die Folgen des Bewegungsmangels dokumentieren. Demnach bewegten sich 80 Prozent der Heranwachsenden weniger als 45 Minuten am Tag. Viele Kinder und Jugendliche hätten einen massiv steigenden Medienkonsum. Dieses Inaktiv-sein wirke sich auch auf die Gesundheit aus. „Das führt zu Gewichtzunahme, Diabetes, und das Herz-Kreislaufsystem verschlechtert sich“, zählt Kuhlmann auf.

Am meisten Sorgen macht ihr die Psyche der Kinder. „Laut einer Studie zeigt jedes dritte Kind nach einem Jahr der Pandemie psychische Auffälligkeiten“, berichtet Kuhlmann. Anfragen beim Psychotherapeut:innen seien um 60 Prozent gestiegen. 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen fühlen sich einsam. Hinzu komme, dass die körperliche und psychische Gewalt in den Familien zugenommen habe. Ein erneuter Lockdown „wäre fatal“, warnt Kuhlmann. Sie fordert, den Vereinen ein Stück weit das Vertrauen entgegenzubringen, dass diese sich an die Regeln halten. „Die Vereine sind absolut bereit dazu. Man kann Sport unter freien Himmel und ohne Kontakt prima umsetzen“, sagt Kuhlmann. Es sei auch wichtig, dass die Politik die Stimme der Kinder höre. „Die Kinder haben ein Recht auf Bewegung und Freizeit“, bekräftigt die Vorsitzende der Landessportjugend.

Cornelia Grau berichtet von vielen Anfragen von Eltern, ob die Tochter nicht mal mittrainieren könne. Bis Ostern, so der Plan, sollen alle Teams einmal in der Woche trainieren. Danach wieder zweimal. Ob es dazu kommt, liegt in den Händen der Bundes- und Landesregierung.

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