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Wie Wandern auch Kindern Spaß macht

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Von: Andreas Hartmann

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Stefan Kriegelsteiner (links) und Martin Glomm haben mit ihren Kindern schon viele Ausflüge gemacht. Bild: privat
Stefan Kriegelsteiner (links) und Martin Glomm haben mit ihren Kindern schon viele Ausflüge gemacht. Bild: privat © Alexander Paul Englert Fischerfeldstraße 13 60311 Frankfurt Telefon: 01715499042 Mail: ape@englert-fotografie.de

Raus ins Grüne: Stefan Krieglstein und Martin Glomm sind „Die Ausflugsprofis“ - jezt teilen sie ihr Wissen

Neulich beim Wandern, herrliches Wetter, aber nur scheinbar ideale Bedingungen: Eine Familie mit zwei Töchtern im Aufstieg zu einer vielversprechenden Burgruine, das jüngere Mädchen in Tränen aufgelöst, die ältere trotz des märchenhaften Ziels schmollend und stöhnend, der Vater hilflos schulterzuckend zu den besorgten Passanten: „Eigentlich wandern sie sehr gerne!“.

Szenen wie diese sind Eltern, die es am Wochenende mitsamt Nachwuchs ins Grüne zieht (man kann sie ja nicht alleine zu Hause vor der Playstation sitzen lassen, außerdem gäbe es ja so viel zu sehen!), vermutlich vertraut. Oder auch nicht - Martin Glomm und Stefan Krieglsteiner, selbst Väter von insgesamt vier Kindern, sind mit dem Nachwuchs regelmäßig auf Tour gegangen und haben darüber ein sehr schönes, vom gelernten Grafiker Glomm und seiner Kollegin Julia Desch selbst liebevoll illustriertes Wanderbuch geschrieben.

„Die Ausflugsprofis. Gemeinsam durch Flora und Fauna in Rhein-Main“ führt an Orte, die mit kindlichem Blick faszinierend sein dürften, etwa zu Hochspannungsleitungen oder sumpfigen Bachauen, zu goldenen Göttern mitten im Wald oder Stränden voller Muschelschalen. Der Trick gegen Trotz und Tränen: „Man darf nicht zu zielorientiert sein, nicht zu ehrgeizig, dass man etwas unbedingt erreichen muss“, sagt Glomm. „Wenn man etwas Interessantes am Wegesrand findet, muss man Zeit haben dafür.“ Oft genug endeten die Wanderungen, ganz anders als eigentlich geplant, im Freibad oder an einer Eisdiele. Und natürlich stieß die Gruppe immer wieder auf faszinierende Orte in der näheren und weiteren Umgebung. Denn auch ein Ballungsgebiet wie Rhein-Main hält Überraschungen und stille Winkel bereit.

Das Buch

Martin Glomm/Stefan Krieglstein: Die Ausflugsprofis. Societäts-Verlag Frankfurt, 2022, 18 Euro, ISBN 978-3-95542-417-6

Besonders schwärmt Glomm etwa vom Weyer (ja, schreibt man wirklich mit Ypsilon) des Wellbachs bei Eppstein. „Der Teich ist wirklich faszinierend und ideal zum Spielen und Begreifen“, meint er. „Wo der Bach mündet, ist ein richtiges Minidelta aus Sediment und Geröll entstanden, wie bei einem großen Fluss. Nur kann man hier drüberlaufen.“

Wie hat er das denn entdeckt? „Das war, wie so oft, ein Zufall“, berichtet er. Krieglsteiner und Glomm planen solche Touren noch ganz klassisch mit Wanderkarte. Auch sehr schön: Der Hainbach bei Offenbach, in dem man wunderbar matschen kann. „Und man kann sicher anderthalb Kilometer lang im Bachbett laufen, das ist ganz toll“, schwärmt Glomm. „So ein Erlebnis hast du doch sonst nie!“ Er lacht, und man kann sich gut vorstellen, dass nicht nur Kinder Spaß an so einer Bachwanderung haben.

Beide Autoren lernten sich einst in der Krabbelstube der Kinder kennen. Unzählige Touren später - der Nachwuchs ist inzwischen dann doch aus dem Wandern-mit-Papa-Alter rausgewachsen - entstand die Idee, 20 besonders schöne Rundgänge aufzuschreiben. Weit fahren mussten sie dafür nicht, die entfernteste Tour führt in den Vogelsberg, die meisten liegen näher an ihren Wohnorten. Und alle Startpunkte lassen sich auch sehr gut mit Bus und Bahn erreichen.

Gedacht ist der Führer als Ideen- und Anregungsbuch für Eltern mit Kindern im Grundschulalter oder jünger. „Natürlich haben wir alles getestet und Wert auf kuriose Volten gelegt“, sagt Glomm. Das mit den „Wanderprofis“ im Titel sei augenzwinkernd gemeint. Falsch ist es aber auch nicht, der 57-Jährige war in seiner Jugend begeisterter Pfadfinder, und das sind unbestritten echte Feld-Wald-und-Wiesen-Experten. Bis heute liebe er den „Überraschungseffekt des Rausgehens“, sagt er. Aber man sollte mit Freunden wandern. „Das ist das A und O“, sagt er.

Dank der vielen kleinen Zwischentexte, der guten Bilder und Landkarten, schließlich auch wegen der fantasievollen Illustrationen, die alle eigens für das Wanderbuch entstanden sind, ist es auch ein schönes Lesebuch. Erwachsenen Wanderer:innen werden die meisten beschriebenen Touren mit ein bis drei Stunden Länge vermutlich zu kurz sein, aber man kann sie als Anregung nehmen und vielleicht mit Hilfe einer guten alten Wanderkarte (oder einer Wander-App) noch ein paar Schlenker dranhängen. Dann lässt sich am Wegesrand sicher noch viel mehr entdecken.

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