1. Startseite
  2. Rhein-Main

Wie grün sind deine Blätter

Erstellt:

Von: Meike Kolodziejczyk

Kommentare

Rein in den Wald mit der Säge, raus und nach Haus’ mit dem Baum: ein Adventsabenteuer für die ganze Familie (wie im vergangenen Winter am Forstamt Oberursel). Monika Müller
Rein in den Wald mit der Säge, raus und nach Haus’ mit dem Baum: ein Adventsabenteuer für die ganze Familie (wie im vergangenen Winter am Forstamt Oberursel). Monika Müller © Monika Müller

Nachhaltig, regional und frei von Giften sollte er sein. Die einen schlagen ihn selber im Wald, die anderen kaufen ihn im Baumarkt oder an der Straße. Auch in diesem Winter ein Christbaum für viele Menschen unbedingt dazu

Sie ist in vollem Gange, die besinnliche Zeit des Jahres. Bald flackern schon drei Kerzen auf dem Adventskranz, Menschen backen Plätzchen und schieben sich über Weihnachtsmärkte, Gebäude und Fenster sind dekoriert, allüberall glitzert und funkelt es. Doch es scheint vielerorts nicht ganz so üppig und hell zu leuchten wie sonst. Nachdem in den vergangenen beiden Jahren Corona die Freude aufs Fest gedämpft hat, trüben heuer der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehenden Kostensteigerungen für Lebensmittel, Licht und Wärme die Stimmung. Viele wollen weniger schenken, weniger schlemmen, weniger schmücken. Sogar Manni, der Frankfurter Christbaum am Römer, ist kürzer geraten als seine Vorgänger.

Dass sich daran ein Trend für die weihnachtliche Wohnstube festmachen lasse, glaubt Holger Schneider, Vorsitzender des „Arbeitskreises Hessischer Weihnachtsbaum“ im Hessischen Waldbesitzerverband, allerdings nicht. Der in Friedrichsdorf ansässige Arbeitskreis, dem etwa 50 Betriebe in Hessen angehören, könne für 2022 zwar „erst am 24. Dezember Bilanz ziehen“, aber bislang laufe die Saison genauso wie in den Vorjahren, nämlich ausgesprochen gut. Um in der Pandemie wenigstens etwas Grün ins Grau zu bringen, hätten sich 2020 und 2021 sogar mehr Leute einen Baum ins Zimmer gestellt als üblich. „Außerdem sind viele wegen der Kontaktbeschränkungen zu Hause geblieben“, erinnert Schneider.

In diesem Winter seien es die gestiegenen Preise, die zum Verzicht auf Reisen und Besuche führten. „Weil weniger Geld da ist, fahren weniger Menschen in Urlaub.“ Und da wollten sie es sich zumindest daheim schön machen. Bislang hätten Händler und Verkaufsstellen etwa so viele Bäume bestellt wie in der Adventszeit 2020 und 2021. „Ich orakel mal, dass die gesamte Saison so weitergehen wird und damit am Ende so ausfällt wie in den vorigen Jahren“, sagt Schneider.

Und während ansonsten fast alles teurer geworden ist, bleiben die Preise für Weihnachtsbäume stabil. Nach Angaben des „Bundesverbandes der Weihnachtsbaumerzeuger“ liegen die Preise pro Meter zwischen 21 und 27 Euro für Nordmanntannen und Nobilistannen, Blautannen sind für zwölf bis 16 Euro zu haben, Fichten für neun bis zwölf Euro. Das entspricht den Vorjahrespreisen.

Ob Corona, Krieg oder Energiekrise: In puncto Christbaum stellen sich unabhängig von äußeren Widrigkeiten jedes Jahr die gleichen Fragen. Woher soll sie kommen, die Tanne, die Fichte, die Kiefer, die Douglasie? Aus dem Supermarkt, dem Baumarkt, vom Verkaufsstand an der Straße, aus der Gärtnerei oder direkt aus dem heimischen Forst? Mit der ganzen Familie in den Wald zu stapfen und einen Weihnachtsbaum zu fällen, ist nicht nur ein zünftiges Adventszeitabenteuer, sondern auch aus ökologischen Gründen sinnvoll. Hessen Forst bietet ab diesem Wochenende wieder Möglichkeiten in verschiedenen Revieren an.

Mit der Axt im Walde

Einige Forstämter von Hessen Forst bieten auch in diesem Jahr frische Weihnachtsbäume aus dem Wald an, sowohl zum direkten Kauf als auch zum Selberschlagen. Während in den beiden vergangenen Wintern wegen der Pandemie die meisten Reviere auf weiteres Programm und Bewirtung verzichtet haben, ist heuer fast alles wieder wie vor Corona. Vielerorts gibt es zum Baum noch Kaffee und Kuchen, Glühwein, Punsch und Bratwurst. Vor der Fahrt in den Wald ist ein Blick auf die Homepage von Hessen Forst und das jeweilige Revier auf jeden Fall ratsam. Die FR hat die Termine in der Region zusammengestellt – und noch weitere Tipps parat.

Forstamt Wiesbaden-Chausseehaus

Bis Freitag, 23. Dezember, gibt es täglich von 9 bis 17 Uhr im Hof des Forstamtes Wiesbaden-Chausseehaus, Chausseehaus 20, Fichten, Blaufichten oder Nordmanntannen sowie Schmuckreisig zum Kauf. Die Revierförsterei Chausseehaus in Schlangenbad-Georgenborn, Am Forsthaus 4, bietet am Sonntag, 11. Dezember, von 13 bis 16 Uhr Nordmanntannen an. Die Feuerwehr und der Ortsbeirat Georgenborn reichen dazu Glühwein und Wildbratwurst.

Wer selbst Hand anlegen will an Nordmanntannen, hat dazu jetzt am Samstag und Sonntag, 10. und 11. Dezember, 9 bis 13 Uhr, Gelegenheit im Revier Zugmantel. Über den Siebenhügelweg ist die Fläche auf Forstwegen erreichbar. Sonntags sorgt die Freiwillige Feuerwehr Eschenhahn für das leibliche Wohl mit heißen Getränken und Wildbratwürsten. Kinder können an beiden Tagen Stockbrot am Lagerfeuer backen. Bitte Handschuhe und Handsäge mitbringen. Im Revier Idstein können am Samstag, 10. Dezember, 9 bis 15 Uhr, Nordmanntannen selbst gesägt werden. Wer das tun will, folgt an der Landstraße L3026 aus Idstein kommend der Beschilderung Richtung Dasbach und weiter dem geteerten Feldweg. Für Verpflegung ist gesorgt. Ein größeres Sortiment, nämlich Nordmanntannen, Nobilis, Fichten sowie Blaufichten, steht ebenfalls morgen, 9 bis 13 Uhr, zur Auswahl im Revier Wald-ems an der Lichtleitung Steinfischbach. Die Zufahrt ist ab Niederems-Reinborn, Ortsschild, beschildert.

Forstamt Königstein

Das Forstamt Königstein, dessen Reviere sich über einen großen Teil des Taunus erstrecken, bietet wieder mehrere Termine zum Selbersägen von Weihnachtsbäumen an.

Vom Sandplacken am Feldberg aus geht es am Samstag, 10. Dezember, 10 bis 16 Uhr, in den Wald zum Nordmanntannen-Fällen. Zur gleichen Zeit kann dies auch im Revier Brombach getan werden. Treffpunkt ist der Parkplatz am Ponyhof in Schmitten-Seelenberg.

Im Revier Billtalhöhe in Königstein werden am Samstag, 10. Dezember, von 10 bis 16 Uhr, ausgehend vom Parkplatz Landsgraben, Nordmanntannen zum Selbersägen angeboten.

In Kelkheim können am Samstag, 17. Dezember, von 9 bis 16 Uhr, Nordmanntannen selber gesägt werden. Treffpunkt ist auf dem Parkplatz Breiter Weg an der B455.

In Schloßborn lassen sich am Donnerstag, 15. Dezember, an der Kapellenstraße sowie am Samstag, 17. Dezember, am Hasenmühlenweg jeweils von 10 bis 16 Uhr Nordmanntannen schlagen.

Am Samstag, 17. Dezember, 10 bis 16 Uhr, gibt es noch einmal Nordmanntannen im Revier Brombach. Los geht es am Parkplatz am Pferdskopf in Schmitten-Treisberg.

Wer nicht selbst tätig werden will, kann an verschiedenen Stellen frisch geschlagene Bäume kaufen: Am Forstamt Königstein, Ölmühlweg 17, von Donnerstag, 15. Dezember, bis Samstag, 17. Dezember, jeweils 10 bis 15 Uhr, vor dem Rathaus in Eppstein, Hauptstraße 99, am Samstag, 17. Dezember, 9 bis 14 Uhr, sowie am Waldhaus am Arboretum Main-Taunus in Schwalbach am Samstag, 10. Dezember, 10 bis 14 Uhr.

Forstamt Darmstadt

Garantiert ungespritzte Nordmanntannen und Blaufichten können am Freitag, 16. Dezember, von 11 bis 16 Uhr, und am Samstag, 17. Dezember, von 9 bis 15 Uhr, am Forsthaus Eiserne Hand in Ober-Ramstadt geschlagen werden. Eine Handsäge, Arbeitshandschuhe, ein Zollstock und festes Schuhwerk sollten zur Ausstattung gehören. Am Samstag verlocken Glühwein, Kinderpunsch und Bratwurst dazu, „dieses besondere Flair mitten im Wald zu genießen“. Wer trotzdem lieber einen bereits geernteten Weihnachtsbaum erwerben will, hat am Freitag, 16. Dezember, von 14 Uhr an am Forsthaus „Hirschköpfe“ in der Dieburger Straße 255 die Möglichkeit dazu.

Forstamt Hanau-Wolfgang

Eine Nordmanntanne selbst sägen oder sich einen frisch geschlagenen Baum aussuchen kann man am Samstag und Sonntag, 17. und 18. Dezember, 10 bis 15 Uhr, am Forstamt Hanau-Wolfgang, Rodenbacher Chaussee 10a. Wer selbst Hand anlegen will, muss eigenes Werkzeug mitbringen. Beide Termine begleitet ein „Event“ mit Glühwein und Produkten aus dem Waldladen.

Eine Liste von Hessen Forst mit allen Terminen zum Selberschlagen und zum Verkauf im Überblick sowie Informationen zu Preisen gibt es auf www.hessen-forst.de

Der „Arbeitskreis Hessischer Weihnachtsbaum“ der hessischen Weihnachtsbaumerzeuger mit Sitz in Friedrichsdorf ist an den Hessischen Waldbesitzerverband angeschlossen. Er bietet auf seiner Website unter dem Reiter „Christbaumfinder“ eine Karte mit Betrieben aus dem ganzen Bundesland, die Bäume aus kontrolliertem Anbau anbieten, etwa in Wiesbaden, Niedernhausen oder Neu-Anspach.

Die Waldschutzorganisation Robin Wood gibt Informationen zu Öko-Weihnachtsbäumen, Tipps zu Siegeln und zum Einkauf sowie einen Überblick über lokale, nach Regionen sortierte Anbieter. Ihren Angaben zufolge werden ökologisch erzeugte Weihnachtsbäume an fast 80 Verkaufsstellen in Hessen angeboten. Die ganze Liste, die noch bis kurz vor Weihnachten regelmäßig aktualisiert wird, kann auf www.robinwood.de/schwerpunkte/okologische-weihnachtsbaume eingesehen werden. myk

„Die Liste ist dieses Jahr wieder erfreulich lang“, sagt Michelle Sundermann, Sprecherin von Hessen Forst. Und die Nachfrage nach regionalem Nadelgehölz sei seit Jahren gleichbleibend hoch. Wegen Corona fielen 2020 und 2021 einige Termine aus, und wenn es sie gab, dann meist ohne Begleitprogramm: ohne Glühwein, ohne Kinderpunsch, ohne Wildbratwurst. Das sei nun glücklicherweise auch wieder anders. „Es ist einfach ein Erlebnis und gehört für viele Familien zur Weihnachtszeit dazu, gemeinsam loszuziehen, einen Baum zu suchen und ihn abzusägen.“ Neben dem Freizeitwert habe das Nadelgehölz aus der Region aber vor allem ökologische Vorteile. Die Tannen und Fichten von Hessen Forst seien „garantiert ungespritzt und ohne Pestizide aufgewachsen“, betont Sundermann. Zudem seien sie nachhaltig erwirtschaftet: „Für jeden Baum, der gefällt wird, wird ein neuer gepflanzt.“ Und sie hätten übrigens kaum gelitten unter den Dürresommern 2018 bis 2020 sowie 2022. Wer sich einen Baum aus dem heimischen Hain ins Haus hole, müsse deswegen also kein schlechtes Gewissen haben.

Weniger Sinn hat es indessen, für einen unbehandelten, nachhaltig erzeugten Christbaum 30 Kilometer weit mit dem Auto in die Wildnis zu fahren. Da fällt die Umweltbilanz dann auch eher mau aus – aber immer noch besser, als wenn man sich ein importiertes Gewächs unklarer Herkunft ins Haus holt.

Zu lange Transportstrecken und Gift im Geäst sind die unschönen Nebeneffekte, auf die Naturschutzorganisationen alle Jahre wieder hinweisen. Laut Nabu und Robin Wood stammen immer noch die meisten Weihnachtsbäume aus Plantagen, in denen „kräftig gespritzt und gedüngt“ wird. Wer auf toxische Ausdünstungen in der Stube verzichten möchte, sollte darauf achten und zu einem Baum mit Bio-Siegel greifen. Oder eben zu Tannen und Fichten von zertifizierten, kontrollierten Betrieben oder von den Forstämtern.

Ein Plastikexemplar ist übrigens wohl für die meisten Menschen keine Alternative. „Da würde ich eher ganz verzichten“, sagt Hessen-Forst-Sprecherin Michelle Sundermann. Eine gute Idee sei dagegen ein Baum mit Wurzelballen im Topf, der dann nach Weihnachten wieder „in die Freiheit gepflanzt“ werden könne.

Welches Bäumchen soll’s denn nun sein? Monika Müller
Welches Bäumchen soll’s denn nun sein? Monika Müller © Monika Müller
Weniger ist manchmal mehr, gerade zur Weihnacht. Michael Schick
Weniger ist manchmal mehr, gerade zur Weihnacht. Michael Schick © Michael Schick

Auch interessant

Kommentare