Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Trotz der Nähe zum Hochzeitsturm wird der Ernst-Ludwig-Brunnen kaum wahrgenommen.
+
Trotz der Nähe zum Hochzeitsturm wird der Ernst-Ludwig-Brunnen kaum wahrgenommen.

Darmstadt

Wichtiges Zeitzeugnis des Wiederaufbaus

  • Jens Joachim
    VonJens Joachim
    schließen

Die Stadt lässt den Ernst Ludwig-Brunnen, der 1958 auf der Weltausstellung in Brüssel gezeigt wurde, sanieren. Die Anlage erinnert an den letzten Darmstädter Großherzog.

Die Bestrebungen der Stadt, die Mathildenhöhe als Unesco-Weltkulturerbe anerkennen zu lassen, führen dazu, dass auch kleinere Sanierungsarbeiten auf dem Darmstädter Musenhügel in Angriff genommen werden. Am Montagvormittag haben Arbeiter einer Baufirma aus Bad Vilbel-Dortelweil damit begonnen, im Auftrag der Stadt den Ernst-Ludwig-Brunnen am Alexandraweg zu sanieren. Die unter Denkmalschutz stehende Brunnenanlage befindet am unteren Ende des Treppenaufgangs zum Ernst-Ludwig-Haus.

Bei dem Brunnen, in dem schon seit einiger Zeit kein Wasser mehr plätschert, handelt es sich nach Angaben der Stadt um eine der „architektonischen und künstlerischen Kostbarkeiten der Mathildenhöhe“. Bei einer baufachlichen Untersuchung hat sich nun herausgestellt, dass die Armierungseisen der Betondecke des Technikraums schon sehr stark verrostet sind.

Nach Einschätzung eines Darmstädter Ingenieurbüros ist die statische Sicherheit nicht mehr gewährleistet. Aus diesem Grund muss nach einer Mitteilung der Stadt die Bodendecke komplett abgetragen und durch eine neue ersetzt werden. Die hierfür erforderlichen Sanierungsarbeiten sollen etwa vier Wochen dauern. Gestern Mittag waren drei Bauarbeiter zunächst noch mit Vorbereitungsarbeiten am Fundament einer Schautafel für die Ausstellung des Instituts Mathildenhöhe beschäftigt.

Nach den Worten von Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) ist der Brunnen allerdings nicht nur künstlerisch bedeutsam. Er sei zugleich „ein wichtiges Zeitzeugnis des Wiederaufbaus“ und somit „ein Dokument der Weiterentwicklung der Mathildenhöhe“. An der Stelle stand von 1901 bis 1944 das sogenannte Haus in Rosen, das der Architekt Joseph Maria Olbrich für den Maler Hans Christiansen gebaut hatte. Das Haus wurde im September 1944 durch eine Luftmine vollständig zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Der Ernst-Ludwig-Brunnen war ursprünglich Teil des deutschen Beitrags zur Weltausstellung 1958 in Brüssel und wurde dort als „Quellenraum“ gezeigt. Der Gesamtentwurf stammt vom Architekten Otto Bartning, der damals in Darmstadt lebte. Bartning entwickelte die grundlegenden Ideen des Bauhauses in Weimar und wurde mit seinen modernen Wohnungs- und Kirchenbauten ein maßgeblicher Impulsgeber des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Ausstellung über den „Architekt der sozialen Moderne“, die von Ende März bis Mitte Juni in der Berliner Akademie der Künste in Berlin gezeigt worden war, wird vom 19. November an im Museum Künstlerkolonie sowie im Design Haus in Darmstadt zu sehen sein.

Das halbrunde Wandrelief des Ernst-Ludwig-Brunnens stammt vom Berliner Bildhauer Karl Hartung. Nach dem Ende der Weltausstellung in Brüssel wurde der Brunnen von der „Gesellschaft der Förderer der Künstlerkolonie“ erworben und 1959 am Alexandraweg wieder aufgebaut. Sechs Jahre später wurde dann an der Mauer der Brunnenanlage die künstlerisch gestaltete Metallinschrift „Zum Gedenken an Großherzog Ernst Ludwig 1868-1937“ angebracht.

Vor acht Jahren gab es Pläne, den Brunnen zugunsten eines Museums zu ersetzen. Doch das noch von Partschs Amtsvorgänger Walter Hoffmann (SPD) unterstützte Vorhaben entwickelte sich zum Politikum. Gegen die Bebauung des exponierten Grundstücks sprach sich eine Bürgerinitiative aus. Letztlich zog das Ehepaar Gisa und Hans-Joachim Sander seine Pläne für den Museumsbau auf der Mathildenhöhe zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare