+
Bei der Bahn wird in die Schiene investiert.

Deutschlandtakt

Die Großprojekte der Bahn in Süddeutschland

  • schließen

Damit der Fernverkehr schneller voran kommt, baut die Bahn ihr Netz um. In Süddeutschland sind zahlreiche Aus- und Neubaustrecken geplant. Ein Überblick.

Mehr Tempo, neue Trassen, bessere Taktung: Für den Süden Deutschlands planen Bundesverkehrsministerium und Bahn in den kommenden Jahren zahlreiche Großprojekte. Einige Faktenblätter. 

Frankfurt–Fulda

Fahrzeit:  Verkürzung für ICE um elf auf 45 Minuten.

Projekte:  Vorgesehen ist, die bestehende Strecke Hanau - Gelnhausen von zwei auf vier Gleise auszubauen. Ferner wird eine neue Trasse zwischen Gelnhausen und Fulda entstehen. Der Bundesverkehrswegeplan enthält weitere Projekte, etwa die Anbindung Erfurts über eine Aus- oder Neubaustrecke im Korridor Wildeck / Blankenheim – Bad Hersfeld – Kirchheim / Langenschwarz.

Status: Für Gelnhausen - Fulda ist eine Vorzugsvariante gefunden. Weitere Projekte als vordringlich definiert.

Geplante Kosten:  4,3 Milliarden Euro

Infos: bvwp-projekte.de, www.hanau-wuerzburg-fulda.de

Knoten Frankfurt

Projekte:  Der Frankfurter Hauptbahnhof ist als Sackbahnhof ein Zeitfresser, weil die Züge wenden müssen. Deshalb fordert der Bundesverkehrswegeplan 2030 einen zweigleisigen Fernbahntunnel mit einem viergleisigen Tiefbahnhof. Dafür wurde jüngst eine vertiefende Machbarkeitsstudie zwischen Bund und Bahn vereinbart.

Zugleich läuft schon jetzt eine Reihe von Projekten unter dem Titel „Frankfurt Rhein/Main plus“. Vorgesehen sind zwei zusätzliche Gleise vom Stadion zum Hauptbahnhof einschließlich einer dritten Mainbrücke in Niederrad. Am Stadion soll ein zweigleisiges Überwerfungsbauwerk entstehen, damit die Züge zwischen Südbahnhof und Flughafen nicht die Züge in Nord-Süd-Richtung stören. Die Regionaltangente West gehört ebenso dazu wie eigene S-Bahn-Gleise nach Friedberg und nordmainisch nach Hanau.

Status:  teils schon laufend, teils als vordringlicher Bedarf definiert.

Geplante Kosten:  5,6 Milliarden Euro

Informationen unter www.frmplus.de und bvwp-projekte.de

Frankfurt–Mannheim

Fahrzeit:  Verkürzung für ICE um neun auf 29 Minuten bei Tempo 300.

Projekt:  Geplant ist eine zweigleisige Neubaustrecke entlang der Autobahnen 5 und 67 – von Zeppelinheim bei Frankfurt über Darmstadt nach Mannheim-Waldhof. Tagsüber fahren ICE, nachts rollt dort der Güterverkehr.

Status:  In Beteiligungsforen ermittelt die Bahn ihre Wunschtrassen. Diese „Vorzugsvarianten“ sind festgelegt für die Güterverkehrsanbindung bei Weiterstadt und den Verlauf zwischen Lorsch und Mannheim. Im nächsten Jahr wird die Anbindung Darmstadts und der Verlauf zwischen Landwaden und Lorsch geklärt – und damit der Gesamtverlauf.

Geplante Kosten:  4,4 Milliarden Euro

Informationen:  www.rhein-main-rhein-neckar.de und bvwp-projekte.de

Mannheim–Stuttgart

Fahrzeit:  38 Minuten für ICE, Tempo 280.

Bestehende Strecke:  Die fast 100 Kilometer lange Schnellfahrstrecke wurde als eine der ersten bis 1991 gebaut. Sie wird 2020 mehrere Monate lang gesperrt und saniert. An den Deutschlandtakt-untauglichen 38 Minuten wird das aber nichts ändern. Das Verkehrsministerium in Stuttgart brachte jüngst einen Tunnel zwischen dem Ende der Schnellfahrstrecke und dem künftigen S21-Bahnhof ins Gespräch, um schneller zu werden. Alternativ wären die Minuten in den angrenzenden Strecken zu sparen.

Stuttgart 21

Projekt:  Der Hauptbahnhof Stuttgart wird von einem oberirdischen Kopf- zu einem unterirdischen Durchgangsbahnhof umgebaut und mit einem Schienenring in alle Richtungen angebunden. Damit müssen Züge nicht wenden, sondern können direkt weiterfahren. Das spart viel Zeit. 60 Kilometer misst die zugehörige Ausfahrt bis Wendlingen in Richtung Ulm; 33 Kilometer sind Tunnel und Durchlässe.

Status:  im Bau. Inbetriebnahme vorgesehen für Dezember 2025.

Geplante Kosten:  8,2 Milliarden Euro

Infos: bahnprojekt-stuttgart-ulm.de

Stuttgart–Ulm

Fahrzeit:  Verkürzung um 26 auf 28 Minuten bei Tempo 250 (mit Zeitersparnis durch den Bahnhofsumbau).

Projekt:  Die Neubaustrecke Wendlingen - Ulm schließt sich direkt an Stuttgart 21 an. Um die Schwäbische Alb zu überqueren, entfällt die Hälfte der 60 Kilometer auf fünf Tunnel. Der Hauptbahnhof in Ulm wird umgebaut.

Status:  im Bau. Inbetriebnahme vorgesehen für Dezember 2022.

Geplante Kosten:  3,7 Milliarden Euro

Infos: bahnprojekt-stuttgart-ulm.de

Ulm–Augsburg

Fahrzeit: Verkürzung um zehn auf bis zu 30 Minuten bei Tempo 250.

Projekt: Zwischen Neu-Ulm und Dinkelscherben soll eine zweigleisige Strecke aus- oder neugebaut werden. Zwischen Dinkelscherben und Augsburg könnte ein drittes Gleis schnelle und langsame Züge trennen.

Status:  aktuell in der Startphase.

Geplante Kosten:  1,9 Milliarden Euro

Infos: www.ulm-augsburg.de, bvwp-projekte.de

Karlsruhe–Basel

Fahrzeit:  Verkürzung für ICE von 100 auf 70 Minuten, 30-Minuten-Takt in Mannheim, Karlsruhe und Basel.

Projekt:  Aus- und Neubau der 182 Kilometer langen Strecke auf vier Gleise.

Status:  Erledigt sind die Abschnitte Raststatt-Süd bis Offenburg (2004) und Schliengen/Auggen bis Eimeldingen mit dem Katzenbergtunnel im Landkreis Lörrach (2012). Aktuell sind in Weil am Rhein/Haltingen erste Bauwerke fertig. Nördlich wird am 4270 Meter langen Tunnel Rastatt gearbeitet; 2017 senkten sich dabei die bestehenden Gleise mit heftigen Folgen. Einige Abschnitte müssen nach einem Bundestagsbeschluss zu Forderungen der Region neu geplant werden.

Der Bundesverkehrswegeplan sieht zwei neue Gütergleise vor, die die Freiburger Bucht umfahren.

Kosten  im Verkehrswegeplan: 3,2 Milliarden Euro

Infos: www.karlsruhe-basel.de, bvwp-projekte.de

München–Berlin

Projekt:  Die Verbindung München - Berlin kommt dank der Schnellfahrabschnitte Nürnberg, Erfurt, Halle, Leipzig, Berlin gut bei den Reisenden an. Hier stehen Verbesserungen bei Fürth und Bamberg an, die noch mehr Tempo möglich machen sollen. Auch am Knoten München soll gearbeitet werden.

Status:  vordringlicher Bedarf.

Kosten:   1,7 Milliarden Euro (ohne Knoten München)

Infos: www.vde8.de, bvwp-projekte.de

Güterkorridor

Projekte:  Der internationale Güterverkehr zwischen Nordsee (Rotterdam) und Mittelmeer (Genua) nimmt mit dem Gotthard-Basistunnel zu. Dieser Transeuropäische Korridor Rhein - Alpen läuft in Deutschland über Köln, Mainz-Bischofsheim, Mannheim und Freiburg. Projekte wie im Norden Emmerich - Oberhausen und im Süden Karlsruhe -Basel zielen darauf ab, dem Güterverkehr den Weg zu eben. Im Mittelrheintal klagen viele Anwohner über Lärm. Ob eine im Verkehrswegeplan aufgeführte neue Gütertrasse zwischen Troisdorf bei Köln und Mainz-Bischofsheim tatsächlich gebaut wird, ist offen. 

Deutschlandtakt - Frankfurt liegt mittendrin

Frankfurt liegt zentral im Herzen des Fernverkehrsnetzes der Deutschen Bahn. Alleine zwischen Frankfurt und Mannheim treffen sich ICE, die nach Köln, Hamburg, Berlin, München, Basel und Paris fahren. Auch der internationale Güterverkehr zwischen Mittelmeer und Nordsee muss hier durch. Wenn sich also rund um Frankfurt etwas verbessern lässt, wirkt das in alle Himmelsrichtungen. Die Planer des Deutschlandtakts ziehen die Konsequenzen daraus. 

So könnte der Fahrplan von 2030 aussehen

Wie könnte die Abfahrstafel für den Frankfurt Hauptbahnhof im Jahr 2030 konkret aussehen? Der Hamburger Bahnfan Marcus Granert zeigt das mit seinem Privatprojekt Fernbahn.de, wo er seit dem Jahr 2008 Daten zum Zugverkehr archiviert und frei verfügbar macht. Enthalten ist auch der komplette künftige Regionalverkehr.

Eine Recherche nach bestimmten Verbindungen  ist ebenfalls möglich.

Die Daten sind keine endgültigen Fahrzeiten. Sie basieren auf einem aktuellen Gutachten zum Deutschlandtakt. Ein finaler Gutachterentwurf wird für Anfang nächsten Jahres erwartet.

Keine Großprojekte der Bahn ohne Bürgerbeteiligung

In den vergangenen Jahren setzte sich die Erkenntnis durch, dass Großprojekte, wie sie jetzt in beachtlicher Zahl anstehen, nur im Dialog mit allen Beteiligten umzusetzen sind. Gesetzgeber, Bahn und Betroffene sammeln im Kinzigtal und in Südhessen Erfahrungen mit einer solchen Bürgerbeteiligung. Dialogforum nennt sich das zwischen Hanau und Fulda, Beteiligungsforum zwischen Frankfurt und Mannheim.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare